VCÖ: Im Vorjahr mehr als 188.000 Diesel-Pkw in Österreich neu zugelassen – Laut ICCT doppelt so hohe reale NOx-Emissionen wie neue Lkw

VCÖ für stichprobenartige Überprüfungen der Abgaswerte neuer Diesel-Pkw, Steuerprivileg für Diesel abschaffen

VCÖ (Wien, 9. Jänner 2017) –  Im Vorjahr wurden in Österreich 188.820 Diesel-Pkw (aktualisiert am 11.1.) neu zugelassen, berichtet der VCÖ. Laut einer aktuellen Studie des europäischen Forschungsinstituts ICCT stoßen neue Diesel-Pkw beim Fahren auf der Straße mehr Stickoxide aus als moderne Lkw. Stickstoffdioxid ist ein schädliches Reizgas, das zu Lungen- und Herzschäden führen kann. Der VCÖ fordert stichprobenartige Überprüfungen der Abgaswerte neuer Diesel-Pkw beim Fahren auf der Straße sowie ein Ende der Steuerbegünstigung für Diesel.

Auch im Vorjahr wurden in Österreich mehr Diesel-Pkw als Benziner neu zugelassen, macht der VCÖ aufmerksam. 188.820 Diesel-Pkw kamen im Vorjahr neu auf Österreichs Straßen. Es sind aber weniger die privaten Haushalte, die zu Diesel greifen. Fast zwei Drittel der neuen Diesel-Pkw wurden auf juristische Personen, also auf Firmen oder Organisationen zugelassen. „Für die Gesundheit von Österreichs Bevölkerung ist die hohe Anzahl der Diesel-Pkw schlecht. Denn die modernen Diesel-Pkw sind bei weitem nicht so schadstoffarm wie Herstellerangaben versprechen. Beim Fahren auf der Straße stoßen sie deutlich mehr Schadstoffe aus als im Labor ermittelt wird“, weist VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen auf die aktuelle Studie des Forschungsinstituts ICCT, das den Abgasskandal bei VW mitaufgedeckt hat, hin.

Die ICCT-Studie zeigt, dass neue Diesel-Pkw der Abgasklasse EURO 6 beim Fahren auf der Straße im Schnitt doppelt so viele Stickoxide ausstoßen wie moderne Lkw. Der NOx-Grenzwert für neue Diesel-Pkw beträgt 80 Milligramm pro Kilometer, tatsächlich verschmutzen sie beim Fahren auf der Straße die Luft mit im Schnitt sechs Mal so hohen Stickoxidmengen.

Der VCÖ weist darauf hin, dass Stickstoffdioxid sehr gesundheitsschädlich ist. Es schädigt die Atemwege und kann zu Bronchitis sowie Lungen- und Herzschäden führen. Vor allem für Kinder, die sich im Wachstum befinden sowie für ältere Menschen ist Stickstoffdioxid sehr schädlich. „An stark befahrenen Straßen sind die Schadstoffmengen hoch. Anrainerinnen und Anrainer und auch alle, die hier unterwegs sind, sind einer hohen Schadstoffbelastung ausgesetzt. Autofahrende sind in einer regelrechten Abgaswolke unterwegs“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Rasmussen. Die zusätzlichen Schadstoffmengen verursachen zudem hohe Folgekosten für die Allgemeinheit.

Die Behörden sind gefordert, dafür zu sorgen, dass Fahrzeuge auch beim Fahren auf der Straße die Schadstoffgrenzwerte einhalten. „Die Grenzwerte wurden geschaffen, um die Gesundheit der Menschen zu schützen und nicht um in den Laborräumlichkeiten für saubere Luft zu sorgen“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Trotz der hohen Schadstoffmengen von Dieselabgasen wird Dieseltreibstoff in Österreich um 8,5 Cent pro Liter niedriger besteuert als Eurosuper. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO beträgt diese Steuerbegünstigung rund 600 Millionen Euro pro Jahr. In der Schweiz wird Diesel gleich hoch wie Eurosuper besteuert - eine Regelung, die auch für Österreich sinnvoll ist.

Der VCÖ spricht sich dafür aus, dass in Österreich die Schadstoffwerte von Neuwagen auf der Straße überprüft werden. Zum einen sollen Neuwagen vor dem Verkauf stichprobenartig mit "Real Driving Emission" Tests überprüft werden. "Es ist auch wünschenswert, wenn von Seiten des Bundes eine Lösung gefunden wird, damit Autokäuferinnen und Autokäufer unbürokratisch die Möglichkeit erhalten, dass ihr Neuwagen einem Abgastest beim Fahren auf der Straße unterzogen wird", stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Zudem sind auf EU-Ebene die Abgastests rasch zu verbessern und die ab September 2017 geplanten „Real Driving Emissions“-Tests ohne Verzögerung einzuführen. Bei Lkw und Bussen gibt es bereits seit dem Jahr 2013 auch "Real Driving Emissions" Tests. Weiters ist für die Typisierung der Neuwagen eine einheitliche Stelle in der EU zu schaffen. Infolge des Dieselskandals wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren deutlich, dass nationale Behörden etwa in Deutschland, Italien und Frankreich beim Genehmigungsverfahren versagt haben.

ICCT-Studie: http://www.theicct.org/nox-europe-hdv-ldv-comparison-jan2017

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