VCÖ: Lkw-Transport ist Österreich seit 2005 drei Mal so stark gestiegen wie Bahngüterverkehr

VCÖ: Ohne Kurskorrektur verfehlt Güterverkehr Klimaziel deutlich

VCÖ (Wien, 19. Oktober 2017) – Der Lkw-Transport in Österreich hat seit dem Jahr 2005 mehr als drei Mal so stark zugenommen wie der Bahngüterverkehr, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Die Transportleistung auf der Straße ist bereits doppelt so hoch wie auf der Schiene. Dabei hat Österreich im EU-Vergleich einen hohen Bahngüteranteil. Der VCÖ warnt, dass ohne umfassende Maßnahmen der Gütertransport die Klimaziele weit verfehlen wird.

Bereits 60,8 Milliarden Tonnenkilometer wurden zuletzt mit Lkw und Bahn in Österreich transportiert. Auf die Straße entfallen 40,5 Milliarden Tonnenkilometer, um rund 25 Prozent mehr als noch im Jahr 2005, macht der VCÖ aufmerksam. Die Transportleistung der Schiene ist im gleichen Zeitraum um sieben Prozent auf 20,3 Milliarden Tonnenkilometer gestiegen. Der Anteil der Schiene beträgt ein Drittel. Österreich hat damit einen um rund 75 Prozent höheren Schienenanteil als im Schnitt die anderen 27 EU-Staaten, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. In Österreich ist der Anteil des Schienengüterverkehrs um 57 Prozent höher als in Deutschland.

Auch die Entwicklung des Bahngütertransports in den vergangenen Jahren ist in Österreich deutlich besser als im Schnitt der anderen EU-Staaten. Während in der EU28 der Bahngüterverkehr um nur 0,4 Prozent zulegte, war das Wachstum in Österreich mit 6,9 Prozent höher, so die VCÖ-Analyse. „Aber da der Lkw-Transport noch stärker zunimmt, entfernt sich auch in Österreich der Güterverkehr immer stärker von den Klimazielen. Es braucht sowohl in Österreich als auch auf EU-Ebene rasche und umfassende Maßnahmen“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest.

Die Schweiz zeigt, dass Wirtschaftswachstum und Verringerung des Lkw-Verkehrs Hand in Hand gehen können. In der Schweiz nahm die Transportleistung der Lkw seit dem Jahr 2005 um rund zehn Prozent ab, die Transportleistung der Schiene nahm so wie in Österreich um rund sieben Prozent zu, informiert der VCÖ.

In der Schweiz sind in der Lkw-Maut auch die vom Lkw-Verkehr verursachten Gesundheits- und Umweltschäden inkludiert. Die Lkw-Maut in der Schweiz ist aber nicht nur deutlich höher, sie gilt zudem auf allen Straßen und nicht nur so wie in Österreich auf Autobahnen und Schnellstraßen. Weiters wird der Treibstoff der Lkw, Diesel, in der Schweiz nicht steuerlich begünstigt, sondern gleich hoch besteuert wie Benzin.

„Der Güterverkehr kann seine Klimaziele nur erreichen, wenn der Anteil der Bahn deutlich steigt. Voraussetzung dafür ist, dass der Lkw-Verkehr EU-weit für die verursachten Schäden zur Gänze bezahlt und die Regelungen für den Bahntransport vereinheitlicht werden“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Während ein Lkw von Antwerpen bis nach Bulgarien - mit Pausen - durchfuhren kann, müssen beim Bahntransport Lokomotiven und Lokführer bei zahlreichen Grenzen gewechselt werden, was Zeitaufwand und Kosten erhöht.

Zudem ist im Lkw-Verkehr Sozialdumping weit verbreitet. Lkw werden in anderen Staaten angemeldet, wo Sozialstandards, Löhne und Sozialversicherungsbeiträge niedriger sind („ausflaggen“), macht der VCÖ aufmerksam. Auch die Nichteinhaltung von Ruhezeiten und Übertretung von Tempolimits führen zu einer Wettbewerbsverzerrung. Laut einer Studie der Arbeiterkammer überschreiten rund 90 Prozent der Lkw auf Autobahnen und Schnellstraßen die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.

In Österreich braucht es zudem verstärkte Anreize für Unternehmen, die ihre Transporte verstärkt auf die Bahn verlagern. Betriebsansiedelungen nahe vorhandener Gleisanschlüsse sind zu fördern, für die Verlagerung von Gütertransporten vom Lkw auf die Schiene sollen Betriebe einen Klimaschutz-Bonus erhalten. Der VCÖ weist darauf hin, dass pro Tonnenkilometer Lkw 14 Mal so viel klimaschädliches CO2 ausstoßen wie die Bahn. Der Lkw-Transport ist in Österreich bereits für 43 Prozent der Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs verantwortlich.

VCÖ: Österreich hat fast doppelt so hohen Bahngüteranteil wie EU-Schnitt
(Anteil Bahn am Gütertransport (Tonnenkilometer) im Jahr 2015 )
Lettland: 79,8 Prozent
Litauen: 65,9 Prozent
Estland: 52,6 Prozent
Rumänien: 45,4 Prozent
Slowakei: 37,9 Prozent
Slowenien: 35,0 Prozent
Österreich: 33,3 Prozent
Ungarn: 31,2 Prozent 
Schweden: 29,4 Prozent
Finnland: 27,1 Prozent
Tschechien: 26,5 Prozent
Polen: 25,6 Prozent
Bulgarien: 24,7 Prozent
Deutschland: 21,2 Prozent
Kroatien: 21,0 Prozent
Portugal: 14,1 Prozent
Italien: 13,4 Prozent
Belgien: 13,2 Prozent
Frankreich: 12,0 Prozent
Großbritannien: 11,7 Prozent
Niederlande: 11,3 Prozent
Dänemark: 10,6 Prozent
Luxemburg: 7,3 Prozent
Spanien: 5,9 Prozent
Griechenland: 1,6 Prozent
Irland: 1,0 Prozent
EU-28: 19,5 Prozent
EU-15: 16,0 Prozent
SCHWEIZ: 37,4 Prozent
Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2017

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