VCÖ: Ökologisierung des Verkehrs in Österreich beschleunigen

VCÖ (Wien, 14. Dezember 2015) – Dem erfolgreichen Abschluss bei der UN-Klimakonferenz in Paris müssen nun konkrete Maßnahmen folgen, betont der VCÖ. Österreichs größtes Sorgenkind beim Klimaschutz ist der Verkehr. Seit dem Jahr 1990 sind die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs um 61 Prozent gestiegen. Der VCÖ fordert rasche Schritte zu einer erdölfreien Mobilität. Verstärkter Klimaschutz im Verkehr kurbelt die Wirtschaft an.

„Das Pariser Klimaabkommen hat das Ende der schmutzigen Energieträger Erdöl und Kohle eingeläutet und den Startschuss für die Modernisierung der globalen Wirtschaft gegeben. Jetzt müssen alle ihr Möglichstes tun und konkrete Maßnahmen umsetzen“, betont VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. In Österreich ist der Verkehr das größte Klimaschutzproblem.

Seit dem Jahr 1990 haben die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs um 61 Prozent auf 22,2 Millionen Tonnen im Jahr 2013 (aktuellste Daten) zugenommen. Der Anteil des Verkehrs an Österreichs Treibhausgas-Emissionen ist von 18 auf 28 Prozent gestiegen. Die Zunahme beim Verkehr machte die Einsparungen der anderen Sektoren, wie Raumwärme, Energie, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft wieder zunichte. Noch im Jahr 1990 verursachte der Sektor Raumwärme mehr Treibhausgas-Emissionen als der Verkehr, heute ist der Verkehr für fast drei Mal so viele Emissionen verantwortlich. „Durch die Umstellung auf neue Heizsysteme sowie durch Wärmedämmung wurden die Emissionen der Raumwärme verringert. Eine Strategie, die in abgewandelter Form auch im Verkehr anzuwenden ist“, VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der VCÖ weist darauf hin, dass im Vorjahr in Österreich rund 9,6 Milliarden Liter Sprit getankt wurden. Davon waren rund 7,5 Milliarden Liter Diesel, der zusätzlich viele gesundheitsschädliche Schadstoffe verursacht. „Diese Spritmenge ist in den kommenden drei Jahrzehnten auf null zu bringen. Eine große, aber bewältigbare Herausforderung“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Mit einer 3-Säulen-Strategie „Verkehr vermeiden, Verkehr verlagern und Verbrauch verringern“ ist eine erdölfreie Mobilität erreichbar.

Investitionen in eine erdölfreie Mobilität kurbeln die Wirtschaft an. Pro 100 Millionen investierter Euro schaffen der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sowie der Radfahrinfrastruktur um rund 50 Prozent mehr Arbeitsplätze als der Bau von Autobahnen. Eine Studie des britischen Instituts Cambridge Econometrics zeigt, dass in Europa bis zum Jahr 2030 zusätzlich bis zu einer Million Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden können, wenn der Treibstoffverbrauch durch den verstärkten Einsatz von E-Fahrzeugen deutlich verringert wird.

Der VCÖ fordert einen starken Ausbau des klimafreundlichen Mobilitätsangebots. Neben einem dichten Öffi-Netz in den Städten braucht es mehr Stadt-Umland-Verbindungen und eine bessere Anbindung der regionalen Zentren an das öffentliche Verkehrsnetz. Großen Aufholbedarf gibt es in Österreich bei der Infrastruktur für den Radverkehr. „Österreichs Verkehrsinfrastruktur braucht eine klimafreundliche Mobilitätssanierung“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Zudem ist eine umfassende Ökologisierung des Steuersystems  nötig sowie die Abschaffung von steuerlichen Anreizen zum Autofahren, wie beispielsweise der Steuervorteil für die private Nutzung von Dienstwagen sowie die steuerliche Begünstigung von Diesel. Zudem braucht es ein umfassendes Maßnahmenpaket für einen klimafreundlichen Gütertransport. Auf EU-Ebene ist Kostenwahrheit im Lkw-Transport herzustellen, auf nationaler Ebene ist der Bahngüterverkehr zu forcieren sowie in den Städten CO2-freie Güterlogistik.

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