VCÖ: Im Winter stark erhöhte NO2-Belastung in Österreich – Zusätzliche Luftverschmutzung durch nicht funktionierende Abgasreinigung

VCÖ: Schmutz-Diesel nachrüsten – Hersteller sollen 2.500 Euro pro Schmutz-Diesel in Öffi-Fonds einzahlen

VCÖ (Wien, 25. September 2017) – In der kalten Jahreszeit ist die gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid-Belastung in Österreich deutlich höher, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Hauptverursacher von Stickstoffdioxid (NO2) ist der Verkehr und dabei vor allem die Dieselfahrzeuge. Bei vielen Diesel-Pkw funktioniert die Abgasreinigung nur bei Temperaturen zwischen 15 und 33 Grad Celsius optimal. Der VCÖ fordert, dass diese Diesel-Pkw auf Kosten der Hersteller rasch mit einer funktionierenden Abgasreinigung nachgerüstet oder zurückgenommen werden müssen. Zudem sollen die Hersteller pro verkauftem „Schmutz-Diesel-Pkw“ 2.500 Euro in einen Fonds zum Ausbau des Öffentlichen Verkehrs einzahlen. Vom morgigen von Verkehrsminister Leichtfried einberufenen Fachleute-Gipfel zur "Abgasstrategie 2030" erwartet sich der VCÖ den Startschuss für einen Fahrplan zu einer sauberen und gesunden Mobilität.

Die Messstelle im Tiroler Vomp an der A12 weist österreichweit die höchste Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung auf. Im Jahr 2016 betrug die durchschnittliche NO2-Belastung im Jänner, Februar und Dezember 73,0 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und lag damit um 52,8 Prozent höher als im Schnitt der Monate März bis November, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. „In der kalten Jahreszeit ist die Luftqualität in Österreich an vielen Orten schlecht. Wenn dann zusätzlich bei Diesel-Pkw die Abgasreinigung nicht funktioniert, erreicht die Luftverschmutzung ein besonders gesundheitsschädliches Ausmaß. Die Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Je mehr Schadstoffe beim Auspuff rauskommen, umso mehr gelangen in unsere Lungen hinein“, fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen rasche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung.

Im Zuge des Abgasskandals wurde bekannt, dass bei seit mehreren Jahren bei neuen Diesel-Pkw die Abgasreinigung so programmiert ist, dass sie in vielen Fällen nur bei Temperaturen zwischen 15 und 33 Grad Celsius gut funktioniert. Eine Auswertung der ZAMG zeigt, dass in Österreich in den Jahren 2007 bis 2016 diese Temperaturen tagsüber an weniger als der Hälfte der Stunden erreicht wurde.

Die VCÖ-Analyse der Luftgütemessstellen der Bundesländer zeigt, dass die NO2-Belastung im Winter um bis zu das Doppelte höher ist als im Schnitt von März bis November. NO2 ist sehr gesundheitsschädlich, schädigt Atemwege, kann zu Lungenschäden führen und bei längerer hoher NO2-Belastung nimmt die Zahl der Herzinfarkte zu.

Messungen des deutschen Umweltbundesamts haben gezeigt, dass neue Diesel-Pkw der Abgasnorm EURO 6 im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen und damit den Grenzwert für den Abgastest am Prüfstand (80 Milligramm) um mehr als das sechs Fache überschreiten. Der VCÖ fordert die rasche Umsetzung von Akutmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. "Die Hersteller sind in die Pflicht zu nehmen. Sie haben Fahrzeuge hergestellt, die beim Fahren große Mengen an Schadstoffen ausstoßen. Dadurch werden Anrainer einer erhöhten Luftverschmutzung ausgesetzt, Autofahrer sind auf stark befahrenen Straßen in einer regelrechten Abgaswolke unterwegs und müssen hohe Schadstoffmengen einatmen", weist VCÖ-Expertin Rasmussen auf die Folgen hin.

Jene Diesel-Pkw, die beim Fahren auf der Straße besonders große Schadstoffmengen ausstoßen, sind  daher auf Kosten der Hersteller mit einer funktionierenden Abgasreinigung auszustatten oder von den Herstellern zurückzunehmen. Der deutsche ADAC, der vom Kauf von Diesel-Pkw abrät, hat vergangene Woche festgestellt, dass entgegen der Aussagen diverser Hersteller eine Nachrüstung der Abgasreinigung sehr wohl möglich ist. Der VCÖ fordert zudem, dass pro verkauftem „Schmutz-Diesel-Pkw“ der jeweilige Hersteller 2.500,- Euro in einen Fonds einbezahlt mit dem das Öffentliche Verkehrsangebot für Pendlerinnen und Pendler erweitert und ausgebaut wird.

Darüber hinaus sind umfassende Maßnahmen für eine saubere und gesunde Mobilität in Österreich umzusetzen. „Je früher der Ausstieg aus dem Diesel gelingt, umso besser für unsere Luftqualität“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Neben der Forcierung emissionsfreier Fahrzeuge sind das öffentliche Verkehrsangebot sowie die Rad-Infrastruktur österreichweit auszubauen und zu verbessern. Immerhin 40 Prozent der Autofahrten der Österreicher sind kürzer als 5 Kilometer.

VCÖ: In kalter Jahreszeit deutlich erhöhte NO2-Belastung in Österreich
(NO2 in Mikrogramm / Kubikmeter Luft  Schnitt Jänner, Februar, Dezember 2016 – in Klammer Schnitt März bis November 2016)
Vomp A12: 73,0 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft (47,8 – plus 52,8 Prozent)
Innsbruck Fellmerayerstraße: 58,3 (30,3 – plus 92,3 Prozent)
Innsbruck Andechsstraße: 57,3 (25,8 – plus 122,4 Prozent)
Imst A12: 56,7 (27,6 – plus 105,6 Prozent)
Graz Don Bosco: 55,7 (38,1 – plus 46,1 Prozent)
Salzburg Rudolfsplatz: 54,5 (42,2 – plus 29,2 Prozent)
Kundl A12: 54,0 (38,3 – plus 40,9 Prozent)
Lienz Amlacherkreuzung: 54,0 (30,9 – plus 74,8 Prozent)
Hallein A10: 53,8 (42,0 – Plus 27,9 Prozent)
Klagenfurt Nordumfahrung A2: 53,0 (36,3 – plus 45,9 Prozent)
Salzburg A1: 51,9 (39,3 – plus 32,1 Prozent)
Hallein B159: 50,1 (34,3 – plus 46,1 Prozent)
Enns A1: 46,3 (41,7 – plus 11,2 Prozent)
Graz-Süd: 45,7 (24,1 – plus 89,4 Prozent)
Klagenfurt Völkermarkterstraße: 45,7 (25,3 – plus 80,3 Prozent)
Zederhaus: 44,6 (26,4 – plus 69,0 Prozent)
Feldkirch Bärenkreuzung: 44,3 (37,7 – plus 17,7 Prozent)
Lustenau: 44,3 (38,9 – plus 14,0 Prozent)
Graz Ost: 43,7 (24,3 – plus 79,5 Prozent)
Villach Tirolerbrücke: 40,7 (22,9 – plus 77,7 Prozent)
Wolfsberg: 37,7 (23,9 – plus 57,7 Prozent)
Dornbirn: 37,0 (26,3 – plus 40,5 Prozent)
Linz 24er Turm: 37,0 (27,2 – plus 35,9 Prozent)
Wien Taborstraße: 37,0 (33,1 – plus 11,7 Prozent)
St. Pölten: 35,7 (30,3 – plus 17,5 Prozent)
Wels: 30,7 (21,6 – plus 42,3 Prozent)
Wien AKH: 29,7 (21,6 – plus 37,6 Prozent)
St. Valentin A1: 28,7 (20,6 – plus 39,2 Prozent)
Klosterneuburg: 27,7 (19,5 – plus 42,0 Prozent)
Quelle: Bundesländer, VCÖ 2017

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