VCÖ: Im Vorjahr zu hohe Stickoxid-Belastung in Österreich – Jetzt droht EU-Vertragsverletzungsverfahren

VCÖ (Wien, 21. Jänner 2014) – Die gesundheitsschädliche Stickoxidbelastung in Österreich ist zu hoch. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass bei 30 Messstellen Österreichs Jahresgrenzwert überschritten wurde und bei 14 Messstellen der EU-Jahresgrenzwert. Damit steht Österreich ein EU-Vertragsverletzungsverfahren ins Haus. Hauptverursacher der Stickoxid-Emissionen ist der Verkehr, insbesondere Dieselfahrzeuge. Der VCÖ fordert zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung ein umfassendes Maßnahmenpaket.

„Mit Ausnahme vom Burgenland wurde in allen Bundesländern im Vorjahr Österreichs Stickoxid-Grenzwert überschritten. Der höchsten gesundheitsschädlichen Belastung sind Anrainerinnen und Anrainer entlang von Transitautobahnen ausgesetzt sowie die Bevölkerung in Städten entlang stark befahrener Straßen“, fasst VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek die aktuelle VCÖ-Analyse zusammen.

Hauptverursacher der Stickoxid-Belastung in Österreich ist der Verkehr. Die Hälfte der Emissionen stammt vom Verkehr, insbesondere von Dieselfahrzeugen. Der VCÖ kritisiert, dass dennoch Dieseltreibstoff steuerlich begünstigt wird und die Mineralölsteuer um 8,5 Cent pro Liter niedriger ist als auf Benzin. Rund ein Viertel der Stickoxid-Emissionen wird von der Industrie verursacht, der Rest kommt vom Heizen, von der Energieerzeugung und Landwirtschaft.

Die VCÖ-Analyse zeigt, dass im Vorjahr an der A12 bei Vomp die Stickstoffdioxid-Belastung am höchsten war. An 51 Tagen war im Vorjahr die Belastung mit dem gesundheitsschädlichen Schadstoff zu hoch. Bis Ende Oktober betrug die durchschnittliche Stickstoffdioxid-Belastung 58 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das ist doppelt so hoch wie Österreichs Grenzwert (30 Mikrogramm) und liegt auch deutlich über den weniger strengen EU-Grenzwert (40 Mikrogramm) – und das, obwohl die Monate November und Dezember, die traditionell höhere Werte aufweisen als der Jahresschnitt, noch fehlen.

Die VCÖ-Analyse zeigt, dass insgesamt bei 14 Messstationen im Vorjahr der Jahresgrenzwert überschritten wurde. Am zweithöchsten war die Belastung in Feldkirch (54 Mikrogramm), am dritthöchsten in Salzburg am Rudolfsplatz, in Hallein an der Tauernautobahn und in Wien am Hietzinger Kai (52 Mikrogramm). „Während bei Hallein und Salzburg bereits die Jahreswerte vorliegen, ist es bei Wien nur der Wert bis Ende Oktober. Auch hier ist zu befürchten, dass der endgültige Jahreswert sogar noch höher ist“, erklärt VCÖ-Expertin Urbanek. Auch an der A12 in Kundl, an der A13 in Gärberbach, in Graz, Klagenfurt, Linz, Enns und Höchst war die Stickstoffdioxid-Belastung zu hoch.

Der VCÖ weist darauf hin, dass Stickoxide, insbesondere Stickstoffdioxid (NO2), extrem gesundheitsschädlich sind. Die Atemwege und Lungen werden geschädigt, Herzkreislauferkrankungen und Herzinfarkte können die Folge sein. Studien in Wien, Linz und Graz ergaben, dass bereits ab einer Belastung von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft die Zahl der Todesfälle steigt. In Wien gab es bei einer über zwei Wochen andauernden Zunahme der durchschnittlichen NO2-Belastung um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft mehr Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen und mehr Todesfälle durch Atemwegerkrankungen.

„Die Gesundheit der Menschen wird in Sonntagsreden gerne als unser wichtigstes Gut bezeichnet. Doch in der realen Politik zählte die Gesundheit der Menschen in der Vergangenheit wenig. Es ist zu hoffen, dass jetzt Maßnahmen gesetzt werden, damit auch die Anrainerinnen und Anrainer entlang von Straßen saubere Luft atmen können“, fordert VCÖ-Expertin Urbanek ein umfassendes Maßnahmenpaket.

Druck wird nun auch von der EU kommen. Österreich droht ein Vertragsverletzungsverfahren und eine Verurteilung durch den EU-Gerichtshof. Denn während Linz und Kärnten eine Fristerstreckung zur Einhaltung der Grenzwerte bis zum Jahr 2015 erhalten haben, wurde für Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Wien und Oberösterreich außerhalb Linz die Fristerstreckung abgelehnt.

Der VCÖ fordert für Pendlerinnen und Pendler mehr Bahn- und Busverbindungen sowie die stärkere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, einerseits durch mehr Kostenwahrheit im Lkw-Verkehr und andererseits durch die Förderung von betrieblichen Anschlussbahnen. Eine kostengünstige und schnell wirksame Maßnahme sind niedrigere Tempolimits.

Der VCÖ sieht in erster Linie die Politik gefordert, Maßnahmen zu setzen. Doch auch jeder einzelne kann einen Beitrag für eine bessere Luftqualität leisten. „Kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad fahren. Wo es möglich ist, öffentliche Verkehrsmittel benutzen, Fahrgemeinschaften bilden und wer Produkten aus der Region den Vorrang gibt, hilft Lkw-Fahrten zu vermeiden“, empfiehlt VCÖ-Expertin Urbanek.

 

VCÖ: Bei 14 Messstellen wurde der EU-Grenzwert überschritten
(Durchschnittliche Stickstoffdioxid-Belastung im Jahr 2014 – Grenzwert EU 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft)  

A12 Vomp: 58 Mikrorgramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft
Feldkirch Bärenkrezung: 54*
Salzburg Rudolfsplatz: 52
Hallein Autobahn: 52
Wien-Hietzinger Kai: 52*
A12 Kundl: 50
A13 Gärberbach: 47*
Graz Don Bosco: 47***
A1 Enns: 47
A2 Klagenfurt: 46**
Linz Römerbergtunnel: 45
Hallein B159: 43
Wien-Rinnböckstraße: 41*
Höchst: 40*

Quelle: Länder, VCÖ 2014 

*bis 31.10.2013
** bis 30.11. 2013
*** 1. Halbjahr 2013

VCÖ: Bei weiteren 16 Messstellen wurde Österreichs Grenzwert überschritten
(Durchschnittliche Stickstoffdioxid-Belastung im Jahr 2014 – Grenzwert Österreich laut I-GL 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) 

Lienz: 39*
Innsbruck Fallmerayerstraße: 38*
Imst: 36*
Hall in Tirol: 36*
Vomp an der Leiten: 36*
A10 Zederhaus: 34
St. Pölten: 34***
Graz Mitte: 33 ****
Graz Süd: 33****
Klagenfurt Völkermarkterstraße: 33**
Wien-Belgradplatz: 32*
Innsbruck-Andechsstraße: 32*
Salzburg-Mirabellplatz: 32
Wien-Gaudenzdorf: 31*
Linz 24er Turm: 31
Villach Tirolerbrücke: 31**

*bis 31.10.2013
** bis 30.11. 2013
*** bis 30.9. 2013
**** 1. Halbjahr 2013

Quelle: Länder, VCÖ 2014

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