VCÖ: Neuer Rekordwert bei E-Pkw Neuzulassungen im 1. Halbjahr

VCÖ: Aber Energiewende im Verkehr alleine ist zu wenig, um Klimaziele erreichen zu können

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VCÖ (Wien, am 9. Juli 2021) – Die Anzahl der neuzugelassenen E-Pkw hat sich heuer im 1. Halbjahr verdreifacht, der Anteil an den Neuzulassungen ist mit 11,4 Prozent erstmals über zehn Prozent geklettert, macht der VCÖ auf die aktuellen Daten der Statistik Austria aufmerksam. Im Bundesländer-Vergleich hat Salzburg mit 16,4 Prozent den höchsten Anteil an E-Pkw. Um die Klimaziele erreichen zu können, braucht es einerseits mehr Tempo bei der Energiewende im Verkehr und andererseits verstärkte Maßnahmen, um Autofahrten auf klimaverträglichere öffentliche Verkehrsmittel und bei kürzeren Strecken auf das Fahrrad zu verlagern, betont der VCÖ.

15.347 Pkw, die ausschließlich mit Strom fahren, wurden im 1. Halbjahr in Österreich neu zugelassen, wie die Statistik Austria heute bekanntgab. Die Anzahl der neuen E-Pkw hat sich im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020 verdreifacht, mit 11,4 Prozent Anteil an den Pkw-Neuzulassungen haben die E-Pkw erstmals die Zehn-Prozent-Marke übersprungen, macht der VCÖ aufmerksam. Während um 10.542 E-Pkw mehr zugelassen wurden als im 1. Halbjahr 2020, ist die Zahl der neuen Diesel-Pkw um 8.758 gesunken.

„Die Hersteller bringen zunehmend mehr E-Pkw-Modelle auf den Markt. Die Auswahl nimmt sowohl bei den Kleinwagen als auch bei größeren Modellen zu. Damit steigt auch die Anzahl der Neuzulassungen, denn das Angebot bestimmt die Nachfrage“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Immer mehr Hersteller geben den Ausstieg aus den Verbrennungsmotor bekannt. Umso wichtiger ist, dass Österreich mit seiner starken Zulieferindustrie bei der E-Mobilität sich an Europas Spitzenreiter orientiert. In Norwegen war bereits im Vorjahr mehr als die Hälfte der Neuzulassungen reine E-Pkw.

In Österreich wird der Kauf von E-Pkw insgesamt mit 5.000,- Euro gefördert, zusätzlich sind die E-Pkw von der NoVA (Normverbrauchsabgabe) und der Motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Die NoVA-Reform, die mit 1. Juli in Kraft getreten ist, gibt den E-Autos zusätzlichen Rückenwind. Für Pkw mit einem hohen CO2-Ausstoß ist die NoVA nun höher.  

„Wichtig ist, dass bei E-Pkw nicht der gleiche Fehler begangen wird wie bei den Verbrennern, nämlich, dass die Autos immer größer und schwerer werden. Denn damit nimmt der Energieverbrauch zu, die Umweltbilanz verschlechtert sich. Bei neun von zehn Autofahrten sitzt nur eine Person im Auto. Wir brauchen daher schlanke, smarte Fahrzeuge“, betont VCÖ-Experte Schwendinger. Deshalb ist auch die Förderung für Plug-In-Hybride rasch zu beenden, umso mehr als der reale CO2-Ausstoß im Schnitt um ein Vielfaches höher ist als am Papier angegeben.

Innerhalb Österreichs ist das Tempo bei der Energiewende im Verkehr unterschiedlich. Salzburg ist mit 16,4 Prozent E-Pkw-Anteil Österreichs Spitzenreiter, vor Vorarlberg mit 14,8 Prozent und Oberösterreich mit 13,3 Prozent, berichtet der VCÖ. Am niedrigsten ist der Anteil der E-Pkw in Kärnten mit 9,4 Prozent, am zweitniedrigsten in Wien mit 9,8 Prozent.

Elektroautos sind für Regionen besonders gut geeignet, da auch hier über 90 Prozent der Autofahrten kürzer als 50 Kilometer sind und die Reichweite von Batterien ein Vielfaches davon beträgt. Zudem ist die Anzahl der Einfamilienhäuser hoch, das Laden damit einfacher als in der Stadt. „Anstatt von Erdölimporten abhängig zu sein, kann mit einer Photovoltaikanlage am Dach die Energie für das Auto selber erzeugt werden“, so VCÖ-Experte Schwendinger. Wird Ökostrom getankt, sind die gesamten Treibhausgas-Emissionen inklusive Fahrzeug- und Batterie-Herstellung sowie Energiebereitstellung von E-Pkw laut Umweltbundesamt mit durchschnittlich 49 Gramm pro Personenkilometer um 77 Prozent niedriger als von Diesel- und Benzin-Pkw. Je kleiner das Auto, umso besser die CO2-Bilanz.

Klimafreundlicher als mit dem E-Pkw ist man aber mit der Bahn und bei kürzeren Strecken mit dem Fahrrad unterwegs. Wer mit der Bahn statt mit dem Verbrenner-Auto fährt, reduziert in Österreich die Emissionen sogar um 94 Prozent. Der VCÖ weist daraufhin, dass neben dem Antriebswechsel bei Pkw noch weitere Schritte nötig sind, um die Klimaziele erreichen zu können. Es braucht vor allem auch Maßnahmen, die den Verkehrsaufwand für die Bevölkerung reduziert, etwa durch die Stärkung der Ortskerne und der Nahversorgung. Auch Home-Office und Videokonferenzen statt Geschäftsreisen tragen zur Verkehrsmeidung bei. Und es sind mehr Autofahrten auf Öffentliche Verkehrsmittel und bei kürzeren Strecken auf das Fahrrad zu verlagern. In Österreich sind sechs von zehn Autofahrten kürzer als zehn Kilometer, ruft der VCÖ in Erinnerung.

VCÖ: Erstmals haben in Österreich E-Pkw im 1. Halbjahr Anteil von mehr als 10 Prozent bei Neuzulassungen (Anteil Pkw, die ausschließlich mit Strom fahren, an Pkw-Neuzulassungen in Österreich – in Klammer Anzahl neuzugelassene E-Pkw)

1.Halbjahr 2021: 11,4 Prozent (15.347)

1.Halbjahr 2020: 4,3 Prozent (4.805)

1.Halbjahr 2019: 2,8 Prozent (4.904)

1.Halbjahr 2018: 1,6 Prozent (3.088)

1.Halbjahr 2017: 1,4 Prozent (2.679)

1.Halbjahr 2016: 1,2 Prozent (2.008)

1.Halbjahr 2015: 0,5 Prozent (805)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2021

 

VCÖ: Salzburg hat höchsten E-Pkw Anteil an Neuzulassungen (Anteil E-Pkw an den Pkw-Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2021, in Klammer Anteil im 1. Halbjahr 2020)

Salzburg: 16,4 Prozent (4,6 Prozent)

Vorarlberg: 14,8 Prozent (6,0 Prozent)

Oberösterreich: 13,3 Prozent (5,0 Prozent)

Tirol: 10,6 Prozent (3,8 Prozent)

Steiermark: 10,6 Prozent (3,8 Prozent)

Burgenland: 10,5 Prozent (3,5 Prozent)

Niederösterreich: 10,3 Prozent (4,5 Prozent)

Wien: 9,8 Prozent (3,8 Prozent)

Kärnten: 9,4 Prozent (3,6 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2021

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