VCÖ: Neuer Abgastest auf der Straße wird eingeführt: Schadstoffbilanz wird besser, aber nicht gut

Alte Neuwagenmodelle können aber weiter verkauft werden

VCÖ (Wien, 31. August 2017) – Ab 1. September tritt für die Zulassung neuer Autotypen eine neue Abgasnorm in Kraft. Mit dem Real-Drive-Emission Test werden die Abgaswerte endlich auch beim Fahren auf der Straße gemessen. Der VCÖ begrüßt die Einführung der RDE-Test als wichtige Maßnahme, um die Schadstoffemissionen von Neuwagen zu verringern. Aber der erlaubte Grenzwert für Stickoxide wird auf der Straße um das 2,1 Fache erhöht, womit auch diese Neuwagen bei weitem nicht schadstofffrei sind, betont der VCÖ. Zudem können die alten Neuwagenmodelle weiter verkauft werden. Um Betrügereien zu verhindern fordert der VCÖ stichprobenartig Abgasmessungen bei bereits zugelassenen Fahrzeugen.

„Der Dieselskandal hat sichtbar gemacht, dass in den vergangenen Jahren viele Neuwagen verkauft wurden, die nur am Prüfstand im Labor die Grenzwerte eingehalten haben. Die tatsächlichen Stickoxid-Emissionen beim Fahren auf der Straße waren oft um ein Vielfaches höher. Mit dem neuen Real-Drive-Emission Test werden erstmals Grenzwerte für das Fahren auf der Straße eingeführt, die tatsächlichen Schadstoffemissionen werden damit reduziert“, begrüßt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen die neuen RDE-Abgastests.

Jedoch wird mit der Einführung der RDE-Abgastests der NOx-Grenzwert um das 2,1-Fache von 80 Milligramm auf 168 Milligramm erhöht. Damit sind auch diese Fahrzeuge nicht „schadstoffarm“, betont der VCÖ. Zudem gilt der RDE-Abgastest erst für neu typisierte Fahrzeuge. Neuwagen, die bereits typisiert sind, können noch bis zum Jahr 2019 ohne RDE-Test neuzugelassen werden. Die bei den Autogipfeln in Deutschland und Österreich zugesagten Verkaufsprämien wirken damit eher wie eine Abverkaufsaktion alter Neuwagenmodelle.

Für Lkw und Busse gelten die Real-Drive-Emission Abgastests bereits seit dem Jahr 2011, mit sehr positiven Ergebnissen. Messungen des internationalen Forschungsinstitut ICCT haben gezeigt, dass neue Diesel-Autos doppelt so hohe reale NOx-Emissionen haben wie neue Lkw bzw. neue Busse. Aber auch hier hat sich gezeigt, dass Betrug möglich ist. Anfang des Jahres wurde in Deutschland aufgedeckt, dass bei Lkw im Nachhinein die Harnstoffeinspritzung (Ad Blue), die für die Abgasreinigung sorgt, lahmgelegt wurde. Dadurch stoßen diese Lkw ebenfalls hohe Schadstoffmengen aus. „Um das zu verhindern, ist es wichtig, dass in Zukunft stichprobenartig RDE-Messungen bei verkauften Fahrzeugen durchgeführt werden. Eine Erkenntnis aus dem Dieselskandal ist, dass Vertrauen missbraucht wird. Dieser Fehler darf im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung und im Interesse der Umwelt nicht wiederholt werden“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

HINTERGRUND:
Bisher galt für die EURO6-Diesel-Pkw für den Abgastest im Labor für die gesundheitsschädlichen Stickoxide ein Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer. Die Motoren wurden auf den Labortest hin optimiert. Bei Messungen des deutschen Umweltbundesamt verursachten die EURO6-Diesel-Pkw im Schnitt mit 507 Milligramm Stickoxide rund sechsmal so hohe NOx-Emissionen. Zudem war der Wert um nur 25 Prozent niedriger als bei den zwischen 2005 und 2009 typisierten EURO4-Diesel-Pkw. Am Papier hingegen waren die NOx-Emissionen von EURO6-Diesel-Pkw um 68 Prozent niedriger. Der Grund: Die Abgasreinigung vieler neuer Diesel-Pkw funktioniert nur bei wärmeren Temperaturen.

„Gerade in der kalten Jahreszeit, wo die Schadstoffbelastung ohnedies hoch ist, funktioniert dann die Abgasreinigung nicht. Diese Dieselautos stoßen dann große Mengen schädlicher Stickoxide aus. Das belastet die Gesundheit der Anrainerinnen und Anrainer und auf stark befahrenen Straßen auch die Gesundheit der Pkw-Insassen, die in einer regelrechten Abgaswolke unterwegs sind“, macht VCÖ-Expertin Rasmussen aufmerksam. 

VCÖ: Ab 1. September gilt für Typzulassung neue Abgasnorm – RDE-Test wird eingeführt

EURO6d-TEMP
Gültig für Typgenehmigung neuer Fahrzeugtypen: ab 1. September 2017

Gültig für Zulassung neuer Pkw: ab 1. September 2019

NOx-Grenzwerte für Diesel-Pkw bei den jeweiligen Abgasnormen

EURO6d-TEMP: 168 mg NOx / km (mit RDE-Abgastest)
EURO 6b: 80 mg NOx / km (alter Abgastest am Prüfstand im Labor)
EURO 5: 180 mg NOx / km (alter Abgastest am Prüfstand im Labor)
EURO 4: 250 mg NOx / km (alter Abgastest am Prüfstand im Labor)
EURO 3: 500 mg NOx / km (alter Abgastest am Prüfstand im Labor)

 

Gütligkeit der EURO-Klassen für die Typgenehmigung 

EURO 6b ab 1. September 2014 bei Typgenehmigung neuer Fahrzeugtypen
EURO 5: ab 1. September 2009 bei Typgenehmigung neuer Fahrzeugtypen
EURO 4: ab 1. Jänner 2005 bei Typgenehmigung neuer Fahrzeugtypen
EURO 3: ab 1. Jänner 2000 bei Typgenehmigung neuer Fahrzeugtypen

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