VCÖ fordert Abgasmessungen beim Fahren auf der Straße

VCÖ (Wien, 22. September 2015) – Der deutsche Verkehrsminister Dobrindt hat nach dem Dieselskandal in den USA verschärfte Prüfungen von VW-Dieselautos angekündigt. Der VCÖ fordert für Österreich Abgasmessungen beim Fahren im Straßenverkehr.Studien des renommierten Forschungsinstituts ICCT zeigen, dass auch in Europa neue Diesel-Pkw beim Fahren im Schnitt sieben Mal mehr gesundheitsschädliche Stickoxide in die Luft blasen als der Grenzwert vorschreibt. Stickoxide verursachen Atemwegserkrankungen und erhöht das Herzinfarktrisiko.

Gerade in Österreich werden seit Jahren besonders viele Dieselautos gekauft. In den ersten acht Monaten des heurigen Jahres hatten 57,9 Prozent der Neuwagen einen Dieselmotor, zwei Drittel davon wurden auf „juristische Personen“ zugelassen. In Wien wurden sogar acht von zehn Diesel-Pkw nicht auf private Haushalte zugelassen. „Die Manipulation der Abgasmessungen ist eine Verhöhnung - um nicht andere Worte zu verwenden – der Bevölkerung insgesamt, die mehr an giftigen Schadstoffen einatmen muss. Und es ist eine Verhöhnung der Autofahrer, die im guten Glauben ein angeblich schadstoffarmes Auto kaufen und in Wirklichkeit aber die Luft stark verschmutzen“, fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen umfassende Konsequenzen infolge des Dieselabgas-Skandals. Der VCÖ hat in den vergangenen Jahren gemeinsam mit anderen Umweltorganisationen in Europa mehrfach darauf hingewiesen, dass Neuwagen beim Fahren im Schnitt ein Vielfaches an Schadstoffen verursachen als der Grenzwert vorschreibt.

So hat eine Studie des unabhängigen Forschungsinstituts ICCT (International Council on Clean Transportation), das den VW-Dieselskandal in den USA ins Rollen gebracht hat, gezeigt, dass neue Diesel-Pkw-Modelle (Abgasnorm EURO 6) im Schnitt sieben Mal so hohe Stickoxid-Emissionen verursachen wie der Grenzwert vorschreibt. Statt den laut EU-Abgasnorm Euro 6 erlaubten 80 Milligramm je Kilometer wurde die Luft im Schnitt mit 560 Milligramm pro Kilometer verschmutzt. Ein getestetes Fahrzeug hat den Grenzwert sogar um das 23,5 fache überschritten.

Stickoxide sind ein Reizgas und können Atemwegserkrankungen verursachen. Vor allem für Kinder, die im Wachstum sind, und für ältere Menschen sind Stickoxide sehr gesundheitsschädlich. Bei hohen Belastungen können Herzinfarkte und Lungenödeme die Folge sein. „Das Fatale ist, dass die Autoabgase dort in die Luft geblasen werden, wo Menschen unterwegs sind und wo es Wohngebiete gibt. In Autos, die im städtischen Verkehr im Stau stehen, ist die Schadstoffbelastung besonders hoch“, weist VCÖ-Expertin Rasmussen auf die negativen Gesundheitsfolgen hin.

Der VCÖ fordert, dass in Österreich Abgasmessungen bei Dieselfahrzeugen im realen Straßenverkehr durchgeführt werden. Neue Dieselfahrzeuge sollen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, die Messungen sollen von unabhängigen Fachleuten, wie etwa dem Umweltbundesamt, durchgeführt werden. "Die Bevölkerung hat nichts davon, wenn im Labor mit Tricksereien Grenzwerte erreicht werden. Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung müssen die Grenzwerte beim Fahren auf der Straße eingehalten werden", betont VCÖ-Expertin Rasmussen.  Zudem soll auf EU-Ebene der neue Fahrtestzyklus WLTP bereits im Jahr 2016 eingeführt werden. Dieser ergibt realistischere Verbrauchswerte als der derzeit verwendete NEFZ, der völlig veraltet ist. Zudem soll der neue Testzyklus so wie in den USA um einen „Real Life Test“ ergänzt werden.

Wesentlich für die Luftqualität in den Ballungsräumen ist auch ein viel stärkerer Ausbau des Öffentlichen Verkehrsnetzes sowie der Infrastruktur fürs Radfahren. „Viele Ballungsräume haben Probleme mit der Luftqualität. Diese Probleme sind zu lösen, wenn weniger Autos in die Städte fahren. Viele Menschen sind zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bereit, wenn das Angebot gut ist“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen zusätzliche und häufigere Verbindungen.

Link zur ICCT-Studie: http://www.theicct.org/real-world-exhaust-emissions-modern-diesel-cars

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