VCÖ: Flächendeckende Parkraumbewirtschaftung in Wien längst überfälliger Schritt

VCÖ: Verkehrsbelastung in Wohngebieten reduzieren – Straßen klimafit machen

VCÖ (Wien, 5. Mai 2021) – Ganz Wien wird eine Parkraumbewirtschaftung bekommen. Das hat heute Mobilitätsstadträtin Ulli Sima bekannt gegeben. Der VCÖ begrüßt diesen längst überfälligen Schritt. Die Verkehrsbelastung ist in etlichen Gebieten ohne Parkraumbewirtschaftung für die Wohnbevölkerung bereits unerträglich. Die Parkraumbewirtschaftung ist ein wirksames Instrument, das auch den Autopendlerverkehr nach Wien verringert. Zudem sind Wiens Straßen fit für die Klimakrise zu machen, es braucht mehr Platz für mehr schattenspendende Bäume und kühlendes Grün, betont der VCÖ.

„In jedem Bezirk, in dem die Parkraumbewirtschaftung eingeführt wurde, hat sich die Situation für die Wohnbevölkerung stark verbessert. Es gab wieder freie Parkplätze, der Autoverkehr nahm ab, die Folge waren weniger Lärm, weniger Abgase, mehr Verkehrssicherheit und eine deutlich höhere Lebensqualität. Gut, dass nun endlich die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung in ganz Wien in die Wege geleitet wird“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Damit wird auch ein erster Schritt gesetzt, um das Ziel der Stadtregierung, den Autopendlerverkehr nach Wien bis zum Jahr 2030 zu halbieren, erreichen zu können. Je mehr Gratis-Parkplätze in den Außenbezirken zur Verfügung stehen, umso mehr Beschäftigte pendeln mit dem Auto nach Wien. Der VCÖ weist darauf hin, dass Anrainerinnen und Anrainer entlang der Stadteinfahrten einer gesundheitsgefährdenden Lärm- und Abgasbelastung ausgesetzt sind. Eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung ist ein wichtiger Anreiz, dass Pendlerinnen und Pendler auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

"Dass Autos auf den Straßen gratis abgestellt werden können, ist ein Privileg, das sich eine Stadt in Zeiten der Klimakrise nicht mehr leisten kann. International setzen bereits zahlreiche Städte Maßnahmen, um aus einem autodominierten Verkehrssystem ein Mobilitätssystem zu machen, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Im Vorjahr hat die Wiener Bevölkerung 37 Prozent ihrer Alltagswege zu Fuß zurückgelegt, nur 27 Prozent mit dem Auto. Und auch schon vor Covid-19 sind die Wienerinnen und Wiener mehr zu Fuß gegangen als mit dem Auto gefahren. Und dennoch wird auf vielen Straßen selbst den parkenden Autos mehr Platz eingeräumt als den Bürgerinnen und Bürgern, die zu Fuß unterwegs sind", fordert VCÖ-Experte Schwendinger, dass zu schmale Gehsteige rasch die von den offiziellen Planungsrichtlinien vorgeschlagene Mindestbreite von zwei Metern erhalten.

Durch die Parkraumbewirtschaftung nimmt der Parkdruck ab, ebenso das Falschparken. Platz wird frei, was auch in Wien dringend nötig ist. Denn die Bezirke und die Stadt Wien sind gefordert, die Straßen auf die sich verschärfende Klimakrise vorzubereiten. Derzeit wird enorm viel Fläche durch abgestellte Pkw besetzt. „In vielen Straßen Wiens fehlen schattenspendende Bäume und abkühlendes Grün. Asphaltwüsten heizen sich massiv auf, es entstehen Hitze-Inseln. Es braucht sehr rasch mehr Platz für Grünflächen“, betont VCÖ-Experte Schwendinger. Wien ist von der Erderhitzung besonders betroffen. Die Klimaforschung rechnet, dass es in Wien im Jahr 2050 so heiß sein wird, wie heute in der nordmazedonischen Stadt Skopje.

 

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