VCÖ: Im Jahr 2015 weniger Feinstaub, aber höhere Stickoxidbelastung

VCÖ (Wien, 4. Jänner 2016) – Im Jahr 2015 wurde nur in der Steiermark der Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten, macht der VCÖ aufmerksam. Österreichs Feinstaub-Hochburg ist nach wie vor Graz. Während die Feinstaubbelastung zurückgegangen ist, gab es im Jahr 2015 eine höhere Stickstoffdioxid-Belastung. Am höchsten war die Belastung im Tiroler Vomp an der A12 sowie in Wien am Hietzinger Kai. Der VCÖ fordert den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sowie verstärkte Maßnahmen gegen den wachsenden Lkw-Verkehr.

„Im Vorjahr lag weniger Feinstaub in Österreichs Luft als im Jahr 2014. Erstmals wurde Österreichs Grenzwert nur in der Steiermark überschritten“, weist VCÖ-Expertin Ulla Ramussen auf die Daten des Umweltbundesamts hin. Die Wetterlage wirkte sich positiv auf die Feinstaubbelastung aus: Durch die milden Wintermonate wurde weniger geheizt, Kaltfronten blieben aus. So lagen in Wien im Jahr 2015 die Tageshöchst-Temperaturen nur an zwei Tagen unter Null Grad, im Jahr 2014 war dies an zehn Tagen der Fall.

Wermutstropfen der vorläufigen Feinstaubbilanz: In Graz und in Leibnitz wurde nach vorläufigen Daten der EU-Grenzwert überschritten und die Feinstaubbelastung war hier höher als im Jahr 2014, betont der VCÖ. Bei der Messstelle Graz Süd war im Jahr 2015 nach vorläufigen Daten an 48 Tagen der Tagesmittelwert höher als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, bei der Messstelle Graz Ost an 46 Tagen und in Leibnitz an 36 Tagen. Österreichs Grenzwert liegt für Feinstaub PM 10 bei 25 Tagen, der EU-Grenzwert bei 35 Tagen.

Während die Feinstaubbelastung in großen Teilen Österreichs im Jahr 2015 zurückgegangen ist, war die Stickstoffdioxid (NO2) Belastung hingegen höher, macht der VCÖ aufmerksam. Vor allem bei den verkehrsnahen Messstellen in Tirol war die Belastung sehr hoch, am höchsten in Vomp an der A12. Hier wurde an 44 Tagen der Tagesmittelwert von 80 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft überschritten, im Jahr 2014 war dies an nur 16 Tagen der Fall. Auch bei der Messstelle Wien Hietzinger Kai war die Belastung höher: An 24 Tagen war hier der Tagesmittelwert höher als 80 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft, im Jahr 2014 waren es auch hier 16 Tage. Stickstoffdioxid ist gesundheitsschädlich, beeinträchtigt die Lungenfunktion und kann zu Atemwegserkrankungen führen.

Die Wetterlage hat auf die Stickoxidbelastung weniger Einfluss, weil diese vor allem vom Verkehr und hier wiederum hauptsächlich von den Dieselfahrzeugen verursacht werden. Tirol leidet unter dem starken Lkw-Verkehr

Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen gegen den wachsenden Lkw-Verkehr. Auf EU-Ebene ist rasch eine EU-weite Mindestmaut für Lkw einzuführen. Auch die Abschaffung der steuerlichen Begünstigung von Dieseltreibstoff führt zu mehr Kostenwahrheit im Lkw-Transport. In Österreich ist die Mineralölsteuer auf Diesel pro Liter um 8,5 Cent niedriger als auf Benzin. „Es ist unverständlich, dass Diesel niedriger besteuert wird, obwohl die Dieselabgase besonders gesundheitsschädlich sind“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Für die Luftqualität in den Ballungsräumen ist es zudem wichtig, dass mehr Pendlerinnen und Pendler die Möglichkeit haben auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. „Es braucht insgesamt ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz und in den Ballungsräumen mehr S-Bahnverbindungen. Damit wird nicht nur die Luftqualität besser, sondern Österreich kommt so auch den  Klimaschutzzielen näher“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Laut einer Studie des Grazer Wegener Zentrums für Klima und Globalen Wandel sind pro Jahr zusätzlich rund 830 Millionen Euro für die Verbesserung und den Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots in Österreich nötig, damit die Klimaziele erreicht werden.

VCÖ: Nur in der Steiermark wurde Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten (Tage im Jahr 2015 mit Tagesmittelwert von mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft, in Klammer Jahr 2014 - Erlaubter Jahresgrenzwert in Österreich: 25 Tage; Von der EU erlaubter Jahresgrenzwert: 35 Tage)

Graz Süd: 48 Tage (23 Tage)
Graz Ost: 46 Tage (37 Tage)
Graz Don Bosco: 41 Tage (27 Tage)
Leibnitz: 36 Tage (32 Tage)
Linz Römerberg B139: 25 Tage (27 Tage)
Kittsee: 21 Tage (23 Tage)
Fürstenfeld: 20 Tage (13 Tage)
Köflach: 20 Tage (12 Tage)
Innsbruck Reichenau: 19 Tage (8 Tage)
Wiener Neudorf: 18 Tage (15 Tage)
Graz Mitte: 18 Tage (9 Tage)
Klosterneuburg Bhf. Kierling: 17 Tage (neu, kein Vergleichswert)
Graz West: 16 Tage (18 Tage)
Schwechat: 15 Tage (2 Tage)
Stockerau: 15 Tage (18 Tage)
Linz 24er Turm: 15 Tage (24 Tage)
Stadlau: 15 Tage (22 Tage)
Klagenfurt Völkermarkter Straße: 14 Tage (0 Tage)
Floridsdorf: 14 Tage (18 Tage)
Linz Neue Walt: 13 Tage (15 Tage)
Judendorf Süd: 13 Tage (11 Tage)
Kaiser-Ebersdorf: 13 Tage (23 Tage)
Taborstraße: 13 Tage (27 Tage)
Wehlistraße/Südosttangente: 13 Tage (26 Tage)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2016

VCÖ: Stickstoffdioxid-Belastung in Österreich im Jahr 2015 höher als im Jahr 2014 (Anzahl Tage mit Tagesmittelwert von mehr als 80 Mikrogramm NO2/Kubikmeter Luft im Jahr 2015, in Klammer Jahr 2014)

Vomp (A12): 44 Tage (16 Tage)
Wien Hietzinger Kai: 26 Tage (16 Tage)
Hall in Tirol: 18 Tage (2 Tage)
Innsbruck Reichenau: 15 Tage (4 Tage)
Innsbruck Zentrum: 14 Tage (3 Tage)
Imst (A12): 9 Tage (1 Tag)
Lustenau: 9 Tage (0 Tage)
Linz Römerberg B139: 7 Tage (3 Tage)
Kundl (A12): 5 Tage (2 Tage)
Feldkirch: 5 Tage (5 Tage)
Hallein (A10): 4 Tage (0 Tage)
Lienz: 4 Tage (3 Tage)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2016

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