VCÖ: Neuwagen verbrauchen laut europäischer Studie um ein Drittel mehr Sprit als angegeben

VCÖ (Wien, 29. September 2014) – In Österreich wurden im Vorjahr 319.035 neue Pkw zugelassen. Wer einen niedrigeren Spritverbrauch erhofft, kann eine böse Überraschung erleben. Eine jetzt veröffentlichte europäische Studie zeigt, dass die Neuwagen in Europa im Schnitt um rund ein Drittel mehr Sprit verbrauchen als die Herstellerangaben versprechen. Der VCÖ weist darauf hin, dass dadurch die Umwelt durch den Autoverkehr stärker belastet wird, ebenso die Geldbörse der Autofahrer. Der VCÖ kritisiert den veralteten Testzyklus zur Ermittlung des Normverbrauchs. Zudem hat der VCÖ Tipps zum Spritsparen zusammengestellt.

Wer den tatsächlichen Spritverbrauch des alten Autos mit den Herstellerangaben eines Neuwagens vergleicht und sich durch den Neuwagenkauf niedrigere Spritkosten erwartet, kann eine böse Überraschung erleben. Eine nun veröffentlichte Studie des ICCT (International Council on Clean Transportation) zeigt, dass die Privatautos im Durchschnitt um 31 Prozent mehr Sprit verbrauchen als der von den Herstellern angegebene Normverbrauch verspricht. Bei den Firmenfahrzeugen beträgt der Unterschied laut ICCT-Studie sogar 45 Prozent. Es wurden die Daten von rund einer halben Million Autos ausgewertet.

„Die Studie zeigt zudem, dass die Abweichung zwischen Herstellerangaben und tatsächlichem Verbrauch immer größer wird“, macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen aufmerksam Im Jahr 2001 verbrauchten die Autos im Schnitt um acht Prozent mehr Sprit als der Normverbrauch versprach, im Jahr 2010 betrug der Unterschied rund 25 Prozent und jetzt beträgt der Unterschied bereits 38 Prozent.

Der Grund für die starke Abweichung: Die realen Fahrbedingungen unterscheiden sich von den Testbedingungen zur Ermittlung des Normverbrauchs wie die Nacht vom Tag. Und es werden zahlreiche Tricks angewandt, damit der Normverbrauch möglichst niedrig ist. So werden bei den Tests Spezialöle und Spezialreifen eingesetzt. Es wird verhindert, dass die Batterie sich während des Tests auflädt. Die Bremsen werden verändert, um Reibung auszuschließen. Das leichteste Modell wird getestet, alle Extras, die sonst häufig zur Standardausstattung gehören, werden für den Test ausgebaut. Die Tests finden bei Idealtemperaturen statt.

„Wir setzen uns dafür ein, dass die Autofahrer im Sinne des Konsumentenschutzes korrekt über den tatsächlichen Spritverbrauchs des Autos informiert werden“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen eine rasche Änderung des Testzyklus. Derzeit wird auf internationaler Ebene ein neuer Testzyklus verhandelt. Dieses heißt WLTP und ist bereits fertig entwickelt. Es kann in der EU ab September 2017 eingeführt werden. "Das neue Testverfahren verhindert in Zukunft einige Tricks. Seine Einführung darf nicht verzögert werden. Darüber hinaus sollten die Labortests mit Praxistests ergänzt werden", so VCÖ-Expertin Rasmussen. So werden in den USA Straßentests mit zufällig ausgewählten Autos durchgeführt, um den tatsächlichen Spritverbrauch im Vergleich zum Normverbrauch zu überprüfen.

Der Mehrverbrauch belastet Autofahrer und Umwelt, betont der VCÖ. Wenn der Verbrauch um ein Drittel höher liegt als der Normverbrauch verspricht, bedeutet das in Österreich bei einer Fahrleistung von 15.000 Kilometer pro Jahr zusätzliche Spritkosten von rund 320 Euro. Die Umwelt wird dadurch mit zusätzlich rund 600 Kilogramm klimaschädlichem CO2 belastet, betont der VCÖ.

Der VCÖ hat 10 Tipps zum Spritsparen zusammengestellt. Die wichtigsten Tipps: Kurze Strecken besser mit Fahrrad statt mit dem Auto fahren. Etwa jede zehnte Autofahrt ist sogar so kurz, dass sie zu Fuß zurückgelegt werden kann. Wer die Möglichkeit hat, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren, erspart sich mit Jahreskarte viel Geld. Beim Autofahren empfiehlt der VCÖ spritsparend zu fahren: Vorausschauend fahren, Motorbremse einsetzen, hohes Tempo vermeiden, niedrigtourig fahren, rasch in den nächst höheren Gang schalten. 

Link zur Studie

 

10 VCÖ-Tipps für spritsparende Mobilität

1. Etwa jede 2. Autofahrt kürzer als fünf Kilometer. Der VCÖ empfiehlt: Kurze Strecken mit dem Rad fahren! Sehr kurze Wege zu Fuß gehen.

2. Wenn möglich Öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Für Pendler gibt es stark ermäßigte Monats- und Jahreskarten oder Öffi-Jobtickets.

3. Nicht größer als nötig: Wer ein größeres Auto kauft, als benötigt wird, hat deutlich höhere laufende Kosten. Deshalb beim Autokauf beherzigen: So klein wie möglich und höchstens so groß wie nötig.

4. Testfahrt machen: Bei der Testfahrt kontrollieren, wie stark der wirkliche Spritverbrauch von angegebenen Normverbrauch abweicht.

5. Carsharing rechnet sich: Wer weniger als 10.000 bis 12.000 Kilometer pro Jahr fährt, kann mit Carsharing günstiger fahren. Daher vor Autokauf überlegen, ob Carsharing eine Alternative ist.

6. Niedrigtourig fahren verringert den Verbrauch. Je höher die Drehzahl, umso mehr Sprit frisst der Motor. 

7. Rasch in den nächst höheren Gang schalten: Im Stadtverkehr spätestens bei 2000 Umdrehungen / min in den nächsten Gang schalten.

8. Vorausschauend fahren: Anfahren und beschleunigen verbrauchen viel Sprit.

9. Hohes Tempo vermeiden: Wer 150 statt 130 km/h fährt, verbraucht um 2 Liter pro 100 km mehr Sprit, Tempo 100 statt 130 spart 2 Liter pro 100 km.

10. Kurzstrecken vermeiden: Ein Mittelklassewagen verbraucht direkt nach dem Start 30 bis 40 Liter Sprit / 100 km, nach einem Kilometer 20 Liter/100 km. Erst nach vier Kilometer hat der Motor den optimalen Verbrauch.

Quelle: VCÖ 2014 (www.vcoe.at)

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