VCÖ fordert mehr Gemeindebusse für ländliche Regionen

VCÖ (Wien, 18. Februar 2014) - Am Land weist der öffentliche Verkehr große Lücken auf. Die Abhängigkeit vom Auto ist groß. Der VCÖ weist darauf hin, dass in Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern 715.000 Menschen über 15 Jahre leben, die selber kein Auto lenken. Praxisbeispiele zeigen, dass Gemeindebusse eine gute Lösung sind, um der Bevölkerung in dünnbesiedelten Regionen öffentlichen Verkehr anbieten zu können. Vor allem für ältere Menschen und für Jugendliche sind Gemeindebusse wichtig. Der VCÖ fordert als Ergänzung zum Linienverkehr mehr Gemeindebusse.

In vielen kleinen Gemeinden Österreichs gibt es abgesehen von Schulbussen keine öffentlichen Verkehrsmittel. "Die Abhängigkeit vom Auto ist groß. Für alle, die selber kein Auto lenken können, ist das eine massive Einschränkung ihrer Mobilität. Vor allem ältere Menschen, aber auch Jugendliche sind von dieser Form der Mobilitätsarmut stark betroffen", stellt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer fest.

Eine VCÖ-Analyse zeigt, dass in Österreichs Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern rund 715.000 Menschen (über 15 Jahre) selber kein Auto lenken. Weitere 275.000 Personen aus diesen Gemeinden fahren nur ein paar Mal im Jahr selber mit dem Auto. Dazu kommt noch eine große Anzahl von Menschen, die in Ein-Auto-Haushalten wohnen und tagsüber kein Auto zur Verfügung haben. Der demografische Wandel wird den Bedarf an Öffentlichem Verkehr stark erhöhen. Im Jahr 2030 werden in Österreich rund eine Million Menschen 75 Jahre oder älter sein, macht der VCÖ aufmerksam.

Der VCÖ fordert für die kleinen Gemeinden Österreichs Gemeinde- oder Rufbusse oder Anruf-Sammeltaxis. "Dieser sogenannte Mikro-ÖV schließt vorhandene Mobilitätslücken. Mikro-ÖV kommt idealerweise dort zum Einsatz, wo kein Linienbus fährt oder wo es keine Verbindung des Ortes zum nächsten Bahnhof gibt", erklärt VCÖ-Experte Gansterer. Erfolgreich sind etwa die Gemeindebusse in den nordburgenländischen Orten Pöttsching, Breitenbrunn, Purbach und Hornstein. Allein der seit dem Jahr 2000 bestehende "Gmoabus" in Pöttsching wird jährlich von rund 30.000 Fahrgästen genutzt. Mikro-ÖV gibt es auch in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg. und Kärnten (GO-MOBIL).

Im Idealfall arbeiten mehrere Gemeinden zusammen. Damit erweitert sich das Gebiet, in dem der Gemeindebus fährt und die Kosten für die Gemeinden werden geringer. Wenn es örtliche Taxi- oder Bus-Unternehmen gibt, sind diese unbedingt einzubinden. Von den Gemeindebussen profitieren auch die Betriebe und die Nahversorger im Ort. Gemeindebusse helfen, dass die Wirtschaft und der soziale Zusammenhalt im Ort gestärkt werden. Ältere Menschen können wieder selbständig den Arzt besuchen, Einkäufe erledigen oder Freunde und Bekannte besuchen. "Die Haushalte werden durch Gemeindebusse zudem finanziell entlastet. Derzeit haben in kleinen Gemeinden zahlreiche Haushalte ein zweites oder drittes Auto, was sehr teuer kommt", weist VCÖ-Experte Gansterer auf einen weiteren Aspekt hin.

Derzeit werden Gemeinden bei der Einführung bzw. Erweiterung von Mikro-ÖV-Systemen vom Klima- und Energiefonds durch das Förderprogramm  "Mikro-ÖV-Systeme für den Nahverkehr im ländlichen Raum" unterstützt. Das Programm geht im Jahr 2014 bereits in die 4. Ausschreibungsrunde, gestartet wird diese voraussichtlich Mitte des Jahres. Klima- und Energiefonds-Geschäftsführerin Theresia Vogel: "Wir konnten im Sinne der ,sanften Mobilität' wichtige Impulse setzen, um örtlich verankerte und kleinräumig organisierte Mikro-ÖV-Lösungen zu initiieren, die sich an den Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung orientieren. Dabei geht es um Angebote, die leistbar sind und nachhaltig das Klima entlasten." Seit dem Jahr 2011 wurden durch den Klima- und Energiefonds 24 Grundlagenarbeiten sowie 25 Projekte initiiert, die sich an den Bedürfnissen der regionalen Bevölkerung orientieren.  Zudem gibt es in Niederösterreich und dem Burgenland Landesförderungen für den laufenden Betrieb.

VCÖ-Factsheet zum Thema: http://www.vcoe.at/de/publikationen/vcoe-factsheets/details/items/mikro-oev-kann-mobilitaet-in-gemeinden-deutlich-verbessern

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