VCÖ fordert ein Öffi-Pendler-Paket: Häufigere Verbindungen, dichteres Öffi-Netz

VCÖ (Wien, 11. Dezember 2013) – Bereits 2,1 Millionen Österreicher sind Pendler, macht der VCÖ aufmerksam. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass die Anzahl der Pendler in den vergangenen 20 Jahren um 44 Prozent gestiegen ist. Der VCÖ fordert ein umfassendes Öffi-Pendler-Paket. Es braucht für Pendler in die Ballungsräume häufigere Bahn- und Busverbindungen sowie ein dichteres Öffi-Netz. Jede Bezirkshauptstadt Österreichs soll optimal mit Bahn und Bus erreichbar sein.

Die Zahl der Pendlerinnen und Pendler ist in den vergangenen 40 Jahren massiv gestiegen. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass es heute drei Mal so viele Pendler gibt wie noch im Jahr 1971. Im Jahr 1971 arbeiteten laut Statistik Austria 786.000 Personen außerhalb ihres Wohnortes, heute sind es bereits mehr als 2,1 Millionen. In der gleichen Zeit ist der Zahl der Erwerbstätigen aber nicht einmal um ein Drittel von rund 3,1 auf knapp mehr als 3,9 Millionen gestiegen. Allein seit dem Jahr 1991nahm die Zahl der Pendler um rund 650.000 zu, das sind so viele Menschen wie Graz, Linz, Innsbruck und Klagenfurt gemeinsam Einwohner haben.

„Das Angebot an Bahn- und Busverbindungen für Pendler ist zwar in den vergangenen Jahren besser geworden, aber nicht in dem Ausmaß wie es nötig ist. Die Zeit des billigen Erdöls ist vorbei. Es ist die Aufgabe der Politik durch ein dichtes Öffi-Netz die Abhängigkeit vieler Pendler vom Auto zu verringern“, fordert VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer häufigere Bahn- und Busverbindungen sowie ein dichteres Öffi-Netz. Der VCÖ weist darauf hin, dass Jahreskarten für den Öffentlichen Verkehr in der Regel um das vier bis sechs Fache günstiger sind als das Pendeln mit dem Auto.

Der VCÖ betont, dass vor allem in den Ballungsräumen häufigere Verbindungen nötig sind. Für Wien liegt eine umfassende Erhebung für das Jahr 2010 vor. Von den 170.000 Personen, die an einem Tag zwischen fünf und neun Uhr in der Früh nach Wien fuhren, kamen nur 32 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 68 Prozent fuhren mit dem Auto. Am höchsten ist der Öffi-Anteil im Korridor Klosterneuburg (55 Prozent), gefolgt vom Korridor Mistelbach (46 Prozent) und Gänserndorf (41 Prozent), vom Süden (Korridor Mödling) sind es nur 27 Prozent.

Ähnlich die Situation in St. Pölten: Im Jahr 2012 kamen 28 Prozent der Pendler mit Bahn oder Bus in Niederösterreichs Landeshauptstadt, aber 59 Prozent nahmen das eigene Auto. Und im Raum Linz, wo es als einziger Ballungsraum Österreich noch immer keine S-Bahn gibt, werden überhaupt nur 17  Prozent aller Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, so der VCÖ.

Der VCÖ fordert  mehr Investitionen des Bundes in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Zudem appelliert der VCÖ an die Betriebe und Unternehmen ihren Beschäftigten ein Öffi-Jobticket zur Verfügung zu stellen. Dieses ist steuerlich begünstigt. Informationen zum Jobticket gibt es auch beim VCÖ unter www.vcoe.at

„In der massiven Zunahme der Anzahl der Pendler spiegeln sich aber auch kapitale Fehler in der Siedlungspolitik und bei Betriebsansiedelungen wider. Statt verdichteten Wohnbau in den Ortskernen zu forcieren, wurde das Haus auf der Grünen Wiese abseits öffentlicher Infrastrukturen gefördert. Anstatt Arbeitsplätze in der Region zu schaffen, wurde in den vergangenen Jahrzehnten mit vielen Milliarden Euro das Pendeln in die Zentren gefördert“, fordert VCÖ-Experte Gansterer auch Reformen bei der Wohnbauförderung, bei Betriebsansiedelungen und bei der Pendlerförderung.

 

VCÖ: Zahl der Pendler in Österreich massiv gestiegen
(Anzahl Personen, die außerhalb ihres Wohnortes arbeiten, in Klammer Anteil an den Erwerbstätigen) 

Jahr 2011: 2.112.000 (53,7 Prozent)
Jahr 2001: 1.821.000 (50,3 Prozent)
Jahr 1991: 1.466.000 (43,3 Prozent)
Jahr 1981: 1.175.000 (36,2 Prozent)
Jahr 1971: 786.000 (25,5 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2013

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