VCÖ: Österreich Europas Spitzenreiter bei Bahn, Bus und städtischen Öffis

VCÖ: 3.405 Kilometer pro Kopf und Jahr, vor Schweiz und weit vor Deutschland

VCÖ (Wien, 21. September 2017) – Im Verhältnis zur Einwohnerzahl werden in keinem anderen europäischen Land so viele Kilometer mit Bahn, Bus und städtischen öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren wie in Österreich, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. Aber auch in Österreich wird zu viel mit dem Auto gefahren. Der VCÖ fordert den verstärkten Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in den Ballungsräumen und eine gute Erreichbarkeit der regionalen Zentren mit Bahn und Bus.

„Österreich ist Europameister bei den mit Bahn, Bus und städtischen Öffis gefahrenen Kilometern“, fasst VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von nun veröffentlichten Daten der EU-Kommission zusammen. Im Schnitt werden in Österreich pro Jahr und Einwohner 3.405 Kilometer mit Bahn, Bus (Linienbus und Reisebus) und dem städtischen Öffentlichen Verkehr gefahren. Damit liegt Österreich vor der Schweiz (3.335 Kilometer), wo zwar am meisten Bahn gefahren wird, aber deutlich weniger mit städtischen Öffis und Bus. Den EU-Schnitt (2.130 km) und Deutschland (2.110 km) übertrifft Österreich um rund 60 Prozent. Schlusslicht in der EU ist Litauen, wo pro Kopf nur 1.040 Kilometer mit Bahn, Bus oder städtischen Öffis gefahren werden.

Morgen findet europaweit der „Autofreie Tag“ statt. Der VCÖ weist darauf hin, dass auch in Österreich noch immer zu viele Strecken mit dem Auto gefahren werden. „Die Österreicherinnen und Österreicher sitzen mehr als doppelt so viele Kilometer hinter dem Autolenkrad wie auf den Sitzen von Bahn, Bus oder Bim. Die Staus in den Ballungsräumen sind eine tägliche Erinnerung, dass mehr Autofahrten auf öffentliche Verkehrsmittel, aber auch auf das Fahrrad zu verlagern sind“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Immerhin sind 40 Prozent der Autofahrten kürzer als 5 Kilometer, macht der VCÖ aufmerksam.

Der VCÖ fordert den Ausbau der Bahnverbindungen in den Ballungsräumen, wo Bevölkerungszahl und Arbeitsplätze stark zunehmen. Gleichzeitig ist die Häufigkeit der Bahnverbindungen zu erhöhen. Angesichts der Flexibilisierung der Arbeitszeiten und der Zunahme von Teilzeitarbeit sind auch außerhalb der klassischen Pendlerzeiten häufigere Bahnverbindungen anzubieten. Vorbild ist die Schweiz, wo es landesweit einen dichten Taktverkehr gibt. Österreichs regionale Zentren sind gut an das öffentliche Verkehrsnetz anzuschließen.

Großen Verbesserungsbedarf gibt es bei den Fahrten zur Arbeit. Laut Daten des Verkehrsministeriums fahren zwei Drittel der Beschäftigten mit dem Auto zur Arbeit. „Viele Beispiele zeigen, dass mit betrieblichem Mobilitätsmanagement viele Beschäftigte zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad motiviert werden können. Hier braucht es verstärkte Anreize, dass Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten Mobilitätsmanagement einführen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Betriebliche Incentives für umweltfreundliche Mobilität der Beschäftigten sollen steuerlich entlastet werden, betont der VCÖ.

Als Tourismusland ist Österreich aber auch gefordert, den Urlaubsverkehr verstärkt auf Klimakurs zu bringen. So soll die Anreise mit der Bahn nach Österreich forciert werden, die Tourismusregionen können mit umfassenden Mobilitätsangeboten vor Ort wesentlich dazu beitragen, dass Urlaubsgäste weniger mit dem Auto fahren. "Angesichts der stark wachsenden Zahl autofreier Haushalte in Europas Großstädten ist es auch aus ökonomischen Gründen wichtig, dass der heimische Tourismus öffentliche Verkehrsangebote in den Regionen forciert", stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Ein Positivbeispiel ist die Touristische Mobilitätszentrale Kärnten, die diese Woche mit dem VCÖ-Mobilitätspreis Österreich ausgezeichnet wurde. 

VCÖ: Österreich Europas Spitzenreiter bei Bahn, Bus und Bim
(Mit Bahn, Bus und städtischen Öffis im Land gefahrene Kilometer pro Einwohner und Jahr)

1. Österreich: 3.405 km
2. Schweiz: 3.335 km
3. Tschechien: 3.245 km

4. Ungarn: 2.885 km
5. Estland: 2.740 km
6. Irland: 2.725 km

7. Italien: 2.670 km
8. Frankreich: 2.630 km
9. Luxemburg: 2.620 km

10. Schweden: 2.545 km
11. Dänemark: 2.405 km
12. Belgien: 2.365 km

13. Griechenland: 2.235 km
14. Finnland: 2.220 km
15. Deutschland: 2.110 km

16. Bulgarien: 2.070 km
17. Slowenien: 2.040 km
18. Großbritannien: 1.840 km

19. Spanien: 1.720 km
20. Zypern: 1.680 km
21. Slowakei: 1.665 km

22. Norwegen: 1.640 km
23. Polen: 1.555 km
24. Lettland: 1.540 km

25. Rumänien: 1.530 km
26. Niederlande: 1.375 km
27. Malta: 1.240 km

28. Kroatien: 1.175 km
29. Portugal: 1.065 km
30. Litauen: 1.040 km

EU-28 Schnitt: 2.130 km

Quelle: EU-Kommision

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