VCÖ: Neuwagen haben zunehmend mehr PS

VCÖ (Wien, 12. Jänner 2015) – Österreichs Neuwagenflotte hat in den vergangenen 15 Jahren stark an PS zugelegt. Im Jahr 2014 hatte bereits jeder dritte Neuwagen mehr als 125 PS, macht der VCÖ aufmerksam. Der Mehrjahresvergleich zeigt, dass vor allem bei Diesel-Pkw die PS-Zahl massiv in die Höhe ging, während die Benzin-Pkw fast konstant blieben. Ein wesentlicher Grund dafür ist der SUV-Boom der vergangenen 15 Jahre. Mehr als drei Viertel der SUV fahren mit Diesel.

Österreichs Neuwagenflotte haben zunehmend mehr PS unter der Motorhaube. „Im Vorjahr hatte bereits jeder dritte Neuwagen mehr als 125 PS“, stellt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer fest. Bis Ende November betrug der Anteil der Neuwagen mit mehr als 125 PS rund 35 Prozent, im Jahr 2010 betrug der Anteil hingegen „nur“ rund 27 Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der Neuwagen mit weniger als 82 PS (weniger als 60 kW) von rund 24 Prozent im Jahr 2010 auf rund 15 Prozent im Vorjahr zurück.

Der Vergleich seit dem Jahr 2000 zeigt, dass weniger die Benzin-Pkw als vielmehr die Diesel-Pkw massiv an Motorstärke zulegten. Laut Umweltbundesamt betrug im Jahr 2000 die durchschnittliche Motorstärke von Diesel-Pkw 75 kW (102 PS), im Jahr 2012 waren es bereits 97  kW (132 PS), das ist eine Zunahme um 29 Prozent. Für das Jahr 2014 sind rund 100 kW zu erwarten. Anders die Entwicklung bei Benzin-Pkw: Im Jahr 2000 hatten die neuzugelassenen Benzin-Pkw im Schnitt 71 kW (rund 96 PS), im Jahr 2012 waren es mit 73 kW (99 PS) nur unwesentlich mehr.

Professor Dudenhöffer vom renommierten CAR-Institut hat für Deutschland ebenso eine deutliche Zunahme der Motorstärke der Neuwagen festgestellt. Dudenhöffer sieht den SUV-Boom als wesentlichen Grund für diese Entwicklung. Der VCÖ kommt für Österreich zu einem ähnlichen Schluss. Während im Jahr 2000 nur rund 6.000 SUV neuzugelassen wurden, waren es im Vorjahr mit rund 60.000 zehn Mal so viele. Rund acht von zehn SUV mit Diesel fahren. Das CAR-Institut hat erhoben, dass die SUV im Schnitt mehr Sprit verbrauchen und damit mehr CO2 verursachen als der Durchschnitt der deutschen Neuwagenflotte. Kompakt SUV verbrauchen zwar weniger Sprit als große Fahrzeuge, aber in der Regel mehr Sprit als vergleichbare herkömmliche Pkw.

Seit dem Jahr 2000 sind laut Herstellerangaben bei den Neuwagen die CO2-Emissionen zurückgegangen. Jedoch findet ein relevanter Teil der Einsparungen nur am Papier statt. So hat eine europäische Studie im vergangenen Jahr gezeigt, dass der tatsächliche Spritverbrauch um mehr als ein Drittel höher ist als die Herstellerangaben versprechen.

Die Neuwagen haben in der Vergangenheit nicht nur an PS zugelegt, sondern sind auch breiter geworden, auch mit negativen Folgen etwa für Garagen und Parkplätze. Der Besetzungsgrad der Pkw ist aber trotz breiteren Autos nach wir vor sehr niedrig: Laut Umweltbundesamt befinden sich in einem Pkw im Schnitt 1,17 Personen. Oder anders formuliert: Für 117 Personen werden 100 Pkw verwendet. „Insgesamt würde der Neuwagenflotte eine Diät durchaus gut tun. Damit ließe sich auch der tatsächliche Spritverbrauch der Autos deutlich senken. Denn das 3-Liter sollte nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sein“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Ein  hoher Anteil der Neuwagen wird nicht von privaten Haushalten, sondern von Betrieben und Unternehmen angeschafft. Deshalb soll es durch eine Änderung der Dienstwagenbesteuerung gesetzliche Anreize für die Anschaffung von  Modellen mit geringerem CO2-Ausstoß geben.

 

VCÖ: Im Jahr 2014 hatte bereits jeder 3. Neuwagen mehr als 125 PS
(Werte für Jänner bis November 2014 – Dezemberwerte liegen erst ab 14. Jänner vor, in Klammer Werte für Gesamtjahr 2013)

Neuwagen über 126 KW (171 PS): 10,9 Prozent - 31.217  Pkw ( 9,9 Prozent – 31.556 Pkw)

Neuwagen 106 –125 KW (144 – 170 PS): 8,5 Prozent  - 24.225 Pkw  (8,0 Prozent – 25.575 Pkw)

Neuwagen 93 –105 KW (126– 143 PS): 15,8 Prozent  - 45.210 Pkw  (17,0 Prozent – 54.336 Pkw)

Neuwagen 78 –92 KW (106– 125 PS): 19,5 Prozent  - 55.863 Pkw  (18,1 Prozent – 57.752 Pkw)

Neuwagen 61–77 KW (83– 105 PS): 30,4 Prozent  - 86.894 Pkw  (31,4 Prozent – 100.292 Pkw)

Neuwagen  bis 60 KW ( bis  82 PS): 14,9 Prozent  - 42.518 Pkw  (15,5 Prozent – 49.524 Pkw)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

 

VCÖ: Vor allem die Diesel-Pkw treiben die PS-Zahl in die Höhe
(durchschnittliche Motorleistung der neuzugelassenen Diesel-Pkw, in Klammer Benzin-Pkw)

Jahr 2000: 75 kW (71 kW)

Jahr 2001: 78 kW (72 kW)

Jahr 2002: 79 kW (72 kW)

Jahr 2003: 80 kW (73 kW)

Jahr 2004: 81 kW (73 kW)

Jahr 2005: 84 kW (72 kW)

Jahr 2006: 88 kW (73 kW)

Jahr 2007: 92 kW (75 kW)

Jahr 2008: 92 kW (74 kW)

Jahr 2009: 93 kW (71 kW)

Jahr 2010: 93 kW (72 kW)

Jahr 2011: 95 kW (73 kW)

Jahr 2012: 97 kW (73 kW)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2015

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