VCÖ nach Massenkarambolage: Drängeln und zu hohes Tempo auf Autobahnen weit verbreitet

VCÖ (Wien, 9. Februar  2015) – Zu hohes Tempo und zu geringer Sicherheitsabstand waren die Ursachen für die Massenkarambolage auf der A1 Westautobahn. Der VCÖ weist darauf hin, dass Drängeln die Ursache für jeden 5. Unfall auf der Autobahn ist. Gerade bei Schneefahrbahn ist ein zu geringer Sicherheitsabstand fatal. Der VCÖ weist darauf hin, dass sich der Bremsweg bei Schneefahrbahn um ein Vielfaches verlängert. Der VCÖ spricht sich für verstärkte Kontrollen auf den Autobahnen aus.

13 Menschen wurden gestern bei der Massenkarambolage auf der A1 zwischen Amstetten und Öd verletzt, drei davon schwer. 65 Autos wurden zerstört. Viele Autofahrer standen stundenlang im Stau. Die Kosten betragen mehrere Millionen Euro.  „Zu hohes Tempo und zu geringer Sicherheitsabstand sind ein gefährlicher Mix. Leider war das kein Einzelfall. Zu geringer Sicherheitsabstand ist für etwa jeden fünften Unfall auf der Autobahn verantwortlich“, stellt VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek fest.

Der VCÖ weist darauf hin, dass bei winterlichen Fahrverhältnissen der Anhalteweg (Reaktionsweg und Bremsweg) bei Tempo 100 rund drei Mal so lang ist wie auf trockener Fahrbahn. Bei Tempo 130 beträgt der Anhalteweg bei winterlichen Fahrverhältnissen rund 350 Meter. Während auf trockener Fahrbahn das Auto nach rund 100 Metern steht, hat es bei winterlichen Fahrverhältnissen noch eine Geschwindigkeit von 115 km/h. „Als Faustregel gilt, bei Schneefahrbahn das Tempo um die Hälfte reduzieren. Neben großem Sicherheitsabstand ist auch volle Konzentration auf den Straßenverkehr nötig. Deshalb beispielsweise auf keinen Fall beim Autolenken telefonieren“, betont VCÖ-Expertin Urbanek.

Wie weit verbreitet zu geringer Sicherheitsabstand ist, zeigt auch eine Umfrage der Asfinag. Jeder dritte befragte Autofahrer gab Ende 2013 an, selber zu drängeln. Und acht von zehn Autofahrenden sagten, bereits auf der Autobahn von anderen Autos bedrängt worden zu sein. Im Schnitt werden jeden Tag auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen rund 150 Autofahrer wegen zu geringem Sicherheitsabstand angezeigt.

Der VCÖ weist darauf hin, dass der ideale Sicherheitsabstand zwei Sekunden beträgt, das sind bei Tempo 100 rund 60 Meter und bei Tempo 130 sind es rund 75 Meter. Wer bei 130 km/h einen Abstand von lediglich sieben bis 14 Meter hält, bekommt eine Vormerkung im Vormerksystem und eine Mindeststrafe von 72 Euro. „Angesichts der möglichen fatalen Folgen sollte die Mindeststrafe erhöht werden“, so VCÖ-Expertin Urbanek. Wer noch weniger Abstand hält, muss mit einer Führerscheinabnahme von mindestens sechs Monaten rechnen.

Neben der Anhebung der Mindeststrafe für gefährliches Drängeln spricht sich der VCÖ für verstärkte Kontrollen und vermehrte Bewusstseinsarbeit aus. Dafür sollten auch die Überkopfanzeiger stärker genutzt werden.

 

VCÖ: Anhalteweg vervielfacht sich bei winterlichen Fahrverhältnissen (Anhalteweg = Reaktionszeit plus Bremsweg)

130  km/h
Trockene Fahrbahn: 98 Meter
Winterliche Fahrverhältnisse: 351 Meter Geschwindigkeit nach 98 Meter: 115 km /h

100  km/h
Trockene Fahrbahn: 62 Meter
Winterliche Fahrverhältnisse: 212 Meter Geschwindigkeit nach 62 Meter: 88 km /h

80 km/h
Trockene Fahrbahn: 43 Meter
Winterliche Fahrverhältnisse:139 Meter Geschwindigkeit nach 43 Meter: 70 km /h

Quelle: VCÖ 2015

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