VCÖ: In Österreich nimmt Zahl der über 75-Jährigen bis 2030 um die Hälfte zu – Verkehrssystem altengerecht gestalten

Unsere Gesellschaft wird älter. Im Jahr 2030 werden in Österreich um 51 Prozent mehr Personen leben, die 75 Jahre oder älter sind, macht der VCÖ aufmerksam. Das Verkehrssystem nimmt aber derzeit auf die Bedürfnisse älterer Menschen wenig Rücksicht. Das Tempo des Kfz-Verkehrs ist häufig zu hoch, die Bedingungen zum Gehen sind deutlich zu verbessern und das öffentliche Verkehrsnetz muss dichter werden. Der VCÖ fordert ein besseres Mobilitätsangebot für ältere Menschen in Österreich. 

Rund 682.000 Menschen in Österreich sind 75 Jahre oder älter. Der VCÖ weist darauf hin dass bis zum Jahr 2030 laut Bevölkerungsprognose der Statistik Austria die Anzahl um 45 Prozent auf knapp mehr als eine Million steigen wird. Auch die Zahl der jungen Senioren nimmt zu. Während heute rund 18 Prozent von Österreichs Bevölkerung 65 Jahre oder älter ist, wird der Anteil der Seniorinnen und Senioren bis zum Jahr 2030 auf 24 Prozent zunehmen. „Unser Verkehrssystem ist auf diesen demografischen Wandel noch viel zu wenig vorbereitet. Die speziellen Anforderungen älterer Menschen werden meist nicht berücksichtigt“, fordert VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek rasche Maßnahmen für ein altengerechtes Verkehrssystem.

Die VCÖ-Analyse zeigt, dass die Zahl der Über-74-Jährigen bis 2030 in Vorarlberg (plus 69 Prozent) und in Salzburg (plus 68 Prozent) am stärksten steigen wird. Am geringsten wird die Zunahme in der Steiermark sein (plus 41 Prozent). Den höchsten Anteil von Senioren (65 Jahre  oder älter) wird im Jahr 2030 Kärnten mit 29 Prozent aufweisen, gefolgt vom Burgenland mit 28 Prozent. Das "jüngste" Bundesland wird im Jahr 2030 Wien sein, wo nur 20 Prozent der Bevölkerung 64 Jahre oder älter sein wird. 
Der VCÖ weist darauf hin, dass sich das Mobilitätsverhalten im Alter stark ändert. Die Bedeutung des Autos nimmt für die Mobilität im Alter stark ab, der Öffentliche Verkehr wird wichtiger. Deshalb setzt sich der VCÖ für ein dichtes Öffentliches Verkehrsnetz mit ausreichend Verbindungen ein. „Für ältere Menschen gehen die Folgen fehlender öffentlicher Verkehrsangebote weit über das Problem, Alltagsziele nicht erreichen zu können, hinaus. Für ältere Menschen führt Mobilitätsarmut zu mangelnden sozialen Kontakten und zur Vereinsamung“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Urbanek.

Der VCÖ schlägt vor, den Ausbau eines altengerechten öffentlichen Verkehrs sowie für eine fußgängerfreundliche Verkehrsgestaltung mit den Einnahmen aus Verkehrsstrafen zu finanzieren. „Es geht hier auch um Verkehrssicherheit. Denn ältere Menschen sind die größte Opfergruppe bei tödlichen Fußgängerunfällen“, so VCÖ-Expertin Urbanek.

Ältere Menschen legen den Großteil ihrer Alltagswege zu Fuß zurück. Dank Elektro-Fahrrädern können ältere Menschen auch länger Radfahren. Den Großteil der Alltagswege legen ältere Menschen in ihrem Wohnort zurück. „Umso wichtiger sind Maßnahmen im Ortsgebiet. Heute ist hier vielerorts das Tempo des Autoverkehrs zu hoch. Es braucht ausreichend breite Gehwege, die auch mit einem Rollator gut begehbar sind. Wichtig sind auch mehr Abkürzungen für Fußgänger, denn Umwege sind für ältere Menschen besonders beschwerlich“, erklärt VCÖ-Expertin Urbanek. Der VCÖ fordert nach dem Vorbild der Stadt Graz im Ortsgebiet Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit und Tempo 50 als Ausnahme dort, wo es aus Sicht der Verkehrssicherheit vertretbar ist. 
Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer, (01) 8932697, (0699)18932695

VCÖ: In Vorarlberg nimmt Zahl der älteren Senioren bis 2030 am stärksten zu (Menschen, die 75 Jahre oder älter sind, in Klammer Zunahme seit 2012)


Österreich: 1.028.000 (plus 45 Prozent) 
Vorarlberg: 44.000 (plus 69 Prozent)Salzburg: 66.000 (plus 68 Prozent)Tirol: 85.000 (plus 62 Prozent)
Niederösterreich: 210.000 (plus 51 Prozent)Wien: 186.000 (plus 51 Prozent)Burgenland: 40.000 (plus 51 Prozent)
Oberösterreich: 170.000 (plus 48 Prozent)Kärnten: 74.000 (plus 45 Prozent)Steiermark: 153.000 (plus 41 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

VCÖ: Anteil der Senioren wird im Jahr 2030 in Kärnten am höchsten sein(Anteil Über 64-Jährige im Jahr 2030, in Klammer Anteil im Jahr 2012)

Österreich: 24 Prozent (18 Prozent)
Kärnten: 29 Prozent (20 Prozent)Burgenland: 28 Prozent (20 Prozent)Steiermark: 26 Prozent (19 Prozent)
Niederösterreich: 25 Prozent (19 Prozent)Salzburg: 25 Prozent (17 Prozent)Oberösterreich: 25 Prozent (17 Prozent) 
Tirol: 24 Prozent (17 Prozent)Vorarlberg: 23 Prozent (16 Prozent) Wien: 20 Prozent (17 Prozent) 

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

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