VCÖ: In Österreich in den ersten drei Quartalen um 20 Prozent weniger Verkehrstote

VCÖ: Höhere Strafen für Raser, Handy am Steuer soll ins Vormerksystem

VCÖ (Wien, 1. Oktober 2020) – In Österreich ging die Zahl der Verkehrstoten in den ersten drei Quartalen um 20 Prozent zurück, macht der VCÖ aufmerksam. Aber 257 Todesopfer sind Mahnung, weitere Maßnahmen zu setzen, vor allem gegen die Hauptunfallursachen zu hohes Tempo und Ablenkung. Sehr wichtig sind auch präventive Maßnahmen, betont der VCÖ. Das Öffentliche Verkehrsnetz ist auszubauen, im Ortsgebiet erhöht eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung die Verkehrssicherheit.

In den ersten neun Monaten kamen in Österreich nach vorläufigen Daten 257 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, um 66 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, berichtet der VCÖ. Im Vorjahr kamen in den ersten neun Monaten 323 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, am Jahresende waren 416 Todesopfer zu beklagen.

„Österreich wird heuer zwar die niedrigste Anzahl an Verkehrstoten seit Bestehen der Unfallstatistik aufweisen, aber das Verkehrssicherheitsziel droht deutlich verfehlt zu werden. Und das, obwohl durch den Lockdown im Frühjahr einige Wochen lang der Verkehr und die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle deutlich zurückgegangen sind“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Wenn in den kommenden drei Monaten die Opferzahl ähnlich hoch sein sollte wie in den vergangenen Jahren, dann droht Österreich das Verkehrssicherheitziel – weninger als 312 Verkehrstote – deutlich zu verfehlen.

Der VCÖ fordert daher die rasche Umsetzung zusätzlicher Verkehrssicherheitsmaßnahmen, wie beispielsweise höhere Strafen für Raser.

Österreichweit wurde im Vorjahr 7.198 Personen der Führerschein wegen Raserei abgenommen. Bei rund 5,7 Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer sind das 0,12 Prozent, verdeutlicht der VCÖ. „Eine kleine Minderheit gefährdet durch ihr verantwortungsloses Verhalten alle anderen Verkehrsteilnehmer. Die Bevölkerung ist vor diesen Risikolenkern besser zu schützen“, tritt VCÖ-Sprecher Gratzer für die rasche Umsetzung des zuletzt von Verkehrsministerin Leonore Gewessler präsentierten Maßnahmenpakets ein.

So soll in Zukunft der Führerschein früher und für eine längere Zeit abgenommen werden, die Mindeststrafe soll erhöht und Raserei ins Vormerksystem aufgenommen werden.

Ebenfalls ins Vormerksystem soll Handy am Steuer kommen. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert reagiert so schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille, verdeutlicht der VCÖ. Die aktuelle Strafe – 50 Euro bei Organmandat – steht in keinem Verhältnis zur Gefahr, die von Handy am Steuer ausgeht.

Wichtig sind auch präventive Maßnahmen, wie der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes, häufigere Bahn- und Busverbindungen, sichere Radwege zwischen Siedlungen und dem nächsten Ortsgebiet sowie eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung in den Gemeinden und Städten. „Jeder Verkehrstote ist einer zuviel. Die einzig akzeptable Anzahl an tödlichen Verkehrsunfällen ist null. Und diesem Ziel gilt es so nahe wie möglich zu kommen“, betont VCÖ-Sprecher Gratzer.

Im Bundesländervergleich gab es in Niederösterreich mit 64 die meisten Verkehrstoten zu beklagen, im bevölkerungsreichsten Bundesland Wien war die Zahl der Todesopfer mit neun am niedrigsten. "In Großstädten ist die Verkehrssicherheit grundsätzlich höher. Dass die Wiener Bevölkerung rund drei Viertel der Alltagswege mit Öffis, zu Fuß und Fahrrad zurücklegt ist nicht nur umweltfreundlich, sondern erhöht auch die Verkehrssicherheit", erklärt VCÖ-Sprecher Gratzer.

VCÖ: Heuer deutlich weniger Verkehrstote in Österreich (Anzahl Verkehrstote in Österreich in den ersten drei Quartalen)

1.1. bis 30.9. 2020: 257 Verkehrstote  (vorläufige Daten)

1.1. bis 30.9. 2019: 323 Verkehrstote  (endgültige Daten)

1.1. bis 30.9. 2018: 317 Verkehrstote

1.1. bis 30.9. 2017: 317 Verkehrstote

1.1. bis 30.9. 2016: 334 Verkehrstote

1.1. bis 30.9. 2015: 375 Verkehrstote

1.1. bis 30.9. 2014: 348 Verkehrstote

Quelle: BMI, VCÖ 2020

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