VCÖ: In Wien ist jedes 13. Unfallopfer ein Kind

VCÖ (Wien, 16. Mai 2014) – In den vergangenen zwei Tagen wurden in Wien zwei Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass in den vergangenen fünf Jahren jedes 13. Unfallopfer in Wien ein Kind war. Mehr als 2.400 Kinder wurden bei Verkehrsunfällen verletzt, sechs Kinder kamen ums Leben. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem in Wien. So soll es in der Umgebung von Schulen und auch Freizeiteinrichtungen vermehrt verkehrsberuhigte Zonen geben. Auch sind Kreuzungen kindgerecht zu gestalten. Der VCÖ weist darauf hin, dass es mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr braucht. Die Benützung von Handys während des Lenkens eines Fahrzeugs ist ein zunehmendes Problem.

Diese Unfallbilanz ist sehr traurig: Zehn Kinder verloren in den vergangenen fünf Jahren bei Verkehrsunfällen in Wien ihr Leben, weitere 2.417 Kinder wurden verletzt. Die VCÖ-Analyse zeigt, dass etwa jeder sechste Kinderunfall am Schulweg passiert - fünf Sechstel der Kinderunfälle passieren in der Freizeit. Insgesamt war seit dem Jahr 2009 jedes 13. Verkehrsunfallopfer in Wien ein Kind, berichtet der VCÖ. „Im Schnitt wurden in den vergangen fünf Jahren jede Woche neun Kinder bei einem Verkehrsunfall verletzt“, verdeutlicht VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek.

Etwa jedes dritte Kind wird als Pkw-Insasse verletzt. Der VCÖ appelliert in diesem Zusammenhang, noch aufmerksamer und konzentrierter zu fahren, wenn ein Kind mitfährt. Tempolimits einhalten, das Motto „don’t drink and drive“ beherzigen und Hände weg vom Handy: Wer beim Lenken eines Fahrzeugs mit dem Handy telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille, verdeutlicht der VCÖ.

Etwa jedes zweite Kind wird als Fußgänger Opfer eines Verkehrsunfalls. „Bewegungsmangel ist ein zunehmendes Problem bei Kindern. Deshalb ist es umso wichtiger, dass es in der Stadt für Kinder sichere Bedingungen zum zu Fuß gehen gibt. So kann der Schulweg für die tägliche Portion Bewegung genutzt werden“, fordert VCÖ-Expertin Urbanek verstärkte Maßnahmen, damit Kinder sicher zu Fuß unterwegs sein können.

So sind Kreuzungen kindgerecht zu gestalten. Dabei ist wichtig, dass einerseits Kinder den herannahenden Verkehr sehen können und, dass sie vor allem auch gut gesehen werden. „Immer wieder gibt es Schutzwege, wo die Sicht auf Kinder durch parkende Autos verstellt werden. Ein Problem in diesem Zusammenhang ist auch die wachsende Zahl von höheren Fahrzeugen, wie Geländewagen oder Lieferwagen. Wenn die Sicht auf die Kinder eingeschränkt wird, muss das Halte- und Parkverbot vor Übergangen ausgeweitet werden“, stellt VCÖ-Expertin Urbanek fest.

Wichtig sind auch mehr verkehrsberuhigte Zonen, vor allem im Umfeld von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und Parks. „Zu einer kinderfreundlichen Stadt gehört auch, dass auf die Bedürfnisse von Kindern vom Verkehrssystem Rücksicht genommen wird. Von Maßnahmen, die zu einem kindgerechten Verkehrssystem führen, profitieren auch die älteren Menschen, die als Fußgänger ebenfalls häufig Opfer von Verkehrsunfällen sind“, so VCÖ-Expertin Urbanek.

Ein zunehmendes Problem ist auch die mangelnde Aufmerksamkeit. Viel zu häufig ist zu sehen, dass Fahrzeuglenker mit dem Handy am Ohr telefonieren. Mit den Smartphones nimmt auch die Zahl jener zu, die während des Lenkens eines Fahrzeugs im Internet surfen oder E-Mails schreiben. „Es braucht verstärkte Kontrollen und mehr Bewusstseinsarbeit“, betont VCÖ-Expertin Urbanek.

Der VCÖ sucht heuer im Rahmen des VCÖ-Mobilitätspreis auch Projekte, die es Kindern ermöglichen sicher und umweltfreundlich unterwegs zu sein, etwa zur Schule, aber auch um beliebte Ziele in der Freizeit sicher erreichen zu können, wie etwa den Sportplatz oder im Sommer das Schwimmbad. „Wir wollen mit dem VCÖ-Mobilitätspreis vorbildhafte Projekte vor den Vorhang holen und bekannt machen. Auch im Mobilitätsbereich heißt die Devise, voneinander lernen“, ruft VCÖ-Expertin Urbanek zur Teilnahme am VCÖ-Mobilitätspreis auf. Informationen gibt es unter www.vcoe.at oder beim VCÖ unter (01) 8932697. Die besten Projekte werden im Herbst vom VCÖ und Vizebürgermeisterin Renate Brauner ausgezeichnet.

 

VCÖ: In den vergangenen 5 Jahren wurden in Wien jede Woche 9 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt
(bei Verkehrsunfällen verletzte Kinder, in Klammer tödlich verunglückt)

Jahr 2013: 509 verletzte Kinder (drei Todesopfer)
Jahr 2012: 502 verletzte Kinder (ein Todesopfer)
Jahr 2011: 515 verletzte Kinder (kein Todesopfer)
Jahr 2010: 440 verletzte Kinder (ein Todesopfer)
Jahr 2009: 451 verletzte Kinder (ein Todesopfer)
Summe: 2.417 verletzte Kinder (sechs Todesopfer)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2014

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