VCÖ: In Österreich wurden im Vorjahr viermal so viele Handy-Sünder wie Alko-Lenker erwischt - fast jeder vierte in Wien

VCÖ: Durch Handy am Steuer so schlechte Reaktion wie mit 0,8 Promille

VCÖ (Wien, 26. Juni 2017) – In Österreich wurden im Vorjahr mehr als 105.000 Lenker beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt und damit viermal so viele wie Alko-Lenker, informiert der VCÖ. Handy-Telefonieren am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille, macht der VCÖ aufmerksam. Der VCÖ spricht sich für die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem sowie für verstärkte Kontrollen aus.

Allein im Vorjahr wurden in Österreich laut Innenministerium 105.859 Vergehen gegen das Handy-Verbot geahndet, das sind viermal so viele wie Alko-Lenker (27.896) erwischt wurden. Im Schnitt wurde damit in Österreich alle fünf Minuten ein Handy-Sünder ertappt, verdeutlicht der VCÖ. Laut Erhebung des KfV führen Österreichs Autofahrer täglich rund 900.000 Telefonate ohne Freisprecheinrichtung. Das heißt, nur eines von 3.000 Handy-Vergehen wird auch geahndet.

„Viele meinen, Handy-Telefonieren beim Autolenken wäre ein Kavaliersdelikt. Dem ist aber nicht so. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert reagiert so schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille“, verdeutlicht VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Telefonieren am Steuer verlängert die Reaktionszeit durchschnittlich um 0,5 Sekunden, das Schreiben von SMS oder Bedienen von Navigationsgeräten um etwa zwei Sekunden. Dieser Blindflug führt zu einem massiv verlängerten Anhalteweg, was im Ortsgebiet für Fußgänger, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, fatal sein kann. Neben „Don’t drink and drive“ ist auch die Devise „Don’t phone and drive“ zu beherzigen, betont der VCÖ.

Die derzeitige Strafe von 50 Euro wird den möglichen Folgen nicht gerecht. "Gerade im Ortsgebiet, wo Kinder unterwegs sind, ist die volle Aufmerksamkeit und Konzentration auf den Straßenverkehr wichtig", betont VCÖ-Sprecher Gratzer. Der VCÖ tritt für die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem ein, so wie das bereits in zwölf EU-Staaten der Fall ist.

Die meisten Handy-Vergehen wurden im Vorjahr in Wien geahndet, nämlich 23.049. Knapp dahinter folgt Niederösterreich mit 22.847 geahndeten Handy-Vergehen, das waren doppelt so viele wie in Oberösterreich (11.331). In der Steiermark wurden 17.908 Handy-Sünder erwischt, in Tirol 9.172 und in Kärnten 8.633. Während in Wien rund sechsmal so viele Handy-Sünder wie Alko-Lenker erwischt wurden, waren es im Burgenland dreimal so viele (2.736 Handy-Vergehen und 903 Alko-Lenker).

Früher musste der Handy-Sünder von der Exekutive angehalten und in flagranti erwischt werden. Seit Jahresanfang können auch Bilder aus der Verkehrsüberwachung, wie Radarbilder, für die Ahndung von Handy am Steuer verwendet werden.

VCÖ: Mehr als 900.000 Lenker beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt (Anzahl Strafen in Österreich wegen Handy am Steuer)

Jahr 2016: 105.859 Vergehen gegen Handy-Verbot am Steuer

Jahr 2015: 109.028

Jahr 2014: 130.621

Jahr 2013: 137.554

Jahr 2012: 148.594

Jahr 2011: 149.081

Jahr 2010: 128.221

Summe: 908.958

Quelle: BMI, VCÖ 2017

VCÖ: Fast die Hälfte der Handy-Vergehen wurden in Wien und Niederösterreich geahndet (Anzahl Strafen wegen Handy am Steuer im Jahr 2016, in Klammer Jahr 2015)

Wien: 23.049 (24.281)

Niederösterreich: 22.847 (21.130)

Steiermark: 17.908 (20.215)

Oberösterreich: 11.331 (12.133)

Tirol: 9.172 (8.716)

Kärnten: 8.633 (9.329)

Salzburg: 5.654 (6.679)

Vorarlberg: 4.259 (4.004)

Burgenland: 2.736 (2.541)

Österreich: 105.859 (109.028)

Quelle: BMI, VCÖ 2017

Zurück zur Übersicht