VCÖ: In Österreich über 700.000 neuere Diesel-Pkw laut europäischer Studie auf der Straße besonders „schmutzig“

VCÖ (Wien, 19. September 2016) – Der VW-Skandal ist nur die Spitze des Eisbergs. Zahlreiche Diesel-Modelle anderer Hersteller emittieren auf der Straße sogar mehr Schadstoffe als die manipulierten VW-Modelle, wie eine heute veröffentlichte Studie von T&E, dem europäischen Dachverband des VCÖ, zeigt. In Österreich weisen demnach mehr als 700.000 neu zugelassene Diesel-Pkw der Abgasklassen EURO 5 und EURO 6 beim Fahren besonders hohe Schadstoff-Emissionen auf. Der VCÖ fordert ein „cleaning up“ für diese Fahrzeuge und eine umfassende Reform der Kfz-Zulassung in der EU.

Vor einem Jahr wurde der VW-Abgasskandal aufgedeckt. VW hat in der Folge zugegeben, dass bei 11 Millionen Diesel-Fahrzeugen weltweit der Motor manipuliert wurde. Eine illegale Software garantierte die Einhaltung der NOx-Grenzwerte bei den Tests im Labor, während der Motor beim Fahren auf der Straße ein Vielfaches an Schadstoffen emittierte. Doch VW ist nur die Spitze des Eisbergs. Viele Diesel-Modelle anderer Hersteller verschmutzen die Luft sogar noch stärker, weist der VCÖ auf die Ergebnisse der heute veröffentlichten Studie hin.

82 Prozent der Diesel-Pkw, die im Labor die EURO5-Abgaswerte eingehalten haben und zwischen 2010 und 2014 in der EU verkauft wurden, verursachen auf der Straße mehr als drei Mal so hohe NOx-Emissionen als der EURO5-Grenzwert vorschreibt. Und zwei Drittel der Diesel-Pkw der aktuellen Abgasklasse EURO6 überschreiten die Werte ebenfalls um mehr als das Dreifache. In Summe sind in der EU rund 29 Millionen dieser besonders „schmutzigen“ Diesel-Pkw unterwegs. Die Ursache für die zu hohen Stickoxid-Emissionen: Die Abschaltung der Abgasreinigung. Es gibt Diesel-Modelle, bei denen die Abgasreinigung bei Temperaturen unter 17 Grad Celsius nicht funktioniert. Besonders dreist: Das deutsche KBA hat bei einem Modell registriert, dass die Abgasreinigung  nach 22 Minuten abschaltet – der Labortest dauert 20 Minuten. „Diese Manipulationen auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung können nicht anders als skandalös bezeichnet werden. Es gibt aber auch ein massives Kontrollversagen der Behörden und der Politik“, betont VCÖ-Expertin Ulla  Rasmussen.

Auch Österreich ist betroffen: Laut Studie von Transport & Environment  überschreiten 737.000 Diesel-Fahrzeuge der Abgasklasse EURO5 und EURO6 beim Fahren auf der Straße die im Labor eingehaltenen Schadstoffgrenzwerte um ein Vielfaches. Betroffen sind demnach 628.000 Diesel-Fahrzeuge der Abgasklasse EURO 5 und 109.000 der Abgasklasse EURO6. „Wenn zu viele Schadstoffe bei den Auspuffen rauskommen, dann gelangen zu viele giftige Abgase in unsere Lungen“, fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen umfassende politische Konsequenzen.

Stickoxide und hier vor allem Stickstoffdioxid (NO2) sind sehr gesundheitsschädlich. Besonders schädlich ist NO2 für Kinder, weil sie sich im Wachstum befinden, für ältere Menschen sowie Personen mit Atemwegserkrankungen. Lungenschäden, Asthma, Bronchitis und sogar vorzeitige Todesfälle können die Folge sein. Laut Europäischer Umweltagentur verursachen die Stickoxide in der EU 72.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr! Hauptverursacher der Stickoxide sind Dieselfahrzeuge.

Der VCÖ fordert, dass es nicht nur bei VW-Modellen mit manipulierten Motoren einen Rückruf und ein „Cleaning Up“ gibt. Alle Modelle, die aufgrund von Abschalteinrichtungen viel zu hohe Schadstoffwerte beim Fahren auf der Straße aufweisen, sollten von den Herstellern zurückgerufen und einem kostenlosen Cleaning-Up unterzogen werden. "Die Abgasgrenzwerte wurden nicht eingeführt, um die Luftqualität in den Labors zu verbessern. Die Politik hat dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung vor der Luftverschmutzung durch die Abgase des Kfz-Verkehrs besser geschützt wird", betont VCÖ-Expertin Rasmussen.  Nötig sind auch strengere Testverfahren, bessere Kontrollen und eine unabhängige Zulassungsbehörde auf EU-Ebene. Der "Typisierungstourismus" (Hersteller suchen sich eine Behörde aus, die möglichst mild kontrolliert) soll in Zukunft nicht mehr möglich sein.  Zudem sind gleiche Grenzwerte für Diesel- und Benzin-Pkw einzuführen und auf Österreich-Ebene alle Bevorzugungen von Diesel gegenüber Benzin-Pkw abzuschaffen. Der VCÖ weist darauf hin, dass aufgrund der zu hohen Schadstoffemissionen der Dieselfahrzeuge auf der Straße Bundesländer und Städte Maßnahmen für die Verbesserung der Luftqualität ergreifen mussten und müssen, wie etwa niedrigere Tempolimits oder die Einführung von Umweltzonen.

Die T&E Studie ist hier erhältlich 

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