VCÖ-Kritik: Pkw-Stellplatzverpflichtung verteuert Wohnbau

VCÖ (Wien, 10. Oktober 2013) – Die bestehende Pkw-Stellplatzverpflichtung verteuert den Wohnbau, stellt eine aktuelle VCÖ-Untersuchung fest. Der VCÖ betont, dass eine umfassende Reform der Stellplatzverordnung Geld für den Bau zusätzlicher Wohnungen frei macht. Aufgrund des Bevölkerungswachstums braucht es eine Ankurbelung des Wohnbaus. Der VCÖ weist darauf hin, dass die Zahl der autofreien Haushalte in Zukunft vor allem in den Städten zunehmen wird. Statt einer Pkw-Stellplatzverpflichtung braucht es für neue Wohn- und Bürogebäude umfassende Mobilitätskonzepte inklusive Carsharing Angebote.

In Wien leben bereits 41 Prozent der Haushalte ohne eigenes Auto, österreichweit lebt jeder 5. Haushalt autofrei. Trotzdem ist im Wohnbau die Errichtung mindestens eines Pkw-Stellplatzes verpflichtend vorgeschrieben. „Die bestehende Pkw-Stellplatzverpflichtung steht im Widerspruch zu dem sich ändernden Mobilitätsverhalten der Bevölkerung. Das Auto verliert vor allem in den Städten stark an Bedeutung. Schon heute stehen Garagenplätze in Wohnanlagen leer. Die Beibehaltung der Verpflichtung, Pkw-Stellplätze pro Wohnung zu errichten, verteuert unnötig den Wohnbau und verschärft auch den Wohnungsmangel“, fordert VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer eine umfassende Reform der bestehenden Stellplatzverordnungen. Einen Schritt in die richtige Richtung macht die zukünftige Stellplatzverpflichtung in Wien, die nicht mehr pro Wohnung, sondern pro 100 Quadratmeter Wohnfläche einen Pkw-Stellplatz vorschreibt.

Der VCÖ weist auf die Bevölkerungsprognosen der Statistik Austria hin. Demnach werden in Österreich im Jahr 2030 rund neun Millionen Menschen wohnen, um rund 600.000 mehr als heute. Der Bedarf nach zusätzlichen Wohnungen ist vor allem in den Städten groß. So wird in Graz und Linz die Bevölkerungszahl um jeweils neun Prozent zunehmen, in Wien um zehn Prozent und in St. Pölten um elf Prozent. Die Zahl der Haushalte nimmt bis 2030 um zehn Prozent zu, die Zahl der Single-Haushalte sogar um 17 Prozent.

Um den zukünftigen Bedarf an Wohnungen abdecken zu können, braucht es schon heute eine Offensive beim Wohnbau. Fachleute beziffern den Bedarf für neue Wohnungen mit rund 50.000 pro Jahr. Die VCÖ-Untersuchung zeigt aber, dass im Vorjahr der Bau neuer Wohnungen österreichweit um 13 Prozent auf 37.654 zurückging. Die verpflichtende Errichtung von Stellplätzen schraubt die Kosten für den Wohnbau in die Höhe. Gerade in den Städten, wo der Platz knapp ist, müssen meist teure Tiefgaragen errichtet werden, deren Errichtung mindestens 15.000 Euro pro Stellplatz kosten.

Der VCÖ fordert für neue Wohn- und Bürogebäude statt einer Pkw-Stellplatzverpflichtung ein Mobilitätskonzept, das den Öffentlichen Verkehr und das Radfahren einbezieht. Statt teurer Tiefgaragen hat bei Wohnanlagen Carsharing großes Potenzial. International haben bereits zahlreiche Städte die Pkw-Stellplatzpflicht abgeschafft, wie etwa Berlin, Basel und Hamburg. In Zürich gibt es in der Innenstadt sogar Obergrenzen für Pkw-Stellplätze, ebenso in Dornbirn für einen Stadtteil.

„Neue Wohn- und Bürogebäude werden auch in 30 Jahren noch genutzt. Das Auto hat seinen Zenit bereits erreicht, in Zukunft wird der Autobesitz vor allem in den Städten deutlich zurückgehen. Schon heute leben viele ohne eigenes Auto und brauchen keinen Stellplatz. Deshalb ist es höchste Zeit die mit der Reichsgaragenordnung im Jahr 1939 eingeführte Pkw-Stellplatzverpflichtung endlich abzuschaffen“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

VCÖ: In Österreich werden zu wenig Wohnungen gebaut (Bewilligte Wohnungen in neuen Wohngebäuden in Österreich)

Jahr 2012: 37.654
Jahr 2011: 43.388
Jahr 2010: 38.147
Jahr 2009: 37.072
Jahr 2008: 37.506
Jahr 2007: 37.552
Jahr 2006: 37.683
Jahr 2005: 36.155

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

VCÖ: In Vorarlberg werden im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die meisten neuen Wohnungen gebaut (Bewilligte Wohnungen pro 10.000 Einwohner im Jahr 2012, in Klammer Jahr 2011)

Österreich: 52 (45)
1. Vorarlberg: 62 (58)
2. Tirol: 56 (64)
3. Kärnten: 53 (51)
4. Salzburg: 48 (49)
5. Oberösterreich: 47 (53)
6. Steiermark: 45 (53)
7. Wien: 39 (51)
8. Niederösterreich: 38 (42)
9. Burgenland: 31 (67)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

Zurück zur Übersicht