VCÖ: In Österreich hat seit 2005 die Zahl der Autos um 740.000 zugenommen

VCÖ: Carsharing-Gesetz nach deutschem Vorbild umsetzen

VCÖ (Wien, 17. November 2017) – Bereits 4,9 Millionen Pkw gibt es in Österreich, macht der VCÖ aufmerksam. Aneinandergereiht ergeben die Autos stehend eine rund 24.400 Kilometer lange Autokolonne. Der VCÖ weist darauf hin, dass seit dem Jahr 2005 die Autoflotte in Österreich um rund 740.000 zugenommen hat. Der VCÖ sieht ein großes Potenzial für Carsharing und spricht sich für ein Carsharing-Gesetz nach deutschem Vorbild aus.

Die Anzahl der Autos hat in Österreich seit dem Jahr 2005 um rund 40 Prozent stärker zugenommen als die Bevölkerung, macht der VCÖ aufmerksam. Nur in Wien und Innsbruck ist seit dem Jahr 2005 die Einwohnerzahl stärker gestiegen als die Zahl der Pkw. Bereits 4,9 Millionen Pkw sind mit österreichischem Kennzeichen unterwegs, um rund 740.000 mehr als noch im Jahr 2005. Nebeneinander geparkt benötigen Österreichs Autos eine Fläche von rund 9.800 Fußballfeldern, verdeutlicht der VCÖ. Aneinandergereiht ergeben sie eine rund 24.400 Kilometer lange Kolonne, das entspricht fast der Distanz von Wien nach Perth in Australien und wieder retour.

Während in den vergangenen Jahren auch infolge des SUV-Booms die Autoflotte zunehmend schwerer und breiter wurde, ist die Zahl der Autoinsassen gesunken, macht der VCÖ aufmerksam. Im Jahr 1990 saßen in 100 Pkw immerhin noch 140 Personen, sind es heute nur mehr 115 Personen. Zudem sind Österreichs Autos im Schnitt nur rund eine Stunde pro Tag im Einsatz, 23 Stunden stehen sie auf einem Parkplatz. „Das Potenzial für Carsharing ist in Österreich sehr groß, vor allem auch in den Regionen. Am Land kann Carsharing das teure Zweitauto ersetzen“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

Der VCÖ fordert von der künftigen Regierung ein Carsharing-Gesetz nach deutschem Vorbild. Darin wird eine bundesweit einheitliche Grundlage geschaffen, damit reservierte Stellplätze im öffentlichen Straßenraum für Carsharing eingerichtet werden können. Das deutsche Carsharing-Gesetz sieht zudem die Möglichkeit vor, Ermäßigungen oder Befreiungen von Parkgebühren für Carsharing-Fahrzeuge zu gewähren. "In Österreich liegt der rechtliche Bedarf an einem Carsharing-Gesetz darin, dass Regelungen in der Straßenverkehrsordnung zu treffen sind, aber zum Beispiel auch im Wohnrecht, damit Carsharing leichter in Wohnanlagen angeboten werden kann", erklärt VCÖ-Experte Gansterer.

In den Regionen nehmen Carsharing-Angebote zu. In Niederösterreich wird bereits in mehr als 70 Gemeinden (nicht kommerzielles) E-Carsharing angeboten. Im steirischen Vulkanland in der Südoststeiermark arbeiten 23 Gemeinden und 16 Unternehmen zusammen und stellen ihrer Bevölkerung und Betrieben 41 E-Pkw und 16 E-Nutzfahrzeuge zur Verfügung. Auch Wohnhausanlagen sind für Carsharing-Angebote sehr gut geeignet. "Elektro-Antrieb, Sharing und Vernetzung werden die Eckpfeiler der Automobilität der Zukunft sein", weist VCÖ-Experte Gansterer auf die zukünftigen Entwicklungen hin.

Um die Klimaziele zu erreichen, braucht es zudem ein deutlich dichteres Öffentliches Verkehrsnetz und den starken Ausbau der Rad-Infrastruktur, betont der VCÖ. Immerhin 40 Prozent der Autofahrten in Österreich sind kürzer als 5 Kilometer. Großen Handlungsbedarf sieht der VCÖ bei der Raumordnung. Durch die Stärkung der Ortskerne und der Nahversorgung ist viel Autoverkehr vermeidbar.

Dass die Klimaziele nur mit weniger Autoverkehr erreichbar sind, haben aber auch die Hersteller in den vergangenen Jahren bewiesen. Der reale Spritverbrauch ist in den vergangenen Jahren kaum gesunken. Die Diesel-Pkw der privaten Haushalte verbrauchen im Schnitt rund 6,6 Liter pro 100 Kilometer, fast so viel wie im Jahr 2005, als die Diesel-Pkw 6,9 Liter pro 100 Kilometer schluckten, weist der VCÖ auf die Daten der Statistik Austria hin.

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