VCÖ: Lkw-Verkehr auf Österreichs Autobahnen auch heuer stark gestiegen

VCÖ fordert verstärkte Lkw-Kontrollen und mehr betriebliche Gleisanschlüsse

VCÖ (Wien, 28. Oktober 2016) – Der Lkw-Verkehr auf Österreichs Autobahnen nimmt weiter zu, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Bei 89 von 109 ausgewerteten Zählstellen waren heuer mehr Lkw unterwegs als im Vorjahr, bei jeder vierten Zählstelle nahm der Lkw-Verkehr sogar um mehr als fünf Prozent zu. Die meisten Lkw wurden auf der A1 bei Haid mit mehr als 3,7 Millionen seit Jahresbeginn gezählt, dahinter folgen die A8, die S1, A25, A23 und A2. Der VCÖ fordert mehr Lkw-Kontrollen, eine EU-weite Lkw-Mindestmaut  und mehr betriebliche Gleisanschlüsse.

Die Daten der Zählstellen bestätigen, was viele Autofahrer empfinden: Der Lkw-Verkehr in Österreich nimmt weiter zu. Der VCÖ hat 109 Zählstellen der Asfinag analysiert. Das Ergebnis: Bei 89 der 109 Zählstellen waren heuer in den ersten drei Quartalen mehr Lkw unterwegs als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei 55 Prozent nahm die Zahl der Lkw um mehr als zwei Prozent zu, bei jeder vierten sogar um mehr als fünf Prozent. Rückgänge gab es – baustellenbedingt – im Raum Wien auf der A23 und A22.

Der Autobahnabschnitt, wo österreichweit die meisten Lkw unterwegs sind, ist die A1 bei Haid, berichtet der VCÖ. Allein in den ersten neun Monaten waren hier mehr als 3,7 Millionen Lkw unterwegs, um rund 70.000 mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Mit der A8 bei Krenglbach liegt auch der am zweitstärksten mit Lkw belastete Abschnitt in Oberösterreich. Dahinter befindet sich mit der S1 bereits die am stärksten befahrene Schnellstraße mit mehr als 2,8 Millionen Lkw in den ersten neun Monaten des heurigen Jahres. Mehr als zwei Millionen Lkw weisen auch Zählstellen auf der A25, A23, A2, A12 sowie A21 und A4 auf.

„Die Zunahme des Lkw-Verkehrs war in den letzten Jahren deutlich höher als das Wirtschaftswachstum. Die rechte Fahrspur ist zur rollenden Lagerhalle geworden“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Die Zunahme des Lkw-Verkehrs wird auch ein wachsendes Problem für die Verkehrssicherheit. Laut deutschem Bundesamt für Güterverkehr ist bereits bei jedem vierten Lkw der Fahrtenschreiber manipuliert, die Ruhezeiten werden nicht eingehalten. „Mit der Missachtung der Vorschriften werden die Kosten gesenkt, was all jene Transportunternehmen benachteiligt, die sich an die Regeln halten. Und gleichzeitig werden Leben und Gesundheit der anderen Verkehrsteilnehmer aufs Spiel gesetzt. Übermüdung erhöht das Unfallrisiko um ein Vielfaches“, fordert VCÖ-Experte Gansterer deutlich mehr Lkw-Kontrollen und höhere Strafen für die Transportunternehmen bei Verstößen. 

Darüber hinaus sind betriebliche Gleisanschlüsse stärker zu fördern, damit Güter direkt vom Betrieb auf die Schiene kommen. Auch braucht es stärkere Anreize, damit neue Betriebsstandorte in der Nähe von Gleisanlagen errichtet werden. Die steuerliche Begünstigung von Dieseltreibstoff ist abzuschaffen. Die Anrainerinnen und Anrainer entlang der Tiroler Autobahnen sind österreichweit der höchsten Stickstoffdioxid-Belastung ausgesetzt. Hauptverursacher dieses sehr gesundheitsschädlichen Schadstoffes sind Dieselfahrzeuge, in Tirol vor allem der Lkw-Verkehr. Da EU-weit der Lkw-Verkehr nur einen Teil der verursachten Kosten selber trägt, ist auf EU-Ebene eine Mindestmaut für Lkw einzuführen.

VCÖ: Autobahnabschnitte der einzelnen Autobahnen mit dem jeweils stärksten Lkw-Verkehr  (gerundete Anzahl Lkw 1.1. bis 30.9. 2016 – in Klammer Änderung gegenüber 1.1.-30.9.2015)

A1 Haid 3.783.000 (plus 1,9 Prozent)

A8 Krenglbach 2.920.000 (plus 2,7 Prozent)

S1 Laxenburger Straße 2.860.000 (plus 2,0 Prozent)

A25 Marchtrenk 2.791.000 (plus 1,9 Prozent)

A23 Praterbrücke 2.762.000 (minus 1,1 Prozent)

A2 ASt IZ NÖ Süd 2.746.000 (neue Zählstelle)

A21 Brunn am Gebirge 2.736.000 (plus 1,5 Prozent)

A12 Ampass 2.340.000 (plus 1,7 Prozent)

A4 Bruckneudorf 2.190.000 (plus 1 Prozent)

A13 Gärberbach 1.896.000 (plus 5,3 Prozent)

A10 Anif 1.632.000 (plus 2,6 Prozent)

A9 Wundschuh 1.492.000 (plus 8,8 Prozent)

A7 Voest 1.383.000 (minus 2,9 Prozent)

S2 Hermann Gebauer Straße 1.156.000 (plus 4,8 Prozent)

A22 Brigittenauer Brücke 1.126.000 (minus 10,9 Prozent)

A14 Pfändertunnel 1.046.000 (plus 4,8 Prozent)

A5 Schrick 829.000 (plus 6,5 Prozent)

S33 St. Pölten 803.000 (plus 2,3 Prozent)

A6 Potzneusiedl 699.000 (plus 4,2 Prozent)

S5 Zaina 681.000 (minus 0,2 Prozent)

S36 Zmöllach 517.000 (plus 1,4 Prozent)

S6 Massenbergtunnel 507.000 (plus 9,9 Prozent)

S35 Peggau 453.000 (plus 13,7 Prozent)

A11 St.Martin 428.000 (plus 8,3 Prozent)

S16 Perjentunnel 420.000 (plus 22,0 Prozent)

S3 Göllersdorf 334.000 (plus 2,8 Prozent)

S31 Wulkaprodersorf 313.000 (minus 1,1 Prozent)

S4 Neudörfl 282.000 (minus 4,2 Prozent)

Quelle: Asfinag, VCÖ 2016

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