VCÖ: In fast der Hälfte von Österreichs Bezirken kein tödlicher Kinderunfall seit 10 Jahren

VCÖ (Wien, 10. November 2014) – Das Ziel „kein tödlicher Verkehrsunfall eines Kindes“ haben in den vergangenen zehn Jahren 40 Bezirke und sechs Statutarstädte in Österreich erreicht, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Jedes Bundesland weist zumindest einen Bezirk ohne tödlichen Kinderunfall auf. Dennoch, die Opferzahl des Straßenverkehrs ist hoch: 154 Kinder wurden in den vergangenen zehn Jahren bei Verkehrsunfällen getötet, mehr als 34.000 Kinder wurden verletzt. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem.

„Die Verkehrssicherheit für Kinder hat sich in den vergangenen Jahren österreichweit verbessert, aber es gibt noch sehr viel zu tun. Es braucht vor allem verstärkte Maßnahmen, die unser Verkehrssystem kindgerecht machen“, fasst VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek das Ergebnis einer aktuellen VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zusammen. In 40 Bezirken und sechs Statutarstädten gab es in den vergangenen zehn Jahren keinen tödlichen Verkehrsunfall eines Kindes. Die VCÖ-Analyse zeigt, dass es in jedem Bundesland zumindest einen Bezirk gab, der das Ziel „kein Kind kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben“ seit zehn Jahren erreicht hat.

Den höchsten Anteil weist Wien auf, wo in 16 der 23 Bezirke – das sind rund 70 Prozent – kein tödlicher Kinderunfall passierte. In Wien ist aufgrund des hohen Öffi-Anteils die Verkehrssicherheit für Kinder deutlich höher als in den anderen Bundesländern. In Niederösterreich erreichten sechs Bezirke (darunter 2 Statutarstädte) das Ziel „kein tödlicher Verkehrsunfall eines Kindes“, im Burgenland und in der Steiermark jeweils fünf Bezirke.

Im Bezirk Salzburg Umgebung kamen in den vergangenen zehn Jahren acht Kinder bei Verkehrsunfällen ums Leben, wobei auch hier seit dem Jahr 2010 zum Glück kein tödlicher Kinderunfall passierte. Jeweils sechs Kinder verunglückten in den Bezirken Braunau und Zell am See tödlich.

Der VCÖ weist darauf hin, dass österreichweit fast die Hälfte aller tödlich verunglückten Kinder Pkw-Insassen waren. Auch dank der Kindersitze und der verbesserten Sicherung ist die Zahl der Todesopfer zurückgegangen. "Dadurch, dass mangelnde Kindersicherung ein Vormerkdelikt ist, ist auch das Bewusstsein dafür sehr groß", so VCÖ-Expertin Urbanek. Aber allein im Vorjahr sind 1.245 Kinder als Pkw-Insassen bei Verkehrsunfällen verletzt worden, vier Kinder kamen ums Leben.

Hoch ist auch der Anteil der Kinder, die als Fußgänger Opfer eines Verkehrsunfalls werden. 54 Kinder kamen seit dem Jahr 2004 dadurch ums Leben. „Als schwächste Verkehrsteilnehmer müssen die Kinder der Maßstab für die Verkehrssicherheit sein. Vor allem im Ortsgebiet, wo viele Kinder zu Fuß unterwegs sind, braucht es mehr Verkehrsberuhigung, ein durchgängiges und ausreichend breites Gehwegenetz und übersichtliche Kreuzungen und Straßenübergänge“, betont VCÖ-Expertin Urbanek. Gerade für Kinder ist es wichtig, dass sie ihre Wege, etwa zur Schule aber auch in der Freizeit sicher zu Fuß, mit Tretroller oder Fahrrad zurücklegen können. Bewegungsmangel von Kindern ist ein zunehmendes Problem.

Der VCÖ fordert zudem, dass es entlang der Freilandstraßen zumindest dort, wo Siedlungen sind, baulich getrennte Gehwege gibt. Und: Jede Bushaltestelle muss zu Fuß sicher und gut erreichbar sein, so der VCÖ.

Der VCÖ tritt zudem für verstärkte Tempokontrollen im Ortsgebiet ein. „Dort, wo beispielsweise Eltern erleben, dass Tempolimits im Ortsgebiet nicht eingehalten werden, braucht es unbedingt mehr Kontrollen“, so VCÖ-Expertin Urbanek. Zudem ist die Verwendung von Mobiltelefonen während des Lenkens eines Kfz ein zunehmendes Problem. Der VCÖ weist darauf hin, dass Autolenker, die mit dem Handy telefonieren, etwa so langsam reagieren, wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille. Der VCÖ spricht sich daher für die Erweiterung des Vormerksystems um Handy am Steuer aus.

 

VCÖ: In 40 Bezirken und 6 Städten kein tödlicher Kinderunfall in den vergangenen zehn Jahren  (Zeitraum 2004 bis 1. Halbjahr 2014 – in Klammer Anteil an Bezirken des Bundeslandes )

Wien: 16 Bezirke (70 Prozent)

Niederösterreich: 6 Bezirke (davon 2 Statutarstädte) (24 Prozent)

Burgenland: 5 Bezirke (davon 2 Statutarstädte) (56 Prozent)

Steiermark: 5 Bezirke (42 Prozent)

Kärnten: 4 Bezirke (40 Prozent)

Oberösterreich: 4 Bezirke (davon 2 Statutarstädte) (22 Prozent)

Tirol: 3 Bezirke (33 Prozent)

Salzburg: 2 Bezirke (33 Prozent)

Vorarlberg: 1 Bezirk (25 Prozent)

Österreich: 46 Bezirke (davon 6 Statutarstädte) (43 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2014

 

VCÖ: In Oberösterreich passierten die meisten Kinderunfälle (Anzahl bei Verkehrsunfällen verunglückte Kinder, Jahr 2004 bis 1. Halbjahr 2014)

Oberösterreich: 35 tödlich verunglückte Kinder, 6.330 Kinderunfälle, 7.005 verletzte Kinder

Niederösterreich: 34 tödlich verunglückte Kinder, 5.188 Kinderunfälle, 5.827 verletzte Kinder

Salzburg: 18 tödlich verunglückte Kinder, 2.317 Kinderunfälle, 2.488 verletzte Kinder

Steiermark: 17 tödlich verunglückte Kinder, 4.237 Kinderunfälle, 4.623 verletzte Kinder

Kärnten: 14 tödlich verunglückte Kinder, 2.363 Kinderunfälle, 2.583 verletzte Kinder

Tirol: 10 tödlich verunglückte Kinder, 3.490 Kinderunfälle, 3.742 verletzte Kinder

Burgenland: 9 Kinder tödlich verunglückt, 616 Kinderunfälle, 674 verletzte Kinder

Wien: 9 Kinder tödlich verunglückt, 5.042 Kinderunfälle, 5.332 verletzte Kinder

Vorarlberg: 8 tödlich verunglückte Kinder, 1.900 Kinderunfälle, 1.907 verletzte Kinder

Österreich: 154 tödlich verunglückte Kinder, 31.483 Kinderunfälle, 34.181 verletzte Kinder

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2014

 

VCÖ: Viele Bezirke erreichten Ziel "kein tödlicher Verkehrsunfall eines Kindes" in den vergangenen zehn Jahren (Kein tödlicher Verkehrsunfall eines Kindes zwischen 2004 und 1. Halbjahr 2014 - Bezirke und Statutarstädte)

Burgenland: Bezirk Güssing, Bezirk Mattersburg, Bezirk Eisenstadt Umgebung, Eisenstadt, Rust

Kärnten: Bezirk Feldkirchen, Bezirk Hermagor, Bezirk Klagenfurt Land, Bezirk Villach Land

Niederösterreich: Bezirk Gmünd, Bezirk Krems Land, Bezirk Lilienfeld, Bezirk Zwettl, Waidhofen / Ybbs, Wiener Neustadt

Oberösterreich: Bezirk Eferding, Bezirk Steyr Land,  Steyr, Wels

Salzburg: Bezirk Hallein, Stadt Salzburg

Steiermark: Bezirk Leibnitz, Bezirk Leoben, Bezirk Liezen, Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, Bezirk Südoststeiermark

Tirol: Innsbruck, Bezirk Imst, Bezirk Kitzbühel

Vorarlberg: Bezirk Dornbirn

Wien:  Innere Stadt, Leopoldstadt, Wieden, Margareten, Mariahilf, Neubau, Josefstadt, Alsergrund, Simmering, Meidling, Hietzing, Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring, Währing, Brigittenau

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2014

Zurück zur Übersicht