VCÖ: Im Vorjahr fuhren allein über Brenner doppelt so viele Lkw wie über alle Schweizer Alpenübergänge

VCÖ (Wien, 24.März 2016) – Während durch Österreich der Lkw-Transit ungebremst zunimmt, erreichte die Schweiz einen deutlichen Rückgang, macht der VCÖ aufmerksam. Im Vorjahr rollten nur mehr  1,01 Millionen Lkw über die vier Schweizer Alpenpässe, allein über den Brenner fuhren mit rund 2,1 Millionen doppelt so viele Lkw. Die Schweiz erreichte gegenüber dem Jahr 2011 einen Rückgang um 250.000 Lkw-Fahrten, über den Brenner hingegen stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Lkw um mehr als 100.000. Der VCÖ fordert eine EU-weite Mindestmaut für Lkw. Zudem ist in Österreich die Steuerbegünstigung auf Diesel abzuschaffen.

„Während die Zahl der Lkw über den Brenner massiv steigt, erreichte die Schweiz in den vergangenen fünf Jahren bei stärkerem Wirtschaftswachstum als in Österreich einen kontinuierlichen Rückgang des Lkw-Verkehrs. Was umweltfreundlichen Güterverkehr betrifft, können die EU-Staaten von der Schweiz viel lernen“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Im Vorjahr überquerten nur mehr 1,01 Millionen Lastwagen die vier Schweizer Alpenübergänge (Gotthard, San Bernardino, Simplon, Gr. St. Bernhard). Das waren um 250.000 weniger als noch im Jahr 2011, macht der VCÖ aufmerksam.

Den Brenner überquerten im Vorjahr bereits rund 2,1 Millionen Lkw. „Damit fuhren allein über den Brenner doppelt so viele Lkw wie über alle Schweizer Alpenübergänge“, verdeutlicht VCÖ-Experte Gansterer. Und im Unterschied zur Schweiz waren im Vorjahr über den Brenner um über 100.000 Lkw mehr unterwegs als im Jahr 2011.

Der VCÖ weist auf die negativen Folgen der starken Zunahme des Lkw-Verkehrs hin: Tirol weist die höchste Stickstoffdioxid-Belastung Österreichs auf, der Jahresgrenzwert wird regelmäßig massiv überschritten. Hauptverursacher sind die Dieselabgase (Lkw fahren mit Diesel). Zusätzlich verursachen die Lkw eine gesundheitsschädliche Lärmbelastung für die Anrainerinnen und Anrainer. Und der zunehmende Lkw-Verkehr führt zu Straßenschäden und hohen Reparaturkosten. Ein einziger 40 Tonnen Lkw nützt die Straße so stark ab wie bis zu 50.000 Pkw.

Es ist wichtig, dass Tirol das sektorale Fahrverbot umsetzen kann . Schiene statt Lkw sind keine Einschränkung des freien Warenverkehrs, betont der VCÖ. Reine Transitfahrten sollten die Alpen idealerweise nur nach Verladung auf die Schiene queren.

„So lange im Lkw-Verkehr in der EU keine Kostenwahrheit besteht, können die Lkw-Kolonnen nur mit Maßnahmen, wie sektorale Fahrverbote oder Mengenbeschränkungen reduziert werden. Die Schweiz zeigt vor, was faire Transportkosten und konsequente Forcierung des Schienengüterverkehrs bringen“, betont VCÖ-Experte Gansterer. In der Schweiz ist die Lkw-Maut deutlich höher als in Österreich, weil auch die gesamten externen Kosten, wie Umwelt- und Gesundheitsschäden eingerechnet werden.

„Die EU sollte bei der Maut statt einer Obergrenze eine Mindestmaut für Lkw vorschreiben und dabei die externen Kosten mitberücksichtigen“, sieht VCÖ-Experte Gansterer die EU und ihre Mitgliedsstaaten gefordert. Zusätzlich gilt die Schweizer Lkw-Maut auf allen Straßen und nicht nur auf Autobahnen und Schnellstraßen. Und in der Schweiz wird Diesel gleich hoch besteuert wie Eurosuper.

In Österreich ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper. Eine aktuelle WIFO-Studie zeigt, dass dieses  Steuerprivileg für Diesel jährlich rund 640 Millionen Euro ausmacht. Der VCÖ weist darauf hin, dass in Italien 100 Liter Diesel um rund 25 Euro mehr kosten als in Österreich, die Abschaffung der Steuerbegünstigung von Diesel reduziert die Differenz auf rund 16 Euro. „All jene, die um Einnahmen aus dem Tanktourismus fürchten, können beruhigt werden. Die Lkw werden weiterhin ihre Tanks auf der Fahrt nach Italien in Österreich füllen“, so VCÖ-Experte Gansterer.

VCÖ: Allein über Brenner doppelt so viele Lkw wie über die gesamte Schweiz (Anzahl Lkw über Brenner in Klammer Anzahl Lkw über die 4  Schweizer Alpenübergänge)

Jahr 2015: 2,10 Millionen Lkw über Brenner  (1,01 Millionen Lkw über Schweiz)
Jahr 2014: 2,04 Millionen Lkw (1,03 Millionen Lkw)
Jahr 2013: 1,97 Millionen Lkw (1,05 Millionen Lkw)
Jahr 2012: 1,99 Millionen Lkw  (1,21 Millionen Lkw)
Jahr 2011: 1,97 Millionen Lkw (1,26 Millionen Lkw)
Jahr 2010: 1,90 Millionen Lkw (1,25 Millionen Lkw)
Jahr 2009: 1,82 Millionen Lkw (1,18 Millionen Lkw)

Quelle: BAV, VCÖ 2016

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