VCÖ fordert korrektere Angaben zum Spritverbrauch von Neuwagen - 28.05.2013

Laut einer heute veröffentlichten Studie des ICCT (International Council on Clean Transportation) ist der tatsächliche Spritverbrauch der Neuwagen um ein Viertel höher als von den Herstellern angenommen. Der VCÖ kritisiert, dass dadurch Umwelt und Autofahrer zusätzlich belastet werden. Der VCÖ fordert eine Reform des Fahrtestzyklus, da der jetzige veraltet ist und viele Schlupflöcher aufweist.


In der EU ist der reale Spritverbrauch von Neuwagen im Schnitt um rund ein Viertel höher als die Herstellerangaben versprechen. Seit dem Jahr 2007 geht die Schere zwischen Normverbrauch und tatsächlichem Verbrauch zum Schaden der Autofahrer und der Umwelt immer weiter auseinander. Der VCÖ kritisiert, dass der Testzyklus völlig veraltet ist. Autohersteller nutzen laut Studie rund 20 Schlupflöcher, um den Spritverbrauch künstlich zu verringern.

Seit dem Jahr 2007 ist der Spritverbrauch der Neuwagenflotte in der EU um rund einen Liter pro 100 Kilometer gesunken. „Doch leider nur auf dem Papier. Fast die Hälfte des Rückgangs kommt nicht den Autofahrern und der Umwelt zugute, sondern ist auf kreative Tricks der Autohersteller beim völlig veralteten Fahrtestzyklus zurückzuführen“, weist VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen auf die Ergebnisse der heute veröffentlichten Studie des ICCT hin. 

Die Studie stellt fest, dass die Abweichung zwischen Herstellerangaben und dem realen Verbrauch der Fahrzeuge seit dem Jahr 2007 auffallend stark gestiegen ist. "Der versprochene Spritverbrauch wird beim tatsächlichen Autofahren oft deutlich überschritten. Der Grund: Die realen Fahrbedingungen unterscheiden sich von den Testbedingungen wie die Nacht vom Tag und das gekaufte Auto unterscheidet sich stark vom gestesteten Auto“, erklärt VCÖ-Expertin Rasmussen.

Das Auto wird beim Test von den Herstellern optimiert. Die häufigsten Tricks beim Testzyklus: Spezialöle und Spezialreifen werden eingesetzt. Es wird verhindert, dass die Batterie sich während des Tests auflädt. Die Bremsen werden verändert, um Reibung auszuschließen. Das leichteste Modell wird getestet, alle Extras, die sonst häufig zur Standardausstattung gehören, werden für den Test ausgebaut. Die Tests finden bei Idealtemperaturen statt. Und zusätzlich dürfen die Hersteller das Ergebnis um vier Prozent reduzieren – einfach so. Der VCÖ kritisiert, dass die Testvorgaben völlig veraltet sind: So ist die Klimaanlage ausgeschaltet, obwohl diese Standard bei jedem Neuwagen ist. Auch die Beschleunigungsphasen und das Tempo entsprechen nicht der Realität.

„Aufgrund der gestiegenen Spritpreise ist der Verbrauch für viele Autokäufer ein wichtiges Kriterium. Wer sich ein neues Auto in der Erwartung eines deutlich verringerten Verbrauchs kauft, erlebt häufig eine herbe Enttäuschung. Wir setzen uns dafür ein, dass die Autofahrer im Sinne des Konsumentenschutzes korrekt über den tatsächlichen Spritverbrauchs des Autos informiert werden“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen eine rasche Änderung des Testzyklus.

Link zur Studie des ICCT

Zurück zur Übersicht