VCÖ: Österreich braucht mehr Öffentlichen Verkehr mit hoher Qualität

VCÖ (Wien, am 24. Februar 2014) – Österreichweit hat die Zahl der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs in den vergangenen Jahren zugenommen. Rund sechs von zehn Österreichern über 15 Jahre nutzen öffentliche Verkehrsmittel, so der VCÖ. Die Qualitätsunterschiede in Österreich sind sehr groß. Vor allem im ländlichen Raum aber auch in den Ballungsräumen braucht es eine Qualitätsoffensive, wie die aktuelle VCÖ-Studie zeigt. Der VCÖ fordert österreichweit mehr Öffis mit hoher Qualität und hat dafür eine Unterschriftenaktion (www.vcoe.at/mehroeffis) gestartet.

Laut Statistik Austria nutzen 58 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher über 15 Jahre öffentliche Verkehrsmittel, davon fast die Hälfte häufig. „Pro Jahr werden in Österreich rund 25 Milliarden Personenkilometer mit Öffis zurückgelegt. Das sind um rund drei Milliarden Kilometer mehr als noch im Jahr 2005. Österreich liegt bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im europäischen Spitzenfeld. In allen Bundesländern ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Fahrgäste gestiegen“, weist VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer auf den Trend zum Öffentlichen Verkehr hin. Mit Österreichs Bahnen waren im Jahr 2012 rund 262,9 Millionen Passagiere unterwegs, um 43 Prozent mehr als im Jahr 2003. Laut Aussagen von Bahnunternehmen ist die Zahl der Fahrgäste im Jahr 2013 weiter gestiegen.

Die Qualitätsunterschiede beim Öffentlichen Verkehr in Österreich sind groß. „Teilweise wird bereits Schweizer Qualität erreicht, gleichzeitig gibt es aber in ländlichen Regionen große Lücken im Öffentlichen Verkehrsnetz“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Ein Beispiel für sehr hohe Qualität ist die Westbahnstrecke. Hier gibt es für die Verbindung Wien – Salzburg 49 direkte Verbindungen, um 21 mehr als noch im Jahr 1993. Im ländlichen Raum gilt die Versorgung im Bregenzerwald als vorbildhaft.

Großes Verbesserungspotenzial gibt es bei den inneralpinen Bahnverbindungen, wie die VCÖ-Studie zeigt. So gibt es zwischen Graz und Linz nur zwei direkte Verbindungen (plus fünf mit Umsteigen), im Jahr 1993 gab es noch acht direkte Verbindungen. Ähnlich die Situation auf der Strecke Graz –Innsbruck. Auf dieser Strecke hat es in den vergangenen 20 Jahren ebenso keine Verringerung  der Fahrzeit gegeben, wie auch auf der Strecke Klagenfurt – Salzburg sowie Wien – Graz. 

„In den Ballungsräumen steht vor allem die Kapazitätserweiterung im Vordergrund. Die Öffis stoßen hier teilweise bereits an ihre Kapazitätsgrenzen und angesichts des Bevölkerungswachstums drohen Engpässe“, verweist VCÖ-Experte Gansterer auf die Bevölkerungsprognosen. Demnach werden bis zum Jahr 2030 in den Landeshauptstädten und deren Umland um rund eine halbe Million Menschen mehr leben als heute. Für Ballungsräume sind S-Bahnen ein ideales, weil leistungsstarkes Verkehrsmittel. Österreichs einziger Ballungsraum ohne S-Bahn ist ausgerechnet der zweitgrößte, nämlich der Ballungsraum Linz – Wels. Der VCÖ fordert die rasche Umsetzung eines S-Bahnsystems, um Pendlerinnen und Pendler eine gute, kostengünstige und schnelle Alternative zum Pkw zu bieten.

Ein großes Sorgenkind bei der Qualität des Öffentlichen Verkehrs ist der ländliche Raum. Hier weist das öffentliche Verkehrsnetz große Lücken auf, selbst regionale Zentren sind oft nicht ausreichend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Neben fehlenden Verbindungen gibt es bei bestehenden Angeboten zu oft Qualitätsmängel. Hier braucht es dringend Mindeststandards für die Qualität. „Bushaltestellen müssen gut, barrierefrei und sicher erreichbar sein. Eine Überdachung, Sitzgelegenheit und gut lesbare Fahrpläne sollten bei jeder Bushaltestelle eine Selbstverständlichkeit sein“, so VCÖ-Experte Gansterer. Bei den aktuellen Ausschreibungen im Busverkehr ist sicherzustellen, dass die Qualität für die Fahrgäste nicht verschlechtert, sondern verbessert wird. Nicht das billigste, sondern das für die Fahrgäste beste Angebot sollte den Zuschlag erhalten.

Bei der Qualitätsbeurteilung sind aus Sicht der Fahrgäste drei Ebenen zu unterscheiden. Die Basisfaktoren, wie Anzahl der Verbindungen, Betriebszeiten, Pünktlichkeit und Sauberkeit. Die Leistungsfaktoren, wie der Fahrpreis, komfortable Haltestellen, intermodale Mobilitätsangebote und eine gute Kundenbetreuung. Und die Begeisterungsfaktoren, wie Informationen in Echtzeit, WLAN oder einfaches und modernes Ticketing. „Das Erfüllen der Basisfaktoren wird von den Fahrgästen erwartet. Das Nichterfüllen führt zu großer Unzufriedenheit. Die Leistungsfaktoren entscheiden darüber, als wie attraktiv öffentliche Verkehrsmittel gesehen werden. Fehlen die Begeisterungsfaktoren führt das nicht zur Unzufriedenheit der Fahrgäste, aber wenn sie erfüllt werden, nimmt die Zufriedenheit der Fahrgäste stark zu“, erklärt VCÖ-Experte Gansterer. Österreichs Fahrgäste sind zufriedener als der EU-Schnitt, es gibt aber in einigen Bereichen einen Abstand zu den Spitzenreitern.

Zum Mindeststandard gehört auch ein bundesweiter Taktfahrplan, der auf der Bahn mindestens einen Stundentakt und zur Hauptverkehrszeit einen Halbstundentakt anbietet. Busse und andere Anschlüsse sind konsequent darauf auszurichten. Zuverlässigkeit bedeutet pünktliche Verbindungen und Informationen, wie Ersatz bei Ausfällen, aber auch die Garantie einer hohen Angebotsqualität sowie eines Anschlusses und regelmäßiger Verbindungen in den Rand- und Abendzeiten, betont der VCÖ.

Damit österreichweit die Qualität des Öffentlichen Verkehrs verbessert wird, startet der VCÖ eine Unterschriftenaktion. Der Aufruf für "Mehr Öffis mit hoher Qualität!“ kann unter www.vcoe.at online unterschrieben werden, Unterschriftenlisten können auch beim VCÖ unter (01) 8932697 bestellt werden. Erstunterzeichnende der VCÖ-Initiative sind unter anderem: Karl Blecha (Pensionistenverband Österreichs), DI Univ.-Prof. Dr. Josef Michael Schopf (TU Wien), Alexander Egit (Greenpeace CEE), Hans Mayrhofer (Ökosoziales Forum), Martin Schenk (Diakonie Österreich), Andrea Johanides (WWF), Birgit Mair-Markart  (Naturschutzbund Österreich) und Reinhard Uhrig (Global 2000). "Die Anliegen der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs kommen auch in der politischen Diskussion oft zu kurz. Wir wollen erreichen, dass es österreichweit mehr Öffentlichen Verkehr mit hoher Qualität gibt“, ruft VCÖ-Experte Gansterer zur Unterstützung der Initiative auf.

VCÖ-Initiative "Mehr Öffentlicher Verkehr mit hoher Qualität": www.vcoe.at/mehroeffis 

Die VCÖ-Publikation "Qualität im Öffentlichen Verkehr" ist beim VCÖ unter (01) 8932697 oder www.vcoe.at erhältlich. 

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