VCÖ: Jeder 2. tödlich verunglückte Fußgänger ist 65 Jahre oder älter

VCÖ (Wien, 19. November 2015) – Ältere Menschen sind die größte Opfergruppe bei tödlichen Fußgängerunfällen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. In den vergangenen zehn Jahren kamen 937 Fußgängerinnen und Fußgänger bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben, davon waren 465 Todesopfer 65 Jahre oder älter. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für ein seniorengerechtes Verkehrssystem. Im Ortsgebiet braucht es mehr Verkehrsberuhigung, barrierefreie Gehsteige und sichere Straßenübergänge. In den ländlichen Regionen mangelt es an Gehwegen entlang der Straßen.

„Die Zahl der älteren Menschen wird in Österreich in den kommenden Jahren stark steigen. Doch unser Verkehrssystem ist alles andere als seniorengerecht. Vor allem bei der Verkehrssicherheit für ältere Fußgängerinnen und Fußgänger besteht großer Handlungsbedarf“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Derzeit sind rund 1,6 Millionen Personen in Österreich 65 Jahre oder älter, bis zum Jahr 2030 wird diese Altersgruppe um 36 Prozent auf rund 2,2 Millionen zulegen.

Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt, dass im Zeitraum 2005 bis 2014 jeder zweite tödlich verunglückte Fußgänger 65 Jahre oder älter war. Insgesamt kamen  in diesen zehn Jahren 465 ältere Fußgängerinnen und Fußgänger bei Verkehrsunfällen ums Leben, davon waren 260 Frauen. Im Vorjahr waren sogar zwei Drittel der tödlich verunglückten älteren Fußgängerinnen und Fußgänger Frauen.

Dass Verkehrssicherheitsmaßnahmen wirken, zeigt ebenfalls die Unfallstatistik. Noch im Jahr 2008 wurden 58 Seniorinnen und Senioren als Fußgänger bei einem Verkehrsunfall getötet, im Vorjahr waren es 32. Der VCÖ weist darauf hin, dass aufgrund des allgemeinen Gesundheitszustands Fußgängerunfälle  von älteren Menschen deutlich häufiger tödlich enden. So betrug in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der Seniorinnen und Senioren an den verletzten Fußgängern 22 Prozent, der Anteil der Senioren an den tödlich Verunglückten war mehr als doppelt so hoch.

Der VCÖ fordert Maßnahmen für ein seniorengerechtes Verkehrssystem. Im Ortsgebiet erhöhen Tempo 30 statt 50 sowie Verkehrsberuhigungsmaßnahmen die Verkehrssicherheit der Fußgänger. Zudem ist ein durchgängiges Netz an ausreichend breiten und barrierefreien Gehsteigen und Gehwegen für ältere Menschen besonders wichtig. Mobilitätserhebungen zeigen, dass bei älteren Menschen der Anteil zu Fuß zurückgelegter Alltagswege deutlich höher ist als bei den 20- bis 60-Jährigen, betont der VCÖ.

Besonders wichtig sind auch ausreichend und sichere Möglichkeiten, die Fahrbahn zu queren. „Gerade für ältere Menschen sind Umwege besonders beschwerlich. Deshalb braucht es häufigere Möglichkeiten die Fahrbahn zu überqueren“, betont VCÖ-Experte Gansterer. So sollen Parkplätze entlang von Straßen in kürzeren Abständen von sicheren Querungsmöglichkeiten unterbrochen werden.

Großen Verbesserungsbedarf gibt es im ländlichen Raum. Viel zu oft gibt es auch im Siedlungsbereich keine Gehwege entlang von Freilandstraßen. Die Folge : Wer zu Fuß geht, muss am Rand von Freilandstraßen gehen, was angesichts des hohen Tempos des Kfz-Verkehrs gefährlich ist, besonders in der dunklen Jahreszeit. Der VCÖ fordert daher, dass es bei Siedlungen sowie als Verbindung von Siedlungen zum nächstgelegen Ort immer auch einen sicheren Gehweg gibt.

 

VCÖ: Jeder 2. Tödlich verunglückte Fußgänger älter als 64 Jahre

(Tödlich verunglückte  Fußgänger, in Klammer Anteil 65 Jahre oder älter)

Jahr 2014: 71 (davon 45,1 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2013: 82 (davon 58,5 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2012: 81 (davon 48,1 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2011: 87 (davon 43,7 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2010: 98 (davon 53,1 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2009: 101 (davon 48,5 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2008: 102 (davon 56,9 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2007: 108 (davon 49,1 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2006: 110 (davon 48,2 Prozent 65 Jahre oder älter)
Jahr 2005: 97 (davon 44,3 Prozent 65 Jahre oder älter)

Summe 2005 – 2014: 937 (davon 49,6 Prozent 65 Jahre oder älter)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

 

VCÖ: Im Vorjahr waren zwei Drittel der  älteren tödlich verunglückten Fußgängerinnen und Fußgänger Frauen

(tödlich verunglückte Fußgängerinnen und Fußgänger 65 Jahre oder älter, in Klammer Anteil Frauen)

Jahr 2014: 32 (Frauenanteil: 65,6 Prozent)
Jahr 2013: 48 (60,4 Prozent)
Jahr 2012: 39 (56, Prozent)
Jahr 2011: 38 (52,6 Prozent)
Jahr 2010: 52 (65,4 Prozent)
Jahr 2009: 49 (46,9 Prozent)
Jahr 2008: 58 (58,6 Prozent)
Jahr 2007: 53 (43,4 Prozent)
Jahr 2006: 53 (54,7 Prozent)
Jahr 2005: 43 (58,1 Prozent)

Summe: 465 (55,9 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

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