VCÖ: Lkw-Verkehr auf Österreichs Autobahnen heuer stark gestiegen

VCÖ: Ziel der Verlagerung von Straße auf Schiene nur mit umfassendem Maßnahmenpaket erreichbar

VCÖ (Wien, 22. Dezember 2017) – Der Lkw-Verkehr auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen hat heuer erneut stark zugenommen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Bei 83 von 105 ausgewerteten Zählstellen nahm der Lkw-Verkehr um mehr als zwei Prozent zu, bei 42 sogar um mehr als vier Prozent. Um das im Regierungsprogramm festgelegte Ziel der Verlagerung von der Straße auf die Schiene zu erreichen, ist ein umfassendes Maßnahmenpaket nötig, betont der VCÖ. Betriebliche Gleisanschlüsse sind zu forcieren, bestehende Anreize zum Transport auf der Straße abzubauen.

Mehr als 4,8 Millionen Lkw waren auf Österreichs meist befahrenen Autobahnabschnitt, der A1 bei Haid in Oberösterreich, in der ersten elf Monaten unterwegs, macht der VCÖ aufmerksam. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres nahm hier die Anzahl der Lkw um rund 110.000 zu, im Vergleich zu den ersten elf Monaten des Jahres 2012 waren heuer sogar um rund 500.000 Schwerfahrzeuge mehr unterwegs.

Die VCÖ-Analyse zeigt, dass nicht nur auf diesem Abschnitt, sondern österreichweit der Lkw-Verkehr heuer stark zugenommen hat. Insgesamt hat der VCÖ die Daten von 105 Zählstellen der Asfinag analysiert. Bei 95 Zählstellen hat der Lkw-Verkehr zugenommen, bei 83 Zählstellen davon um mehr als zwei Prozent, bei 42 sogar um mehr als vier Prozent. Der A2 Südautobahn weist nach der A1 die zweithöchste Anzahl von Lkw auf. Bei Biedermannsdorf waren hier in den ersten elf Monaten rund 4,2 Millionen Lkw unterwegs, um drei Prozent mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres, informiert der VCÖ. Auf der A25 bei Marchtrenk und auf der A23 auf der Praterbrücke rollten knapp mehr als 3,5 Millionen Lkw, auf der A21 bei Brunn am Gebirge und auf der A8 bei Niederndorf mehr als 3,4 Millionen.

„Viele Autofahrer erleben die rechte Spur auf Autobahnen als rollende Lagerhalle. Das ist schlecht für die Straßen, erhöht das Unfallrisiko und belastet die Anrainerinnen und Anrainer. Umso wichtiger ist es, dass die Regierung das Ziel der Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene rasch in Angriff nimmt“, betont VCÖ-Experte Markus Gansterer. Die beiden Ziele - ausreichend Transportkapazitäten für die Wirtschaft und gleichzeitig Verringerung der Belastung für Anrainer und Autofahrer - sind mit einem umfassenden Maßnahmenpaket miteinander in Einklang zu bringen, betont der VCÖ.

Vor allem betriebliche Gleisanschlüsse sind stärker als bisher zu forcieren, betont der VCÖ.  Auch die Raumordnung kann die Verlagerung auf die Schiene unterstützen. So soll es Anreize für Betriebsansiedelungen bei Gleisanschlüssen geben. Gleichzeitig sind Maßnahmen beim Lkw-Transport nötig. Die Einhaltung von Arbeits- und sozialrechtlichen Standards sind ebenso stärker zu kontrollieren, wie die Sicherheitsstandards bei Lkw.

„Lkw mit abgefahrenen Reifen oder anderen technischen Mängeln sowie die Überschreitung der Ruhezeiten sind auf Autobahnen ein großes Sicherheitsrisiko für Autofahrer. Zudem sorgen verstärkte Kontrollen auch für faire Wettbewerbsbedingungen für jene Spediteure, die sich an die Regeln halten“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Anfang des Jahres wurden zudem in Deutschland bei vielen Transit-Lkw aus Osteuropa Abgasmanipulationen aufgedeckt. Ein nachträglich eingebautes Gerät verhindert die AdBlue Einspritzung und damit die Abgasreinigung. Neben dadurch erhöhter Schadstoff-Emissionen wird zudem der Staat betrogen, da diese vermeintlich schadstoffarmen Lkw eine niedrigere Maut bezahlen.

Gerade für die Lkw-geplagte Bevölkerung in Tirol sind auch verstärkte Maßnahmen auf EU-Ebene nötig. Sektorale Fahrverbote für bahnaffine Güter würden in Tirol einerseits den für die Wirtschaft nötigen Warenverkehr sicherstellen und andererseits die Anrainerinnen und Anrainer entlasten, betont der VCÖ. Österreich sollte den EU-Vorsitz im kommenden Jahr auch nutzen, um Maßnahmen gegen absurde Auswüchse des Transports zu setzen. So wird Schweinefleisch aus Ostdeutschland über Österreich nach Italien transportiert, dort zu Parmaschinken oder Südtiroler Speck weiterverarbeitet und dann – wieder über Österreich – nach Deutschland zurücktransportiert.

Zudem werden mehr als 300 Millionen Tiere lebend innerhalb der EU transportiert, dazu kommen mehrere Millionen Tiere, die teilweise unter qualvollen Bedingungen lebend in Drittländer transportiert werden. Tiere tausende Kilometer quer durch Europa zu transportieren verursacht viel Tierleid und viel Transit-Verkehr, macht der VCÖ auf die Folgen aufmerksam. Diese Auswüchse sind auch die Folge vom fehlenden Verursacherprinzip. „Die derzeitige Regelung schadet allen regionalen Anbietern in Österreich. Der Billigtransport von Waren aus Billiglohnländern kostet viele Arbeitsplätze in Österreich“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Auf EU-Ebene ist daher eine Mindestmaut für Lkw einzuführen.

VCÖ: Autobahnabschnitte der einzelnen Autobahnen mit dem jeweils stärksten Lkw-Verkehr
(Anzahl Kfz über 3,5 Tonnen von 1.1. bis 30.11.2017, in Klammer Änderung zu 1.1.-30.11. 2016)
A1 Haid: 4.846.100 Lkw (plus 2,5 Prozent)
A2 Biedermannsdorf: 4.219.200 Lkw (plus 3 Prozent)
A25 Marchtrenk: 3.572.300 Lkw (plus 2,2 Prozent)
A23 Praterbrücke: 3.555.400 Lkw (plus 2,5 Prozent)
A21 Brunn am Gebirge: 3.481.900 Lkw (plus 1,5 Prozent)
A8 Niederndorf: 3.479.500 Lkw (plus 3 Prozent)
S1 Rannersdorf: 3.268.400Lkw (plus 3,7 Prozent)
A12 Wörgl: 3.219.800 Lkw (plus 6,1 Prozent)
A4 Bruckneudorf: 2.831.400 Lkw (plus 3,2 Prozent)
A13 Matrei-Brenner: 2.364.300 Lkw (plus 7,9 Prozent)
A9 Wundschuh: 2.010.800 Lkw (plus 7,3 Prozent)
A10 Hallein: 1.820.900 Lkw (plus 5,1 Prozent)
A7 Voest: 5.220 Lkw (plus 0,6 Prozent)
A22 Brigittenauer Brücke : 1.558.100 Lkw (plus 9,1 Prozent)
A14 Wolfurt-Lauterach: 1.471.900 Lkw (keine Vergleichszahlen für 2016)
S2 Hermann Gebauer Straße: 1.456.100 Lkw (plus 0,7 Prozent)
A5 Eibesbrunn: 1.166.600 Lkw (plus 3,5 Prozent)
S33 St. Pölten: 1.044.300 Lkw (plus 3,8 Prozent)
S5 Zaina: 882.400 Lkw (plus 2,8 Prozent)
A6 Kittsee: 849.100 Lkw (plus 2,5 Prozent)
A11 St. Martin: 567.900 Lkw (plus 6,3 Prozent)
S35 Peggau: 536.500 Lkw (minus 3,4 Prozent)
S16 Grins: 429.900 Lkw (minus 13 Prozent)
S31 Wulkaprodersdorf: 407.400 Lkw (plus 4 Prozent)
S4 Sigleß: 281.000 Lkw (minus 3 Prozent)
Quelle: Asfinag, VCÖ 2017

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