VCÖ: In Wien sind Mobilitätsausgaben der Haushalte heute niedriger als im Jahr 2000 – in allen anderen Bundesländern höher

VCÖ (Wien, 23. November 2017) – Die Haushaltsausgaben für Mobilität sind in Österreich mit durchschnittlich rund 5.100 Euro pro Jahr um 720 Euro höher als im Jahr 2000, wie eine VCÖ-Analyse zeigt. Nur in Wien zahlen die Haushalte für ihre Mobilität weniger als im Jahr 2000, nämlich im Schnitt um 680 Euro pro Jahr. Das dichte Öffi-Netz verringert die Mobilitätskosten. Der VCÖ fordert den verstärkten Ausbau des Bahnnetzes in Österreich. Jedes regionale Zentrum soll gut mit dem Öffentlichen Verkehr erreichbar sein. Auch der Ausbau der Radinfrastruktur hilft, die Mobilitätskosten der Haushalte zu senken.

Jeder siebte Euro von Österreichs Haushalten fließt in den Verkehr. Mit durchschnittlich 5.100 Euro geben die Haushalte um 720 Euro mehr für ihre Mobilität aus als im Jahr 2000, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis der Konsumerhebung der Statistik Austria für das Jahr 2015 zeigt. Da auch die Haushaltseinkommen gestiegen sind ist der Anteil der Verkehrsausgaben seither von 15 auf 14,2 Prozent gesunken. Die Haushalte geben für ihre Mobilität um ein Drittel mehr aus als für Essen, dreimal so viel wie für Gesundheit und 13 Mal so viel wie für Bildung, berichtet der VCÖ.

Im Bundesländer-Vergleich haben sich die Mobilitätsausgaben der Haushalte im Vergleich zum Jahr 2000 sehr unterschiedlich entwickelt. In vier Bundesländern ist der Anteil der Verkehrsausgaben höher als im Jahr 2000, nämlich im Burgenland, in Oberösterreich, in der Steiermark und in Salzburg, wie die VCÖ-Analyse zeigt. Den größten Anteil an den Haushaltsausgaben verschlingt der Verkehr im Burgenland mit 16,3 Prozent, den kleinsten in Wien mit 10,6 Prozent.

Wien ist das einzige Bundesland, wo auch in absoluten Zahlen die Mobilitätsausgaben gegenüber dem Jahr 2000 gesunken sind, macht der VCÖ aufmerksam. Die Wiener Haushalte zahlen im Schnitt für ihre Mobilität um rund 680,- Euro weniger als im Jahr 2000. „In Wien haben bereits zwei Drittel der Haushalte eine Öffi-Jahreskarte. Das dichte Netz ermöglicht den Wienerinnen und Wienern einen großen Teil der Alltagswege mit den Öffis zu fahren. Damit sind sie nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch kostengünstiger als mit dem Auto unterwegs“, betont VCÖ-Experte Markus Gansterer.

Der VCÖ spricht sich für verstärkte Maßnahmen aus, um auch in den Regionen die teure Abhängigkeit vom Auto zu reduzieren. Carsharing in Gemeinden und in Wohnhausanlagen kann vielen Haushalten das teure Zweitauto ersparen. Denn ein großer Teil der Kfz-Kosten sind Fixkosten, die unabhängig davon, ob das Auto gefahren wird oder nicht, anfallen. Zudem soll jedes regionale Zentrum gut mit Bahn und Bus erreichbar sein. Derzeit sind zwölf von 124 regionalen Zentren nicht mit der Bahn erreichbar.

Auch der Ausbau der Rad-Infrastruktur trägt dazu bei, dass die Haushalte ihre Mobilitätsausgaben reduzieren können. In den Regionen ist laut Studie des bmvit die Hälfte der Alltagswege kürzer als fünf Kilometer, jeder fünfte kürzer als ein Kilometer. „Wenn die einzige Verbindung zwischen einer Siedlung und dem nächstgelegenen Ort eine Freilandstraße ist, wo Lkw und Pkw mit 80 oder mehr km/h fahren, führt das dazu dass auch kurze Strecken mit dem Auto und nicht mit dem Rad gefahren werden“, spricht sich VCÖ-Experte Gansterer für einen starken Ausbau der Radinfrastruktur aus. In den Regionen sind vier von zehn Autofahrten kürzer als fünf Kilometer.

„Wer Haushalte bei den Mobilitätsausgaben spürbar entlasten möchte, baut das öffentliche Verkehrsangebot deutlich aus. Diese Maßnahme hilft den Haushalten deutlich mehr, als die Förderung des Autofahrens“, fasst VCÖ-Experte Gansterer die Analyse zusammen. Die Verbesserung des umweltfreundlichen Verkehrsangebots ist nicht nur für das Erreichen des UN-Klimaziels nötig, sondern reduziert auch die Mobilitätskoten für die Haushalte, betont der VCÖ.

VCÖ: Nur in Wien sind Haushaltsausgaben für Mobilität niedriger als im Jahr 2000
(Durchschnittliche Haushaltsausgaben für Mobilität im Jahr 2015 – in Klammer Veränderung zu 2000 )
Österreich: 5.100,- Euro (plus 720,- Euro)
Niederösterreich: 6.200,- Euro (plus 1.420,- Euro)
Oberösterreich: 5.800,- Euro (plus 1.160,- Euro)
Tirol: 5.660,- Euro (plus 1.580,- Euro)
Vorarlberg: 5.520,- Euro (plus 70,- Euro)
Burgenland: 5.480,- Euro (plus 1.100,- Euro)
Steiermark: 5.300,- Euro (plus 835,- Euro)
Salzburg: 5.080,- Euro (plus 1.190,- Euro)
Kärnten: 4.880,- Euro (plus 970,- Euro)
Wien: 3.380,- Euro (minus 680,- Euro)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2017 

VCÖ: In vier Bundesländern ist Anteil der Verkehrsausgaben gestiegen
(Anteil Haushaltsausgaben für Verkehr im Jahr 2015 – in Klammer Anteil im Jahr 2000)
Österreich: 14,2 Prozent (15,0 Prozent)
Burgenland: 16,3 Prozent (15,6 Prozent)
Niederösterreich: 15,8 Prozent (16,5 Prozent)
Oberösterreich: 15,4 Prozent (15,2 Prozent)
Tirol: 15,3 Prozent (15,8 Prozent)
Steiermark: 15,2 Prozent (14,9 Prozent)
Vorarlberg: 14,4 Prozent (17,4 Prozent)
Kärnten: 13,8 Prozent (14,7 Prozent)
Salzburg: 13,4 Prozent (12,9 Prozent)
Wien: 10,6 Prozent (13,8 Prozent)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2017

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