VCÖ fordert im Abgasskandal rasche Aufklärung über alle betroffenen Pkw-Modelle

VCÖ fordert im Abgasskandal rasche Aufklärung über alle betroffenen Pkw-Modelle

VCÖ (Wien, 20. Jänner 2016) – Laut französischem Umweltministerium wurden nicht nur bei Renault zu hohe Schadstoffwerte bei neuen Diesel-Pkw beim Fahren auf der Straße festgestellt. Der VCÖ kritisiert die mangelnden Informationen der Behörden über die betroffenen Modelle. Wenn beim Fahren auf der Straße erhöhte Schadstoffmengen in die Luft gelangen, dann wird die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet. Der VCÖ fordert, dass die Zulassungsbehörde der zuständigen Staaten alle Diesel-Neuwagen einer erneuten Überprüfung unterziehen.

Nach VW muss nun auch Renault Diesel-Pkw wegen zu hoher Schadstoffwerte zurückrufen. „Das ist aber offenbar nur die Spitze des Eisbergs“, verweist VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen auf die Aussagen der französischen Umweltministerin und von Renault. Beide haben festgestellt, dass auch andere Hersteller betroffen seien. „Die Behörden sind aufgerufen, unverzüglich bekannt zu geben, bei welchen Modellen erhöhte Schadstoffmengen die Luft verschmutzen. Je mehr Schadstoffe bei den Auspuffen rauskommen, umso mehr Schadstoffe gelangen in die Lungen der Menschen. Vor allem für Kinder, deren Lungen sich im Wachstum befinden, sind Stickoxide sehr gesundheitsschädlich“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Frankreich hat nach Bekanntwerden des VW-Skandals begonnen, 100 Modelle nach dem Zufallsprinzip auszuwählen und zu testen. Laut Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal haben bei den bisher getesteten Modellen „Autos einiger Marken“ stark erhöhte Werte beim Fahren auf der Straße aufgewiesen. Der VCÖ weist darauf hin, dass auch frühere Messungen von unabhängigen Instituten festgestellt haben, dass ausgewählte EURO6 Diesel Pkw beim Fahren auf der Straße den Labor-Grenzwert für Stickoxide um ein Vielfaches überschreiten. Gleichzeitig zeigen die Rückruf-Aktionen von VW und Renault, dass es technisch ein Leichtes ist, die Schadstoffwerte zu reduzieren.

„Rechtlich ist es relevant, ob, wie bei VW eine Schummel-Software eingebaut wurde oder nicht. Für die Gesundheit der Bevölkerung ist aber einzig und alleine relevant, welche Schadstoffmengen bei den Auspuffen auf der Straße rauskommen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Seit Bekanntwerden des VW-Skandals sind vier Monate vergangen. Wenn Hersteller, deren Modelle beim Fahren offenbar zu hohe Schadstoffmengen emittieren, nicht von sich aus aktiv werden, müssen die Behörden endlich konsequent handeln. Der VCÖ weist darauf hin, dass in Österreich allein seit dem Jahr 2010 mehr als eine Million Diesel-Pkw neu zugelassen wurden. „Wie viele davon sind Modelle, die beim Fahren erhöhte Schadstoffmengen verursachen? Die Bevölkerung hat das Recht, das zu erfahren“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Österreichs Regierung soll daher jene Staaten, die Typgenehmigungen für Kfz vornehmen, auffordern, die neuen Diesel-Pkw einer erneuten Prüfung zu unterziehen und auch die Emissionswerte beim Fahren auf der Straße zu prüfen. Auch die EU ist gefordert, diese nochmalige Überprüfung von den Mitgliedstaaten zu verlangen.

Zudem fordert der VCÖ die Abschaffung der steuerlichen Begünstigung von Dieseltreibstoff. Trotz der höheren gesundheitsschädlichen Schadstoffe von Dieselabgasen ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper.

VCÖ: Allein seit dem Jahr 2010 mehr als eine Million neue Diesel-Autos in Österreich (Anzahl Neuzulassungen von Diesel-Pkw in Österreich)

Jahr 2015: 179.822
Jahr 2014: 172.381
Jahr 2013: 180.901
Jahr 2012: 189.622
Jahr 2011: 194.721
Jahr 2010: 167.130

Summe: 1.084.577

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016

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