VCÖ: Jeder 9. Österreicher ist im Jahr 2030 75 Jahre oder älter – Mobilitätssystem muss barrierefrei werden

VCÖ (Wien, 20. November 2015) – Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der über 74-Jährigen in Österreich um 40 Prozent auf knapp über eine Million steigen, macht der VCÖ aufmerksam. Das derzeitige Verkehrssystem weist für ältere Menschen zahlreiche Hürden und Hindernisse auf. Der VCÖ fordert eine raschere Umsetzung von Maßnahmen für eine barrierefreie Mobilität in den Städten und Gemeinden. Neben der Sanierung und dem Ausbau des Geh- und Radwegenetzes braucht es in kleineren Gemeinden Anrufsammeltaxis oder Dorfbusse.

Die Zahl der älteren Menschen nimmt in Österreich in den kommenden Jahren stark zu. Während zu Jahresanfang rund  732.000 Personen 75 Jahre oder älter waren, werden es im Jahr 2030 laut Bevölkerungsprognose der Statistik Austria bereits knapp mehr als eine Million sein. „Damit wird jede 9. Person in Österreich 75 Jahre oder älter sein. Unser Mobilitätssystem ist aber noch weit davon entfernt altersgerecht zu sein“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Was noch auffällt:  „Die Generation 65 nimmt bis zum Jahr 2030 um 561.700 zu, und steigt damit fast 17 Mal so stark wie die Zahl der unter 65-Jährigen“, berichtet VCÖ-Experte Gansterer.

Im Bundesländer-Vergleich wird Kärnten im Jahr 2030 mit 13,6 Prozent den höchsten Anteil von Personen über 74 Jahre aufweisen, knapp dahinter das Burgenland mit 13,1 Prozent. Den niedrigsten Anteil an älteren Seniorinnen und Senioren wird es in Wien mit 9,1 Prozent geben. Der VCÖ weist darauf hin, dass aber in den westlichen Bundesländern – in Vorarlberg, Salzburg und Tirol – die Zahl der über 74-Jährigen am stärksten zunehmen wird, nämlich um rund 50 Prozent bis zum Jahr 2030. In der Steiermark nimmt die  Zahl der älteren Menschen am geringsten zu, aber immer noch um 32 Prozent.

„Derzeit gibt es für ältere Menschen im Verkehrsbereich noch zahlreiche Hindernisse, besonders dann, wenn sie zu Fuß unterwegs sind“, so VCÖ-Experte Gansterer: Zu kurze Grün- und zu lange Rotphasen bei Fußgängerampeln und fehlende Abkürzungen für Fußgängerinnen und Fußgänger. Zu hohes Tempo des Kfz-Verkehrs und mangelnde Aufmerksamkeit, etwa durch Handy am Steuer. Wer mit Rollator unterwegs ist, wird durch hohe Gehsteigkanten und zu schmale Gehsteige behindert, betont der VCÖ. Wichtig ist, dass es bei Parkplätzen entlang von Gehsteigen in regelmäßigen Abständen sichere und barrierefreie Möglichkeiten gibt, die Fahrbahn zu queren. Fehlen diese, müssen lange und beschwerliche Umwege gegangen werden. Zudem braucht es mehr Verkehrssicherheit für ältere Fußgängerinnen und Fußgänger.

Ein großes Problem für die selbstständige Mobilität älterer Menschen ist auch die Zersiedelung, die zu deutlich längeren Entfernungen zu wichtigen Alltagszielen führt. Für viele ältere Menschen ist es dadurch nicht mehr möglich, Einkäufe oder Arztbesuche selbstständig zu erledigen. Neben einem Stopp der Zersiedelung, der Förderung von Wohnen im Ortszentrum und der Nahversorgung ist in kleineren Gemeinden das Angebot an Anrufsammeltaxis und Dorfbussen auszuweiten, fordert der VCÖ.

Mehr Informationen zur Seniorenmobilität.

 

VCÖ: Den höchsten Anteil an über 74-Jährigen wird im Jahr 2030 Kärnten haben

(Anteil der über 74-Jährigen an der Bevölkerung im Jahr 2030, in Klammer Jahresbeginn 2015)

Kärnten: 13,6 Prozent (9,8 Prozent)
Burgenland: 13,1 Prozent  (10,3 Prozent)
Steiermark: 12,2 Prozent (9,5 Prozent)
Niederösterreich: 11,9 Prozent (9,2 Prozent)
Salzburg: 11,5 Prozent (7,9 Prozent)
Oberösterreich: 11,2 Prozent (8,6 Prozent)
Tirol: 10,9 Prozent (7,9 Prozent)
Vorarlberg: 10,8 Prozent (7,6 Prozent)
Wien: 9,1 Prozent (7,2 Prozent)

Österreich: 11,2 Prozent (8,5 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

 

VCÖ: In Österreich  nimmt die Zahl älterer Menschen stark zu

(Anzahl Altersgruppe im Jahr 2030 (in Klammer Änderung gegenüber 2015))

65 Jahre oder älter: 2.145.600 (plus 561.700)
75 Jahre oder älter: 1.026.600 (plus 294.500)

Gesamtbevölkerung: 9.180.200 (plus 595.300)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015 

 

VCÖ: Am stärksten nimmt die Zahl der über 74-Jährigen in Vorarlberg und Salzburg  zu

(Zunahme der Altersgruppe  75 Jahre und älter zwischen 2015 und 2030)

Vorarlberg: plus 53 Prozent
Salzburg: plus 52 Prozent
Tirol: plus 50 Prozent
Wien: plus 43 Prozent
Niederösterreich: plus 39 Prozent
Oberösterreich: plus 37 Prozent
Kärnten: plus 37 Prozent
Burgenland: plus 34 Prozent
Steiermark: plus 32 Prozent

Österreich: plus 40 Prozent

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

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