VCÖ: Luftverschmutzung verursacht in Österreich mehr als 7.000 Todesfälle pro Jahr!

VCÖ (Wien, 22. Jänner 2016) – Laut Europäischer Umweltagentur verursacht Luftverschmutzung in Österreich fast 7.100 vorzeitige Todesfälle pro Jahr. Der VCÖ weist darauf hin, dass die Abgase des Verkehrs mehr Menschenleben kosten als Verkehrsunfälle. Allein Stickstoffdioxid, das hauptsächlich von Dieselfahrzeugen verursacht wird, ist in Österreich für 660 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Aus den Auspuffen vieler Diesel-Pkw gelangen beim Fahren auf der Straße deutlich mehr Schadstoffe in die Luft als der Labor-Grenzwert vorschreibt.  Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für eine saubere Mobilität.

„Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Sind in der Luft zu viele Schadstoffe führt das zu Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen“, weist VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen auf Daten der Europäischen Umweltagentur hin. Demnach verursachen Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon in Österreich fast 7.100 Todesfälle pro Jahr. Allein Stickstoffdioxid, das hauptsächlich von Dieselfahrzeugen verursacht wird, ist in Österreich für 660 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Die kleineren Feinstaubpartikel (PM2,5) verursachen laut Europäischer Umweltagentur sogar rund 6.100 Todesfälle pro Jahr. Hauptverursacher von Feinstaub ist das Verbrennen fossiler Brennstoffe für das Heizen, in der Industrie und im Verkehr. 

Der VCÖ weist darauf hin, dass in Österreich der Verkehr für rund 56 Prozent der Stickoxid-Emissionen verantwortlich ist und für rund 20 Prozent der PM2,5 Emissionen. „Aus Gesundheitssicht sind die Verkehrsemissionen auch deshalb problematisch, weil sie häufig dort in die Luft gelangen, wo Menschen wohnen oder unterwegs sind. Die Schadstoffe des Verkehrs gelangen damit direkt in die Atemluft“, so VCÖ-Expertin Rasmussen.

Für Deutschland wurde erhoben, dass der Verkehr für ein Fünftel der durch Luftverschmutzung verursachten Todesfälle verantwortlich ist. In Deutschland verursachen auch viele Kohlekraftwerke hohe Schadstoffemissionen, in Österreich ist der Verkehrsanteil an der Luftverschmutzung höher. Aber selbst wenn auch in Österreich ein Fünftel der Todesfälle dem Verkehr zugeschrieben werden, sterben durch die Verkehrsabgase rund drei Mal so viele Menschen wie durch Verkehrsunfälle, macht der VCÖ aufmerksam. Im Vorjahr starben durch Verkehrsunfälle in Österreich 475 Menschen.

Erst diese Woche  wurden in Großbritannien die Ergebnisse von Abgastests unter realen Fahrbedingungen veröffentlicht. Demnach stießen 95 Prozent von 153 getesteten Diesel-Pkw-Modellen (Euro 6 und Euro 5) mehr Stickoxide aus als der Grenzwert im offiziellen Testverfahren erlaubt. Am schlechtesten Schnitt ein Jeep Grand Cherokee ab, der 15 Mal so viele Stickoxide emittierte wie der Grenzwert für das Testverfahren vorschreibt. Die britischen Konsumentenschützer sprachen von "Stickoxid-Fabriken auf vier Rädern".

Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für eine saubere Mobilität. „Die Gesundheit der Bevölkerung muss endlich Vorrang bekommen. Der Abgasskandal hat deutlich gezeigt, dass auch neue Diesel-Fahrzeuge alles andere als sauber sind. Umso wichtiger ist es, für die Bevölkerung die Alternativen zum Pkw massiv zu verbessern“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

So braucht es insbesondere in Österreichs Ballungsräumen ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz mit häufigen Verbindungen und den Ausbau der Infrastruktur fürs Radfahren. International setzen immer mehr Städte auf Radschnellwege, die möglichst kreuzungsfrei sind. Wichtig für die Luftqualität ist zudem die Verlagerung des städtischen Lieferverkehrs auf Elektro-Transporter. „Die EU ist gefordert, strengere Grenzwerte für Klein-Lkw zu erlassen, damit die Fahrzeughersteller mehr Elektro-Transporter auf den Markt bringen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

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