VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen gegen „toten Winkel“ bei Lkw

VCÖ (Wien, 24. Mai 2016) – Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen gegen den „Toten Winkel“ bei Lkw. Gestern verlor in Wien ein zehnjähriges Mädchen sein Leben, weil es ein Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen übersehen hatte. Durch technische Maßnahmen wie Fahrassistenz-Systeme sowie Veränderungen bei der Beifahrertür kann die Sicherheit deutlich erhöht werden. Der VCÖ spricht sich dafür aus, dass Lkw verpflichtend mit elektronischen Abbiegeassistenten ausgerüstet werden.

In Österreich sind Lkw in rund drei Prozent der Verkehrsunfälle mit Personenschaden beteiligt, der Anteil an den tödlichen Unfällen ist mit rund zwölf Prozent vier Mal so hoch, macht der VCÖ aufmerksam. „Lkw sind ein tödlicher Unfallgegner“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Pro Jahr sterben in Österreich rund 50 Menschen bei Verkehrsunfällen mit Lkw-Beteiligung. Allein heuer starben in Wien bereits fünf Menschen bei Verkehrsunfällen mit Lkw-Beteiligung – gestern kam ein zehnjähriges Mädchen ums  Leben, weil ein Lkw-Fahrer das Mädchen übersah.

Der „Tote Winkel“ ist eines der größten Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit Lkw. „Die Situation ist extrem ärgerlich. Jedes Jahr sterben EU-weit zahlreiche Menschen, weil sie von abbiegenden Lkw übersehen werden. Und das, obwohl es seit fast zehn Jahren Fahrassistenz-Systeme gibt, die genau solche Unfälle vermeiden könnten“, kritisiert VCÖ-Experte Gansterer. Der VCÖ fordert,  dass der Einbau dieser Assistenzsysteme für die Hersteller verpflichtend wird und in einem zweiten Schritt eine Nachrüstung bestehender Lkw mit Fahrassistenz-Systemen verordnet wird. „Man möchte selbstfahrende Autos auf die Straße bringen und ist gleichzeitig aber offenbar nicht Willens, Lkw mit lebensrettenden Fahrassistenzsystemen standardmäßig auszurüsten. Das ist einfach unverständlich“, ist VCÖ-Experte Gansterer verärgert.

Auch die Ausstattung der Beifahrertür mit einem Sichtfenster würde die Sicht für die Lkw-Fahrer deutlich erhöhen. Auch diese Verbesserung wurde bisher nicht umgesetzt. Der Münchner Unfallforscher  Wolfram Hell schätzt, dass mit „Totwinkel-Erkennungssystemen“ bis zu 70 Prozent dieser tödlichen Lkw-Unfälle vermeidbar sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind infrastrukturelle Maßnahmen. Dem Radverkehr ist mehr Platz einzuräumen, Radfahrstreifen sind zu verbreitern und bei Kreuzungen sind vorgezogene Haltelinien umzusetzen. "Die vorgezogenen Haltelinien sorgen dafür, dass Radfahrerinnen und Radfahrer nicht neben einem Lkw stehen, sondern vor dem Lkw und damit sind sie sichtbar und sicherer", erklärt VCÖ-Experte Gansterer.

Insgesamt ist in den Städten der Lkw-Verkehr zu verringern. „Europaweit zeigen mittlerweile bereits viele Beispiele, dass durch verbesserte Logistik und den Einsatz von kleineren Transportern bis hin zu Lastenfahrrädern die Zahl der Lkw-Fahrten deutlich verringert werden kann. Und damit steigt auch die Verkehrssicherheit in den Städten“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

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