VCÖ für kilometerabhängige Maut statt Pkw-Vignette - 12.06.2013

Der VCÖ begrüßt den klaren Beschluss des EU-Parlaments für eine kilometerabhängige Pkw-Maut. Der VCÖ weist darauf hin, dass bereits in acht EU-Staaten die Maut nach den gefahrenen Kilometern berechnet wird. Die in Österreich geltende Pkw-Vignette benachteiligt alle Autofahrer, die wenig fahren gegenüber Vielfahrer. Zudem kann die Vignette die Tarife weder nach Schadstoffklassen, noch nach Tageszeiten staffeln.

„Eine Modernisierung der Pkw-Mautsysteme in der EU ist höchst an der Zeit“, begrüßt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer den Beschluss des EU-Parlaments für ein kilometerabhängiges Mautsystem. 516 Parlamentarier stimmten dafür, nur 111 Abgeordnete waren dagegen. In bereits acht EU-Staaten wird die Pkw-Maut nach den gefahrenen Kilometern berechnet. In sieben EU-Staaten gibt es eine Pkw-Maut in Form der Vignette, bei der unabhängig von den gefahrenen Kilometern ein Fixbetrag zu bezahlen ist. In den anderen EU-Staaten gibt es nur auf bestimmten Strecken eine Sondermaut oder gar keine Maut.

Die in Österreich geltende Pkw-Vignette benachteiligt Wenigfahrer gegenüber Vielfahrer. Autofahrer, die 1.500 Kilometer pro Jahr auf Autobahnen und Schnellstraßen fahren, zahlen pro Kilometer sieben Mal so viel wie jene, die 10.000 Kilometer fahren. „Vielfahren zu belohnen und Autofahrer, die weniger fahren, mit höheren Kilometergebühren zu bestrafen, steht im krassen Widerspruch zu den Klima- und Energiezielen“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Zudem ist die Vignette eine Gebühr für die Straßenbenützung. Deshalb sollte für jeden gefahrenen Kilometer gleich viel zu bezahlen sein.

Die Pkw-Vignette ist auch sozial ungerecht: Wohlhabende Haushalte fahren mehr Kilometer mit dem Auto als Wenigverdiener. Die 25 Prozent der Haushalte mit dem höchsten Einkommen fahren im Schnitt fast fünf Mal so viele Kilometer  mit dem Auto wie die 25 Prozent der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen, macht der VCÖ aufmerksam. „In der Vergangenheit wurden auch Pendler als Totschlagargument gegen eine fahrleistungsabhängige Maut missbraucht. Dabei kann für jene, die aufs Auto angewiesen sind, um in die Arbeit zu kommen, der Betrag nach oben gedeckelt werden“, betont VCÖ-Experte Gansterer. In Österreich haben laut Arbeiterkammer nur 17 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsweg von mehr als 30 Kilometer. Von den rund 170.000 Pendlern, die mehr als eine Stunde unterwegs sind, fahren rund 60 Prozent mit Bahn oder Bus zur Arbeit.

Weitere Schwachstelle der Pkw-Vignette: Sie leistet keinen Beitrag zur Stauvermeidung. Fahrleistungsabhängige Mautsysteme ermöglichen tageszeitlich gestaffelte Tarife, die Auslastung der Straßen wird damit gleichmäßiger, wodurch Staus vermieden werden. Wie bei der Lkw-Maut ist zudem eine Ökologisierung der Tarife möglich: Autos, die weniger Schadstoffe verursachen, zahlen auch weniger.

Auch für die rund 370.000 Autofahrer mit Wechselkennzeichen bringt ein elektronisches Mautsystem eine Entlastung. Derzeit muss für jedes Auto eine Vignette geklebt werden, obwohl das Wechselkennzeichen sicherstellt, dass nicht mit beiden Pkw gleichzeitig gefahren werden kann. „So wie der Papier-Krankenschein, ist auch die Vignette nicht mehr zeitgemäß. Es ist höchste Zeit, dass die technologischen Möglichkeiten genutzt werden und ein intelligentes und gerechteres System mit ökologischen Anreizen umgesetzt wird“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Pro Jahr legen Pkw auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen rund 23,5 Milliarden Kilometer zurück, etwa 25 bis 30 Prozent davon werden von Pkw mit ausländischem Kennzeichen gefahren.

VCÖ: Pkw-Vignette bestraft Wenigfahrer und belohnt Vielfahrer
(Kilometergebühr für Benützung von Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich)

Bei 1.000 Kilometer pro Jahr: 8,06 Cent pro Kilometer
Bei 1.500 Kilometer pro Jahr: 5,37 Cent pro Kilometer
Bei 2.000 Kilometer pro Jahr: 4,03 Cent pro Kilometer
Bei 3.000 Kilometer pro Jahr: 2,69 Cent pro Kilometer
Bei 4.000 Kilometer pro Jahr: 2,02 Cent pro Kilometer
Bei 5.000 Kilometer pro Jahr: 1,61 Cent pro Kilometer
Bei 10.000 Kilometer pro Jahr: 0,80 Cent pro Kilometer
Quelle: VCÖ 2013


VCÖ: In acht EU-Staaten gibt es bereits eine kilometerabhängige Maut

Kilometerabhängige Maut: Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Polen, Portugal und Spanien Pkw-Maut in Form von Vignette: Bulgarien, Österreich, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.
Pkw-Maut nur auf einzelnen Strecken: Belgien, Dänemark, Deutschland, Litauen, Lettland, Niederlande, Schweden.
Keine Maut: Estland, Finnland, Luxemburg, Malta, Zypern.
Quelle: VCÖ 2013

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