VCÖ: Im EU-Vergleich wird in Österreich besonders viel Diesel getankt

VCÖ: Steuerbegünstigung auf Diesel nicht gerechtfertigt

VCÖ (Wien, 6. Dezember 2016) – 78 Prozent der in Österreich getankten Treibstoffmenge ist Diesel. Damit liegt Österreich deutlich über den EU-Schnitt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Pro Kopf wird nur in Luxemburg noch mehr Diesel getankt als in Österreich. Die Mineralölsteuer auf Diesel ist in Österreich um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper, obwohl beim Verbrennen von Diesel deutlich mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe entstehen. Die Steuerbegünstigung von Diesel ist nicht gerechtfertigt, betont der VCÖ.

Im Jahr 1990 wurde in Österreich noch um 26 Prozent mehr Benzin getankt als Diesel. Seither ist die getankte Menge an Benzin von 3,3 auf 2,2 Milliarden Liter im Vorjahr zurückgegangen, während sich die in Österreich getankte Dieselmenge von 2,4 auf 7,6 Milliarden Liter mehr als verdreifacht hat, macht der VCÖ aufmerksam. Für heuer ist mit einer weiteren Zunahme auf rund 7,8 Milliarden Liter zu rechnen.

Im EU-Vergleich wird in Österreich mit rund 6,5 Millionen Tonnen besonders viel Diesel getankt, wie eine aktuelle  VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt. Während in Österreich der Diesel-Anteil 78 Prozent beträgt, sind es im EU-Schnitt 71 Prozent, in Deutschland 65 Prozent und in den Niederlanden 60 Prozent. Am niedrigsten ist der Diesel-Anteil in Zypern mit 39 Prozent, am höchsten in Litauen mit 86 Prozent.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl weist Österreich nach Luxemburg den zweithöchsten Wert von getanktem Dieseltreibstoff auf, so der VCÖ. Statistisch wurden im Vorjahr 0,63 Tonnen Diesel pro Kopf in Österreich getankt, im EU-Schnitt waren es 0,38 Tonnen, in Deutschland 0,40 Tonnen, in Italien 0,37 Tonnen und in den Niederlanden 0,34 Tonnen. In Italien kostet Diesel im Schnitt um 24 Cent pro Liter mehr als in Österreich.

In Österreich ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper. Damit wird jener Treibstoff steuerlich begünstigt, der beim Verbrennen mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe verursacht. Zudem entstehen beim Verbrennen von einem Liter Diesel mehr klimaschädliches CO2 als beim Verbrennen von einem Liter Eurosuper. „Die Steuerbegünstigung von Dieseltreibstoff ist nicht gerechtfertigt. Hier kann sich Österreich ein Beispiel an der Schweiz nehmen, wo Diesel seit langem gleich hoch besteuert wird wie Eurosuper“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest.

Der größte Nutznießer der steuerlichen Begünstigung von Diesel ist der Lkw-Transit, der vor allem auf der Route zwischen Deutschland und Italien seine Tanks in Österreich günstig füllt. Immer wieder wird das Steuerprivileg für Diesel mit den  Transportpreisen und deren Einfluss auf die Preise von Konsumgütern verteidigt.  Doch Transportpreise haben nur einen sehr geringen Anteil am Preis von Konsumgütern. Der Spritpreis ist wiederum nur ein Teil der gesamten Transportkosten, womit der Spritpreis kaum spürbare  Auswirkungen auf den Preis der Konsumgüter hat. Das ist auch umgekehrt, wenn Spritpreise sinken, erkennbar: So kostet ein Liter Diesel heute rund 40 Cent pro Liter weniger als im Herbst 2012, was sich nicht in einer Preissenkung bei Konsumgütern niederschlug.

Der VCÖ weist zudem auf das von Österreich ratifizierte Klimaabkommen von Paris hin. Bis zum Jahr 2050 muss der Verkehrssektor ohne Erdöl und andere fossile Energieträger funktionieren. "Steuerbegünstigungen für fossile Energieträger sind nicht mehr zeitgemäß", stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Laut WIFO beträgt die Steuerbegünstigung von Diesel mehr als 600 Millionen Euro pro Jahr.

 

VCÖ: Im EU-Vergleich wird in  Österreich besonders viel Diesel getankt (im Jahr 2015 getankte Dieselmenge pro Einwohner/in, in Klammer Anteil Diesel an getankter Spritmenge)

Luxemburg: 2,99 Tonnen (84 Prozent)

Österreich: 0,63 Tonnen (78 Prozent)

Slowenien: 0,62 Tonnen (74 Prozent)

Belgien: 0,60 Tonnen (84 Prozent)

Irland: 0,53 Tonnen (67 Prozent)

Frankreich: 0,48 Tonnen (83 Prozent)

Spanien: 0,44 Tonnen (82 Prozent)

Dänemark: 0,42 Tonnen (64 Prozent)

Litauen: 0,41 Tonnen (86 Prozent)

Deutschland: 0,40 Tonnen (65 Prozent)

Finnland: 0,39 Tonnen (61 Prozent)

Schweden: 0,38 Tonnen  (56 Prozent)

Großbritannien: 0,38 Tonnen (65 Prozent)

Estland: 0,37 Tonnen (67 Prozent)

Italien: 0,37 Tonnen (73 Prozent)

Portugal: 0,37 Tonnen (77 Prozent)

Tschechien: 0,36 Tonnen (71 Prozent)

Lettland: 0,34 Tonnen (77 Prozent)

Niederlande: 0,34 Tonnen (60 Prozent)

Kroatien: 0,28 Tonnen (69 Prozent)

Zypern: 0,27 Tonnen (39 Prozent)

Malta: 0,24 Tonnen (58 Prozent)

Polen: 0,24 Tonnen (72 Prozent)

Slowakei: 0,24 Tonnen (70 Prozent)

Ungarn: 0,23 Tonnen (66 Prozent)

Bulgarien: 0,22 Tonnen (76 Prozent)

Griechenland: 0,20 Tonnen (44 Prozent)

Rumänien: 0,18 Tonnen (72 Prozent)

EU 28: 0,38 Tonnen (71 Prozent)

Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2016

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