VCÖ: Im Vorjahr in Österreich mehr Überschreitungen des Grenzwerts für Stickstoffdioxid als 2014!

VCÖ (Wien, 22. April 2016) – Im Vorjahr wurde an mehr Messstellen der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid überschritten als im Jahr 2014, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis der von den Bundesländern veröffentlichten Daten zeigt. Mit Ausnahme des Burgenlands wurde in allen Bundesländern bei zumindest einer Messstelle der Grenzwert überschritten. Hauptverursacher ist der Verkehr. Neben dem Lkw-Transit sind Diesel-Pkw, die mehr Stickoxide verursachen als die Abgastests zeigen, ein großes Problem. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen zur Verringerung des Lkw-Verkehrs sowie den stärkeren Ausbau von sauberen und umweltfreundlichen Mobilitätsangeboten.

„Das Vorjahr brachte bei der Verringerung der Stickstoffdioxid-Belastung in Österreich keine Fortschritte. Im Gegenteil, der Jahresgrenzwert wurde bei mehr Messstellen überschritten als im Jahr 2014. Extrem hohe Belastungen wurden entlang der Transitautobahnen in Tirol und Salzburg sowie bei stark befahrenen Straßen in Wien, Stadt Salzburg und Linz gemessen“, macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen aufmerksam. Der Jahresgrenzwert für NO2 wurde an 32 Messstellen überschritten, im Jahr 2014 war dies bei 30 Messstellen der Fall. Das Gesetz sieht eine Toleranzgrenze vor, aber selbst der erhöhte Toleranzwert wurde bei 23 Messstellen überschritten, nach 18 im Jahr 2014.

Der VCÖ weist darauf hin, dass der Jahresgrenzwert in Vomp in Tirol bei der A12 Inntalautobahn mit 59 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft um fast das Doppelte überschritten wurde. Massiv überhöht war der Grenzwert auch in der Stadt Salzburg am Rudolfsplatz (51), in Hallein an der A10 Tauernautobahn (50), in Wien am Hietzinger Kai (49) sowie in Linz beim Römerbergtunnel und in der Stadt Salzburg an der A1 (jeweils 48). Auch in Lustenau, Feldkirch, Graz, Innsbruck und Klagenfurt wurden an verkehrsnahen Messstellen der Grenzwert massiv überschritten, macht der VCÖ aufmerksam.

Hauptverursacher der gesundheitsschädlichen Stickoxide sind Dieselfahrzeuge. Lkw fahren fast ausschließlich mit Diesel. Zudem gibt es in Österreich rund 2,7 Millionen Diesel-Pkw. „Spätestens seit dem Abgasskandal ist bekannt, dass beim Auspuff vieler Dieselfahrzeuge deutlich größere Mengen an Schadstoffen rauskommen als die Abgaswerte versprechen. Diese Tatsache ist neben der hohen Anzahl an Lkw und Diesel-Pkw eine wesentliche Ursache dafür, dass an so vielen Messstellen der Jahresgrenzwert überschritten wurde“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

So hat das deutsche Kraftfahrbundesamt bei 56 von 58 Modellen auffällige Abweichungen festgestellt. Das wurde auch darauf zurückgeführt, dass bei Temperaturen unter 10 Grad Plus offenbar die Stickoxidreinigung abgeschaltet wird. Wenn dem so ist, dann führt das in Österreich im Winter zu einer starken Zusatzbelastung. „Fakt ist, dass die Messstationen in der kalten Jahreszeit in der Regel eine deutlich höhere Belastung zeigen. Diese erhöhte Belastung dürfte also nicht nur wie bisher vermutet am Wetter und am Heizen liegen“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Das Reizgas Stickstoffdioxid (NO2) verursacht Entzündungen in den Atemwegen. Dadurch kommt es unter anderem zu Husten und Asthmaanfällen und Beeinträchtigungen der Lungenfunktion. Bei Kindern kann es zu  Verzögerungen des Lungenwachstums kommen, was Folgen bis ins Erwachsenenalter hat. "Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Wir atmen täglich mehr als 10.000 Liter ein. Umso wichtiger ist es, dass die Luft sauber ist", fordert VCÖ-Expertin Rasmussen verstärkte Maßnahmen.

Das umweltfreundliche und saubere Mobilitätsangebot in Österreich ist stark auszubauen. Für die Luftqualität ist es zudem wichtig, die Potenziale der Elektro-Mobilität stärker viel stärker zu nutzen, angefangen beim elektrischen Öffentlichen Verkehr, über Elektro-Fahrräder und E-Autos bis hin zu E-Transportern für den innerstädtischen Gütertransport. „Der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in den Ballungsräumen muss rascher vorangehen, ebenso ist die Infrastruktur für den Radverkehr in vielen Gebieten Österreichs ungenügend und stark zu verbessern“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Um den Lkw-Transit zu verringern, ist EU-weit eine Mindestmaut für Lkw einzuführen und die Steuerbegünstigung auf Diesel abzuschaffen. Obwohl Dieselabgase mehr Schadstoffe verursachen, ist die Mineralölsteuer in Österreich auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper.

Laut Immissionsschutzgesetz Luft darf der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid (NO2) maximal 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft betragen. Das Gesetz sieht eine Toleranzmarge von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft vor. Die Summe aus Grenzwert und Toleranzmarge beträgt 35 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft.

VCÖ: Stickstoffdioxid-Belastung im Jahr 2015 bei vielen Messstationen gestiegen (Jahresmittelbelastung in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahr 2015, in Klammer Jahr 2014 )

Vomp Raststätte A 12: 59 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft  (57)
Stadt Salzburg Rudolfsplatz: 51 (50)
Hallein A10: 50 (49)
Wien Hietzinger Kai: 49 (49)
Stadt Salzburg A1: 48 (51)
Linz Römerbergtunnel: 48 (46)
Kundl A12: 47 (48)
Lustenau Zollamt: 47 (43)
Mutters / Gärberbach A13: 46 (43)
Feldkirch Bärenkreuzung: 45 (46)
Enns Kristein: 45 (45)
Graz Don Bosco: 43 (44)
Hallein B159: 43 (39)
Innsbruck Fallmerayerstraße: 42 (38)
Hall in Tirol: 41 (36)
Lienz Amlacherkreuzung: 40 (39)
Höchst Gemeindeamt: 40 (38)
Vomp (An der Leithen): 38 (35)
Klagenfurt Nordumfahrung A2: 38 (32)
Wien Taborstraße: 37 (38)
Imst A12: 37 (36)
Innsbruck Andechstraße: 37 (36)
Zederhaus: 36 (35)
Wien A23 Wehlistraße: 35 (35)
St. Pölten: 35 (32)
Dornbirn: 34 (31)
Klagenfurt Völkermarkterstraße: 33 (31)
Linz 24er Turm: 33 (32)
Linz Neue Welt: 32 (31)
Graz Mitte: 32 (31)
Wien Belgradplatz 31 (31)
Graz Süd: 31 (28)

Quelle: Bundesländer, VCÖ 2016

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