VCÖ: Neuer Umweltkontrollbericht belegt akuten Handlungsbedarf beim Verkehr

VCÖ: Umfassende Ökologisierung des Verkehrssystems nötig

VCÖ (Wien, 6. Oktober 2016) – Der Verkehr bleibt das Umwelt-Sorgenkind in Österreich, wie der heute präsentierte 11. Umweltkontrollbericht des Umweltbundesamts zeigt. Der Verkehr weist die stärkste Zunahme der CO2-Emissionen seit dem Jahr 1990 auf, die Stickoxid-Emissionen der Dieselfahrzeuge sind hauptverantwortlich für das Verfehlen der NO2-Immissionsgrenzwerte und mehr als eine Million Menschen ist in der Nacht durch Straßenverkehrslärm belastet. Der VCÖ fordert den verstärkten Ausbau klimafreundlicher Mobilitätsangebote sowie verstärkte Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung des Kfz-Verkehrs.

„Die Ergebnisse des 11. Umweltkontrollberichts machen deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen. Der Verkehr ist heute nicht nur ein Klimasünder, sondern Abgase und Lärm verursachen auch große Gesundheitsschäden“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen in einer ersten Reaktion fest. Zudem führt der Neu- und Ausbau von Straßen zu großem Flächenverbrauch und Bodenversiegelung, was unter anderem die negativen Auswirkungen von Starkregen verschärft.

Im Personenverkehr werden zu viele Fahrten mit Pkw zurückgelegt und im Gütertransport ist der Anteil des Lkw-Verkehrs zu hoch. Auch weist der Umweltkontrollbericht darauf hin, dass in den Transportkosten die gesellschaftlichen Folgekosten nicht inkludiert sind. Lkw nützen nicht nur die Straßen rund 40.000 Mal stärker ab als ein Pkw, sondern verursachen durch Lärm und Abgase auch große Gesundheits- und Umweltschäden. Dass mehr Kostenwahrheit keine negativen Konsequenzen für Wirtschaft und Bevölkerung hat, zeigt die Schweiz: In der Schweiz wird am gesamten Straßennetz Lkw-Maut eingehoben (in Österreich nur auf zwei Prozent des Straßennetzes) und in der Schweizer Lkw-Maut sind zudem die Folgekosten für verursachte Gesundheits- und Umweltschäden enthalten. Weiters wird Diesel in der Schweiz im Unterschied zu Österreich nicht steuerlich begünstigt, sondern gleich hoch wie Eurosuper besteuert.

Der VCÖ fordert eine umfassende Ökologisierung des Verkehrssystems einem verstärkten Ausbau der umweltfreundlichen Mobilitätsangebote. So sollte jedes regionale Zentrum - immerhin leben mehr als 1,5 Millionen Menschen in Österreichs 124 regionalen Zentren -  gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Die Radfahrinfrastruktur in Österreich ist stark auszubauen und zu verbessern. Fast die Hälfte der alltäglichen Autofahrten in Österreich ist kürzer als fünf Kilometer.

 

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