VCÖ: In Wien schon jetzt mehr Feinstaub-Überschreitungen als im gesamten Vorjahr

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VCÖ (Wien, 2. Februar 2017) – An 13 Tagen wurde heuer bei den Messstellen Taborstraße und Liesing der Feinstaub-Tagesgrenzwert überschritten. Damit gibt es bereits jetzt Anfang Februar mehr Feinstaub-Überschreitungen als im gesamten Vorjahr, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Zudem ist bei der Westeinfahrt Hietzinger Kai die gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid-Belastung sehr hoch. Der VCÖ fordert unter anderem mehr Bahnverbindungen vom Umland nach Wien, um die Zahl der Autofahrten zu verringern. 

Das Jahr 2017 ist bisher durch Kälte und schlechte Luftqualität geprägt. Nach 32 Tagen gibt es in Wien bereits mehr Feinstaub-Überschreitungen als im gesamten Vorjahr, macht der VCÖ aufmerksam. Die häufigsten Überschreitungen gab es bei den Messstellen Taborstraße und Liesing mit jeweils 13 Tagen, im gesamten Vorjahr waren es nur acht bzw. neun Tage. Jeweils zwölf Überschreitungen weisen die Messstellen Kendlerstraße, Kaiser-Ebersdorf, Gaudenzdorf und Belgradplatz auf. Österreichweit hat Graz mit 21 Überschreitungen die höchste Feinstaub-Belastung.

„Im Vorjahr waren die Wetterbedingungen für die Luftqualität günstig, heuer sind sie ungünstig. Aber nicht das Wetter produziert den Feinstaub, sondern die Bereiche Heizen, Industrie und Verkehr. Und der Kfz-Verkehr trägt gleich dreifach zur Feinstaubbelastung bei: Durch die Abgase, durch den Abrieb von Reifen und Bremsen und durch die Aufwirbelung beim Fahren“, erklärt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. In der Luft gibt es keine Grenzen. Damit gelangt Feinstaub nicht nur aus Wien in andere Regionen, sondern werden Schadstoffe auch aus anderen Ländern nach Wien verfrachtet.

Jedoch sind für die Gesundheit vor allem Kleinstpartikel gefährlich. Grobkörniger Feinstaub bleibt in den oberen Atemwegen „hängen“, die Kleinstpartikel – so genannter Ultra-Feinstaub – gelangen bis in die Lungenbläschen und den Blutkreislauf und können zu schweren Lungenschäden sowie Herzerkrankungen führen. Und bei den gefährlichen Kleinstpartikel spielen die lokalen Verursacher die Hauptrolle.

Der VCÖ hat vor zwei Jahren mit einem internationalen Luftgüte-Experten Messungen durchgeführt. An verkehrsfernen Orten (beispielsweise im Park Schönbrunn) wurden rund 4.000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft  gemessen. Am stark befahrenen Gürtel war die Belastung mit rund 114.000 Partikeln fast 30 Mal so hoch. Die höchste Belastung wurde im Autoinneren gemessen, nämlich 230.000 Partikel am Grünen Berg. „Bei starkem Verkehr befinden sich Auto-Insassen in einer Abgaswolke. Jede Verringerung der Partikelanzahl ist positiv für die Gesundheit, etwa indem wenn es möglich ist Autofahrten vermieden werden“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Zudem ist die Stickstoffdioxid-Belastung teilweise sehr hoch. Hauptverursacher der Stickoxide sind Dieselfahrzeuge. Bei der Westeinfahrt beim Hietzinger Kai wurde im Jänner ein Durchschnittswert von 52 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft gemessen, im Jänner des Vorjahres betrug der Wert 49, macht der VCÖ aufmerksam. Stickstoffdioxid kann zu Atemwegserkrankungen sowie Lungenschäden führen. „Für die Gesundheit der Wienerinnen und Wiener, die entlang der Stadteinfahrten wohnen, ist es wichtig, dass der Autoverkehr vom Umland nach Wien deutlich verringert wird“, so VCÖ-Expertin Rasmussen.

Verschärft wird das Problem dadurch, dass moderne Diesel-Pkw im Schnitt sechs Mal so viele Stickoxide beim Fahren ausstoßen wie im Labor ermittelt wird. Durch den Dieselskandal wurde bekannt, dass Abgasreinigungen bei niedrigen Temperaturen automatisch abgeschaltet werden. Bei einigen Modellen passiert das bereits bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius. Das bedeutet, dass während der gesamten Wintermonate viel größere Schadstoffmengen ausgestoßen werden.

Der VCÖ spricht sich neben der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung für den raschen Ausbau des S-Bahnnetzes aus, die Zahl der S-Bahnverbindungen vom Umland nach Wien ist zu erhöhen. Auf der Badener Bahn kann die Kapazität erhöht werden, indem immer mit Doppelgarnitur gefahren wird. Internationale Beispiele zeigen zudem, dass mit Radschnellwegen aus dem Umland in die Städte die Zahl der Autofahrten verringert werden können.

Handlungsbedarf gibt es zudem beim Lieferverkehr und bei der infolge des Online-Handels zunehmenden Zustelldiensten. „Viele Klein-Transporter sind regelrechte Schadstoffbomber. Hier braucht es Vorgaben für die schrittweise Umstellung der Transporter auf E-Fahrzeuge sowie umfassende Änderungen in der Logistik“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Durch dezentrale Logistik-Hubs ist es verstärkt möglich, die Feinverteilung der Waren über kleinere E-Fahrzeuge und Cargo-Bikes zu erledigen.

VCÖ: In Wien schon mehr Feinstaub-Überschreitungen als im gesamten Vorjahr (Anzahl Überschreitungen von Tagesgrenzwert PM10 (50 Mikrogramm / Kubikmeter Luft), Jahresgrenzwert 25 Tage)

Taborstraße: 13 Tage (8 Tage)

Liesing: 13 Tage (9 Tage)

Belgradplatz: 12 Tage (6 Tage)

Gaudenzdorf: 12 Tage (11 Tage)

Kaiser-Ebersdorf: 12 Tage (12 Tage)

Kendlerstraße: 12 Tage (8 Tage)

AKH: 11 Tage (6 Tage)

Floridsdorf: 11 Tage (5 Tage)

Laaer Berg: 11 Tage (10 Tage)

Schafberg: 11 Tage (5 Tage)

Wehlistraße A23: 10 Tage (9 Tage)

Lobau: 9 Tage (1 Tag)

Stadlau: 8 Tage (6 Tage)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2017

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