VCÖ fordert nach Audi-Geständnis unabhängige Prüfkommission: Umfassende Untersuchungen nötig

VCÖ (Wien, 24. November 2015) – Und schon wieder ist etwas passiert. Gestern Abend hat Audi zugegeben, dass auch 3 Liter Motoren für die Oberklasse mit einer Software ausgestattet sind, die die Abgaswerte manipuliert. Der VCÖ fordert, dass endlich auch auf EU-Ebene und in Österreich eine unabhängige Prüfkommission eingerichtet wird, die die Fahrzeuge auf ihre tatsächlichen Emissionen beim Fahren überprüft. Zudem ist in Österreich der Schaden durch die zusätzliche Luftverschmutzung zu erheben, betont der VCÖ.

„Genug ist genug. VW und seine Konzerntöchter hatten nun mehr als zwei Monate Zeit, die ganze Wahrheit ans Licht zu bringen. Stattdessen wird offenbar nur das zugegeben, was US-Behörden durch Überprüfungen entdecken. Es ist daher höchste Zeit, dass die EU und Österreich endlich auch eine unabhängige Prüfkommission einrichten, um die Fahrzeuge auf ihre tatsächlichen Emissionen hin zu untersuchen“, fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen Konsequenzen, nachdem der Audi-Konzern zugegeben hat, dass auch bei 3-Liter-Motoren manipuliert wird.

Die Software fährt die Abgasreinigung hoch, wenn sie eine Testsituation erkennt. Die Folge: Beim Fahren auf der Straße wird die Luft mit viel mehr Schadstoffen verschmutzt, als auf dem Papier steht. „Wenn mehr Schadstoffe beim Auspuff rauskommen, heißt das, dass in die Lungen der Menschen mehr Schadstoffe reinkommen. Hier wird die Bevölkerung bewusst einer erhöhten Schadstoffbelastung ausgesetzt. Es ist höchste Zeit, dass die Politik zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung handelt“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der VCÖ weist auf die Gesundheitsfolgen der Stickoxide hin. Vor allem Stickstoffdioxid (NO2) ist besonders gesundheitsschädlich. Dieses Reizgas verursacht Entzündungen in den Atemwegen. Dadurch kommt es unter anderem zu Asthmaanfällen und Beeinträchtigungen der Lungenfunktion. Auf kindliche Atemwege sind die Auswirkungen einer chronischen Belastung besonders stark: Verzögerungen des Lungenwachstums haben Folgen bis ins Erwachsenenalter.

Der VCÖ weist darauf hin, dass im Vorjahr in Österreich an etlichen Messstellen der Jahresgrenzwert von maximal 35 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft massiv überschritten wurde. Am stärksten war die Verschmutzung der Luft mit Stickstoffdioxid in Vomp in Tirol (57 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft), gefolgt von drei Messstellen in Salzburg und jene am Hietzinger Kai in Wien (49). Auch in Kundl, Feldkirch, Graz, Gärberbach, Lustenau, Hallein, Lienz, Innsbruck, Höchst, Wien Taborstraße, Imst und Hall wurde der Jahresgrenzwert überschritten.

"Die Abgas-Grenzwerte wurden nicht fürs Labor geschaffen. Ziel muss es daher sein, dass die Fahrzeuge beim Fahren auf der Straße die Abgasgrenzwerte einhalten", betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Derzeit verursachen viele neue Dieselfahrzeuge beim Fahren deutlich mehr Schadstoffe als auf dem Papier steht. Bei Messungen des europäischen Forschungsinstituts ICCT haben neue EURO6-Dieselautos sieben Mal so hohe Stickoxid-Emissionen aufgewiesen wie am Papier steht. Dieses Problem gibt es nicht nur bei Fahrzeugen der VW-Gruppe.

Laut Studie des Umweltbundesamts resultierten  allein im Jahr 2010 in Österreich aus der Lücke zwischen der offiziellen EU-Abgasnorm und den tatsächlichen Emissionen 25.000 Tonnen Stickoxidemissionen (von insgesamt 144.000 Tonnen NOx-Emissionen). Den Schaden durch diese zusätzlichen Stickoxid-Emissionen beziffert das Umweltbundesamt mit 438 Millionen Euro pro Jahr. 

„Eine Erkenntnis des Dieselskandals ist auch, dass die Schadstoffprobleme des Verkehrs nur zu lösen sind, wenn weniger Autos und Lkw fahren. Deshalb ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln aber auch an guter Infrastruktur für das Radfahren und Gehen schneller und umfassender auszubauen als derzeit geplant“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

VCÖ: Bei vielen Messstationen war gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid-Belastung zu hoch (Grenzwert für Jahresmittelbelastung: 30 Mikrogramm / Kubikmeter Luft (plus 5 Mikrogramm Toleranzgrenze), im Jahr 2014)

Vomp Raststätte A 12: 57
Stadt Salzburg A1: 51
Stadt Salzburg Rudolfsplatz: 50
Wien Hietzinger Kai: 49
Hallein A10: 49
Kundl A12: 48
Linz Römerbergtunnel: 46
Feldkirch Bärenkreuzung: 46
Enns Kristein: 45
Graz Don Bosco: 44
Lustenau Zollamt: 43
Mutters / Gärberbach A13: 43
Lienz Amlacherkreuzung: 39
Hallein B159: 39
Wien Taborstraße: 38
Höchst Gemeindeamt: 38
Innsbruck Fallmerayerstraße: 38
Imst A12: 36
Hall (bei Sportplatz): 36

Quelle: Bundesländer, VCÖ 2015

Zurück zur Übersicht