VCÖ: Im 1. Halbjahr starke Zunahme des Autoverkehrs auf Österreichs Autobahnen

VCÖ: Anreize für betriebliches Mobilitätsmanagement, Pkw-Stellplatzverpflichtung reformieren

VCÖ (Wien, 21. Juli 2017) – Der Autoverkehr auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen ist heuer im 1. Halbjahr stark gestiegen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Bei 66 von 105analysierten Zählstellen nahm der Pkw-Verkehr um mehr als drei Prozent zu. Der VCÖ betont, dass verstärkte Maßnahmen bei den Verkehrsquellen nötig sind. Für Betriebe soll es Anreize zur Umsetzung von Mobilitätsmanagement geben, die Pkw-Stellplatzverpflichtung für Wohngebäude ist umfassend zu ändern.

„Der Autoverkehr nimmt derzeit ungebremst zu. Wir bewegen uns regelrecht mit Vollgas von den Verkehrs- und Klimazielen weg“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Der VCÖ hat die Daten von 105 Asfinag-Zählstellen analysiert: Bei 83 nahm der Pkw-Verkehr im 1. Halbjahr um mehr als zwei Prozent zu, bei 43 sogar um mehr als vier Prozent.

Noch drastischer fällt die Zunahme im Vergleich zum 1. Halbjahr 2012 aus, wie die VCÖ-Analyse zeigt. So waren heuer auf der A21 im 1. Halbjahr bei Brunn am Gebirge um 14,9 Prozent mehr Pkw unterwegs als vor fünf Jahren, auf der A1 bei Haid um 16,4 Prozent und auf der A3 bei Großhöflein ist der Autoverkehr um 21,3 Prozent gestiegen. Wie sehr Einkaufszentren Verkehr verursachen, zeigt die Zählstelle A4 bei Parndorf: Hier nahm der Autoverkehr binnen fünf Jahren sogar um rund 40 Prozent zu, informiert der VCÖ.

„Die Zunahme des Autoverkehrs hat mehrere Gründe. So führen zusätzliche Fahrbahnen zu mehr Verkehr. Zudem ist in den vergangenen fünf Jahren der Spritpreis deutlich gesunken“, erklärt VCÖ-Expertin Rasmussen. Heute kostet ein Liter Sprit im Schnitt um rund 35 Cent weniger als noch vor fünf Jahren. Mit Maßnahmen wie der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung und der Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs kann die Zunahme des Autoverkehrs gebremst werden, wie die Zählstelle Pressbaum auf der A1 Westautobahn zeigt. Hier waren heuer nur um ein Prozent mehr Pkw unterwegs als vor fünf Jahren.

Der VCÖ betont, dass vor allem in den Ballungsräumen das Öffentliche Verkehrsangebot und die Radfahrinfrastruktur auszubauen und zu verbessern sind. Es braucht ein dichteres S-Bahnnetz sowie häufigere Verbindungen. Kreuzungsfreie Radschnellverbindungen, so genannte Rad-Highways, vom Umland in die Städte würden zahlreichen Pendlern aus dem Speckgürtel den Umstieg vom Auto aufs Rad ermöglichen.

Darüber hinaus sind verstärkte Maßnahmen bei den Verkehrsquellen nötig. Der VCÖ spricht sich für Anreize für Unternehmen aus, Mobilitätsmanagement umzusetzen. Viele Beispiele zeigen, dass mit betrieblichem Mobilitätsmanagement mehr Beschäftigte mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit kommen. Zudem ist die Pkw-Stellplatzverpflichtung für neue Wohn- und Bürogebäude zu reformieren. Statt der Mindestanzahl soll eine Obergrenze für Pkw-Parkplätze eingeführt werden. „Die derzeitige Regelung verteuert das Wohnen, verursacht mehr Autoverkehr und damit mehr Staus“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Ein weiterer Verkehrserreger sind Einkaufszentren am Ortsrand. Eine Parkplatzabgabe ist ein Anreiz für die Einkaufszentren, die Erreichbarkeit mit Bahn oder Bus zu verbessern und die Zahl der Parkplätze zu verringern.

Die am stärksten befahrene Autobahn Österreichs ist übrigens die A23 Südost-Tangente, dahinter folgen die A2 Südautobahn und die A22 Donauuferautobahn. Bei der Zählstelle A23 St. Marz waren heuer im 1. Halbjahr im Schnitt 166.730 Pkw pro Tag unterwegs.

 

VCÖ: Bei den meisten Abschnitten hat Autoverkehr zugenommen (Durchschnittliche Anzahl Pkw pro Tag im 1. Halbjahr 2017, in Klammer Änderung gegenüber 1. Halbjahr 2016 – Auswahl von Zählstellen)

A23 St. Marx: 166.730 Pkw pro Tag (plus 5,1 Prozent)
A2 Schönbrunner Allee: 147.030 Pkw pro Tag (plus 1,8 Prozent)
A2 Ast Industriezentrum NÖ: 134.980 Pkw pro Tag (plus 1,9 Prozent)
A22 Kaisermühlen: 100.680 Pkw pro Tag (kein Vergleichswert zum Vorjahr)
A1 Haid: 90.130 Pkw pro Tag (plus 3,1 Prozent)
A7 Bindermichl: 89.610 Pkw pro Tag (kein Vergleichswert zum Vorjahr)
A21 Brunn am Gebirge: 76.860 Pkw pro Tag (kein Vergleichswert zum Vorjahr)
A7 Freindorf: 76.670 Pkw pro Tag (plus 1,7 Prozent)
A4 Simmeringer Haide: 70.890 Pkw pro Tag (plus 0,4 Prozent)
A1 Wals: 67.100 Pkw pro Tag (plus4,3 Prozent)
S1 Laxenburger Straße: 65.470 Pkw pro Tag (plus 2,8 Prozent)
A10 Anif: 59.630 Pkw pro Tag (plus 6,1 Prozent)
A4 Flughafen Wien Schwechat: 59.180 Pkw pro Tag (kein Vergleichswert zum Vorjahr)
A14 Dornbirn: 52.170 Pkw pro Tag (plus 4,4 Prozent)
A25 Wels: 45.710 Pkw pro Tag (plus 3,9 Prozent)
A4 Parndorf: 41.230 Pkw pro Tag (plus 4,5 Prozent)
A8 Krenglbach: 41.060 Pkw pro Tag (plus 3,2 Prozent)
A13 Gärberbach: 40.470 Pkw pro Tag (plus 4,3 Prozent)
A12 Zirl: 40.050 Pkw pro Tag (plus 2,7 Prozent)
S5 Zaina: 30.690 Pkw pro Tag (plus 5,2 Prozent)
S33 Pottenbrunn: 28.460 Pkw pro Tag (plus 4,3 Prozent)
A5 Schrick: 24.350 Pkw pro Tag (plus 2,1 Prozent)
S31 Wulkaprodersdorf: 23.600 Pkw pro Tag (plus 4,0 Prozent)
S36 Zmöllach: 19.190 Pkw pro Tag (plus 2,1 Prozent)
S35 Ungersdorf: 18.390 Pkw pro Tag (plus 6,3 Prozent)
S16 Grins: 14.570 Pkw pro Tag (plus 1,4  Prozent)
A11 Karawankentunnel: 6.820 Pkw pro Tag (plus 12,1 Prozent)

Quelle: Asfinag, VCÖ 2017

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