VCÖ: In der Steiermark wurde bereits jetzt Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten

VCÖ: Autoverkehr reduzieren, saubere Mobilität stärker fördern

VCÖ (Wien, 24.November 2017) – Die Feinstaubsaison hat wieder begonnen. Graz hat bereits jetzt den Jahresgrenzwert deutlich überschritten, macht der VCÖ aufmerksam. Zu viel Feinstaub in der Luft ist gesundheitsschädlich. Neben dem Heizen führt der Verkehr in der kalten Jahreszeit zu vermehrter Luftverschmutzung. Im Zuge des Dieselskandals wurde bekannt, dass bei vielen Fahrzeugen die Abgasreinigung bei kalten Temperaturen nicht oder nur mangelhaft funktioniert. Der VCÖ betont, dass durch mehr saubere Mobilität und weniger Autoverkehr die Luftqualität verbessert wird.

Bei der Messstelle Graz Don Bosco wurde heuer bereits an 40 Tagen zu viel Feinstaub in der Luft gemessen. Der VCÖ weist darauf hin, dass damit der Jahresgrenzwert, der in Österreich bei 25 Tagen liegt, massiv überschritten wurde. Auch die Messstellen Graz Süd, Graz Mittel, Graz Ost und Graz West sowie Leibnitz haben den Jahresgrenzwert laut vorläufigen Daten des Umweltbundesamts bereits jetzt überschritten. „Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Luftverschmutzung führt zu massiven Gesundheitsschäden. Umso wichtiger sind verstärkte Anstrengungen, um die Luftqualität zu verbessern“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest.

In der kalten Jahreszeit steigt die Feinstaubbelastung. Das hat nicht nur meteorologische Ursachen. Mit dem Heizen kommt ein zusätzlicher Emittent dazu. Aber auch der Verkehr verursacht in der kalten Jahreszeit mehr Schadstoffe. Im Zuge des Dieselskandals wurde bekannt, dass die Abgasreinigung vieler Dieselfahrzeuge nur bei wärmeren Temperaturen voll funktioniert, macht der VCÖ aufmerksam. „Das führt dazu, dass in Österreich im Spätherbst und Winter mehr Schadstoffe emittiert werden. Und je mehr Schadstoffe beim Auspuff rauskommen, umso mehr gelangen in unsere Lungen hinein“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Die Schummeleien und Tricksereien von Herstellern haben vor allem Städten massive Luftqualitätsprobleme beschert.

Mit einer Verringerung des Autoverkehrs verringern sich auch die Schadstoff-Emissionen. Der VCÖ spricht sich daher für den verstärkten Ausbau des Öffentlichen Verkehrs aus. Eine einzige Straßenbahn kann rund 140 Personen transportieren. Beim aktuellen Besetzungsgrad von 115 Personen pro 100 Pkw, sind 122 Autos unterwegs, um 140 Personen zu transportieren, verdeutlicht der VCÖ.

Zudem ist der Radverkehr stärker zu fördern. „Graz hat gute Voraussetzungen seinen Radverkehrsanteil auf 30 Prozent zu verdoppeln. Dafür braucht es den Ausbau der Rad-Infrastruktur und insgesamt radfahrfreundliche Straßen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Vom Umland in die Stadt sind nach Vorbild etwa von Kopenhagen möglichst kreuzungsfreie und direkte Radverbindungen in die Stadt zu schaffen. Auch mehr E-Fahrzeuge statt Diesel- und Benzin-Pkw trägt zur Verbesserung der Luftqualität bei. Im Bereich des Gütertransports ist die emissionsfreie Güterlogistik in der Stadt zu forcieren. Auch dafür gibt es international bereits zahlreiche erfolgreiche Vorbildprojekte, beispielsweise in Nürnberg, wo innerstädtische Lieferungen verstärkt mit E-Transportern und Cargo-Bikes durchgeführt werden.

„Je mehr Maßnahmen für einen emissionsfreien, sauberen Verkehr umgesetzt werden, umso besser für die Gesundheit der Bevölkerung. Und diese Maßnahmen helfen wesentlich mit, um die Klimaziele zu erreichen“, erinnert VCÖ-Expertin Rasmussen an das UN-Klimaziel von Paris. Um Klimastabilität zu erreichen ist es nötig, dass spätestens im Jahr 2050 der Verkehr keinen Diesel und kein Benzin mehr verbrennt und von Erdöl zur Gänze unabhängig ist.

VCÖ: In der Steiermark wurde bereits jetzt Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten
(Tage im Jahr 2017 mit Tagesmittelwert von mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft, in Klammer Jahr 2016 - Erlaubter Jahresgrenzwert in Österreich: 25 Tage; Von der EU erlaubter Jahresgrenzwert: 35 Tage)
Graz Don Bosco: 40 Tage (39 Tage)
Graz Süd: 36 Tage (34 Tage)
Graz Mitte: 31 Tage (29 Tage)
Graz Ost: 31 Tage (24 Tage)
Leibnitz: 30 Tage (22 Tage)
Graz West: 29 Tage (25 Tage)
Kittsee: 25 Tage (14 Tage)
Linz Römerberg: 23 Tage (11 Tage)
Weiz: 23 Tage (15 Tage)
Wien Taborstraße: 23 Tage (8 Tage)
Linz Stadtpark: 22 Tage (7 Tage)
Fürstenfeld: 22 Tage (12 Tage)
Köflach: 20 Tage (18 Tage)
Eisenstadt: 20 Tage (12 Tage)
Ebenthal Zell: 20 Tage (27 Tage)
Klagenfurt Völkermarkter Straße: 20 Tage (27 Tage)
Stockerau: 20 Tage (4 Tage)
Linz 24er Turm: 20 Tage (8 Tage)
Salzburg Rudolfsplatz: 20 Tage (5 Tage)
Wien Gaudenzdorf: 20 Tage (11 Tage)
Wien Kendlerstraße: 20 Tage (8 Tage)
Wien Wehlistraße: 20 Tage (9 Tage)
St. Andrä im Lavanttal: 19 Tage
Klosterneuburg: 19 Tage (5 Tage)
Mannswörth: 19 Tage (4 Tage)
Schwechat: 19 Tage (2 Tage)
Tulln: 19 Tage (4 Tage)
Wr. Neudorf: 19 Tage (6 Tage)
Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2017

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