VCÖ: Mobilitätsverhalten der Österreicher wird zunehmend vielfältiger

VCÖ (Wien, am 26. Februar 2015) – Das Mobilitätsverhalten der Österreicherinnen und Österreicher wird vielfältiger, macht der VCÖ aufmerksam. Das multimodale Mobilitätsverhalten ist umweltfreundlicher und für die Haushalte kostengünstiger. In großen Städten ist die Freiheit in der Verkehrsmittelwahl schon heute hoch, die kleineren Städte und die Regionen haben Aufholbedarf. Der VCÖ fordert den Ausbau von multimodaler Infrastruktur, eine optimale Vernetzung der Verkehrsmittel und mehr Leihrad-Systeme  und Carsharing.

Sechs von zehn Österreicherinnen und Österreicher nutzen öffentliche Verkehrsmittel, fast sieben von zehn nutzen das Fahrrad im Alltag, acht von zehn lenken zumindest gelegentlich ein Auto und neun von zehn gehen täglich bzw. mehrmals die Woche im Alltag zu Fuß. „Die Menschen sind zunehmend vielfältiger mobil. Die Einteilung der Menschen in die Gruppe der „Autofahrer“, „Fußgänger“, „Radfahrer“ oder „Öffi-Nutzer“ ist überholt. Viele Autofahrer fahren auch mit Öffis und mit dem Rad“, stellt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer fest. Der Siegeszug des Smartphones hat  multimodales Mobilitätsverhalten massiv erleichtert. Noch nie war es so einfach, schnell zu Fahrplaninformationen zu kommen und Fahrten von A nach B zu planen.

Können Alltagsziele statt mit dem Auto auch mit Bahn, Bus, Fahrrad oder zu Fuß erreicht werden, dann verringern sich die Kosten für die privaten Haushalte und die vom Verkehr verursachte Umweltbelastung. Haushalte in Bundesländer mit einem hohen Grad an Multimodalität haben deutlich niedrigere Mobilitätsausgaben.

Die aktuelle VCÖ-Publikation „Multimodale Mobilität erfolgreich umsetzen“ zeigt, dass in den großen Städten Österreichs die Alltagserledigungen bereits mehrheitlich zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht werden. Spitzenreiter sind die Wienerinnen und Wiener, die bereits 72 Prozent der Alltagswege in Kombination von Öffis, Gehen und Radfahren zurückgelegen, dahinter folgen Innsbruck (67 Prozent) und Bregenz (60 Prozent).

„In Städten ist die Wahlfreiheit in der Mobilität bereits hoch, in vielen ländlichen Regionen jedoch extrem niedrig“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Ein Indikator für eine geringe Wahlfreiheit ist die Anzahl der Pkw im Verhältnis zu Wohnbevölkerung: Im Bezirk Waidhofen/Thaya gibt es mit rund 680 Pkw pro 1.000 Einwohner den höchsten Pkw-Motorisierungsgrad Österreichs. Ein weiterer Indikator ist die Anzahl der Haushalte mit zwei oder mehr Autos. In Kärnten und Niederösterreich sind es 36 bzw. 35 Prozent der Haushalte, in Tirol 19 Prozent und in Wien neun Prozent. In Wien sind 41 Prozent der Haushalte autofrei. Auch die hohe Zahl an Beziehern des großen Pendlerpauschale zeigt den Mangel im Mobilitätsangebot in vielen Regionen Österreichs. In Österreich erhalten mehr als 700.000 Personen das große Pendelpauschale (Benützung des Öffentlichen Verkehrs nicht möglich).

Die Folgen sind gravierend: 16 Prozent der arbeitssuchenden Bevölkerung im ländlichen und kleinstädtischen Raum haben deshalb Schwierigkeiten, einen Job zu finden. „Für Pendlerinnen und Pendler ist ein dichtes Angebot an Öffentlichem Verkehr sowie Carsharing und Leihradsysteme die nachhaltigste Unterstützung, um leistbare Arbeitswege zu haben“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

Die Politik hat auf das sich ändernde Mobilitätsverhalten und auf die sich ändernden Mobilitätsbedürfnisse stärker als bisher zu reagieren. Die Verkehrsmittel sind besser miteinander zu vernetzen, Bahnhöfe und Haltestellen zu multimodalen Verkehrsknotenpunkten auszubauen. Neben der optimalen Erreichbarkeit von Bahnhöfen auch mit dem Rad oder zu Fuß sowie Park & Ride Anlagen und ausreichend Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sollte es bei Bahnhöfen auch Leihrad- und Carsharing-Angebote geben. Die Nachfrage nach Carsharing und nach Leihradsystemen wird stark zunehmen.

Elektro-Fahrzeuge sind für multimodale Mobilität sehr gut geeignet. So ermöglichen Elektro-Fahrräder auch längere Distanzen von 10 bis 15 Kilometer bequem zurückzulegen. Klassische E-Autos rechnen sich, wenn die Fahrleistung hoch ist. Deshalb sind sie für Sharing-Systeme besonders gut geeignet.

Supermärkte und Einkaufszentren außerhalb der Zentren sind in der Regel nur mit dem Auto gut erreichbar. Oft fehlen Geh- und Radwege als Verbindung vom Ortszentrum oder einer Siedlung zum nächstgelegenen Supermarkt. Der VCÖ möchte nun gemeinsam mit der Bevölkerung Hindernisse am Einkaufsweg aufzeigen und Verbesserungen erreichen. Dafür hat der VCÖ den Einkaufsweg-Check gestartet: Auf einer interaktiven Online-Karte können unter www.vcoe.at Barrieren, Hindernisse und Verbesserungsvorschläge eingetragen werden.

 

VCÖ: Viele Zweitautos als Zeichen von geringer Wahlfreiheit in der Mobilität (Anteil Haushalte, mit zwei und mehr Autos, in Klammer autofreie Haushalte)

Wien: 9 Prozent (41 Prozent)

Tirol: 19 Prozent (21 Prozent)

Salzburg: 24 Prozent (20 Prozent)

Vorarlberg: 28 Prozent (19 Prozent)

Steiermark: 32 Prozent (21 Prozent)

Burgenland: 33 Prozent (17 Prozent)

Oberösterreich: 33 Prozent (15 Prozent)

Niederösterreich: 35 Prozent (14 Prozent)

Kärnten: 36 Prozent (15 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

 

VCÖ: In größeren Städten bereits sehr vielfältiges Mobilitätsverhalten (Anteil Alltagswege, die mit Öffis, Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden)

Wien: 72 Prozent

Innsbruck: 67 Prozent

Bregenz: 60 Prozent

Stadt Salzburg: 55 Prozent

Graz: 53 Prozent

Linz: 51 Prozent

 

Weitere Städte:

Feldkirch: 55 Prozent

St. Pölten: 44 Prozent

Wr. Neustadt: 42 Prozent

Klagenfurt: 34 Prozent

Quelle: Mobilitätserhebungen der Städte, VCÖ 2015

Zurück zur Übersicht