VCÖ: Klimasünder Verkehr macht Einsparungen der anderen Sektoren zunichte

VCÖ: Nur mit umfassender Energie- und Mobilitätswende ist Klimaziel erreichbar

VCÖ (Wien, 17. Jänner 2017) – Die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs sind seit dem Jahr 1990 um 60 Prozent gestiegen, macht der VCÖ aufmerksam. Im gleichen Zeitraum sind die Emissionen von Energie & Industrie, Gebäude, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft gesunken. Der VCÖ betont, dass Österreich nur mit einer umfassenden Energie- und Mobilitätswende das Klimaziel von Paris erreichen kann. Neben dem Ausbau des klimafreundlichen Mobilitätsangebots braucht es eine ökologische Steuerreform.

Im Jahr 1990 verursachte der Gebäudesektor etwa gleich viele Treibhausgas-Emissionen wie der Verkehr. Während aber die Emissionen des Gebäudesektors seither um 39,9 Prozent zurückgegangen sind, nahmen die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrs um 60 Prozent zu. „Heute verursacht der Verkehr mit 22,1 Millionen Tonnen fast drei Mal so viele Treibhausgase wie der Gebäudesektor. Die teuren Einsparungen im Gebäudebereich hat die Zunahme beim Verkehr wieder zunichte gemacht. Der Verkehr ist weiterhin das größte Sorgenkind beim Klimaschutz“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen zur heute vom Umweltbundesamt präsentierten Klimabilanz 2015 fest.

Der Verkehr ist bereits für 28 Prozent von Österreichs Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, im Jahr 1990 betrug der Anteil des Verkehrs nur 17,5 Prozent, macht der VCÖ aufmerksam. Da im Vorjahr mehr Sprit in Österreich getankt wurde als im Jahr 2015, fällt die Klimabilanz 2016 noch schlechter als die heute präsentierte Bilanz 2015 aus.

Das von Österreich ratifizierte Klimaabkommen von Paris bedeutet, dass spätestens im Jahr 2050 der Verkehr ohne Erdöl funktionieren muss. „Von diesem Ziel ist Österreich heute weit weg. Der Verkehr muss endlich auf Klimakurs gebracht werden. Die Lösungen liegen am Tisch, sie müssen lediglich Schritt für Schritt umgesetzt werden“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Das klimafreundliche Mobilitätsangebot ist massiv auszubauen. Neben einem dichteren öffentlichen Verkehrsnetz mit häufigeren Bahn- und Busverbindungen ist auch die Radfahr-Infrastruktur österreichweit auszubauen, betont der VCÖ. So wie in anderen Staaten ist auch in Österreich ein Netz an Radschnellwegen zu errichten. Großes Potenzial gibt es auch im Carsharing, insbesondere im E-Carsharing. Eine zentrale Rolle kommt der Siedlungsentwicklung zu. Durch einen Stopp der Zersiedelung und der Stärkung der Ortskerne kann viel Autoverkehr vermieden werden.

Die Bundesregierung kann mit einer umfassenden ökologischen Steuerreform Österreich auf Klimakurs bringen. Die Steuern auf Arbeit sind zu senken, jene auf Ressourcen- und Energieverbrauch zu erhöhen. „In einer Zeit, in der durch das Klimaabkommen von Paris weltweit klimafreundliche Lösungen und Technologien nachgefragt werden, ist für das Exportland Österreich der Klimaschutz eine Riesenchance viele neue Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende zu sichern“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen abschließend fest.

VCÖ: Nur mit umfassender Energie- und Mobilitätswende ist Klimaziel erreichbar

VCÖ: Verkehr ist einziger Sektor mit steigenden Treibhausgas-Emissionen seit 1990

(Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2015, in Klammer Änderung zu 1990)

Energie & Industrie: 35,7 Millionen Tonnen (minus 0,8 Mio. Tonnen)

Verkehr: 22,1 Millionen Tonnen (plus 8,3 Mio. Tonnen)

Landwirtschaft: 8,0 Millionen Tonnen (minus 1,5 Mio. Tonnen)

Gebäude (Raumwärme): 8,0 Millionen Tonnen (minus 5,2 Mio. Tonnen)

Abfallwirtschaft: 3,0 Millionen Tonnen (minus 1,0 Mio. Tonnen)

Sonstiges: 2,0 Millionen Tonnen (plus 0,3 Mio. Tonnen)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2017

Zurück zur Übersicht