VCÖ: Feinstaubbelastung in Österreich heuer deutlich stärker als im Jänner des Vorjahres

VCÖ: Verstärkte Maßnahmen zur Verringerung des Kfz-Verkehrs nötig - Steuerbegünstigung von Diesel abschaffen

VCÖ (Wien, 1. Februar 2017) – In Österreich war im heurigen Jänner die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastung höher als im Jänner 2016, fasst der VCÖ die erste Luftgütebilanz des heurigen Jahres zusammen. Der höchsten Feinstaubbelastung war Graz ausgesetzt, wo bereits an 20 Tagen zu viel Feinstaub in der Luft war. Die höchste Stickstoffdioxid-Belastung weist Tirol auf, auch in Salzburg und Vorarlberg ist die Belastung mit gesundheitsschädlichem NO2 hoch. Der VCÖ spricht sich für den verstärkten Ausbau umweltfreundlicher Mobilitätsangebote aus.

Der heurige Jänner war durch Kälte und schlechte Luftqualität geprägt. Eine aktuelle VCÖ-Analyse der Daten der einzelnen Bundesländer zeigt, dass in weiten Teilen Österreichs die Belastung mit Feinstaub (PM10) aber auch mit Stickstoffdioxid (NO2) deutlich höher war als im Jänner des Vorjahres. Einzig in Graz und in Klagenfurt war bereits im Vorjahr die Belastung hoch.

Die höchste Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid weist Tirol auf. Bei Vomp an der A12 wurde heuer bereits an 23 Tagen der Tagesmittelwert von 80 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten, im Vorjahr war das an 15 Tagen der Fall, macht der VCÖ aufmerksam. Der Jahresgrenzwert liegt bei 35 Mikrogramm NO2.

„Hauptverursacher von Stickstoffdioxid sind Dieselfahrzeuge. Wo viele Lkw und Diesel-Pkw fahren, wird die Luft mit großen Mengen an Stickoxiden verschmutzt. Verschärft wird die Situation, weil moderne Diesel-Pkw beim Fahren auf der Straße im Schnitt sechs Mal so viele Stickoxide ausstoßen wie im Labor ermittelt wurde“, betont VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Laut europäischem Forschungsinstitut ICCT emittieren neue Diesel-Pkw im Schnitt doppelt so viele Stickoxide wie neue Lkw. „Bei Lkw findet seit einigen Jahren der Abgastest beim Fahren auf der Straße statt. Und das wirkt, wie man sieht“, erklärt VCÖ-Expertin Rasmussen. Dass Diesel trotz der großen Gesundheitsschädlichkeit um 8,5 Cent pro Liter niedriger besteuert wird, ist kontraproduktiv.

Die Feinstaubbelastung war im Jänner wiederum in Graz am höchsten. An 20 Tagen wurde in der steirischen Landeshauptstadt der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm PM10 pro Kubikmeter Luft überschritten. Der Jahresgrenzwert liegt bei 25 Tagen mit zu hoher Feinstaubbelastung. Sehr hoch war die Feinstaubbelastung auch im burgenländischen Kittsee sowie in mehreren Orten Kärntens und der Steiermark. Auch in Niederösterreich, Wien, Oberösterreich und Salzburg wurde zahlreichen Orten an mehr als zehn Tagen eine zu hohe Feinstaubbelastung gemessen, berichtet der VCÖ.

Hauptverursacher von Feinstaub sind Verkehr, Industrie und Hausbrand. Da Luft keine Grenzen hat, wird auch Feinstaub aus anderen Ländern nach Österreich verfrachtet. Das ist der Grund, warum in Kittsee die Belastung so hoch ist. „Die Messvorgaben der EU weisen zwei zentrale Mängel auf: Es wird vor allem grobkörniger Feinstaub gemessen, aber nicht der Ultra-Feinstaub, der am gefährlichsten ist. Und es wird nur das Gewicht gemessen, aus Gesundheitssicht ist aber die Anzahl der Partikel entscheidend“, so VCÖ-Expertin Rasmussen.

Ein grobkörniges Feinstaubkorn hat dasselbe Gewicht wie tausende Kleinstpartikel. Doch während grobkörniger Feinstaub in den oberen Atemwegen „hängen“ bleibt, gelangen Kleinstpartikel bis in die Lungenbläschen und den Blutkreislauf und können zu schweren Lungenschäden sowie Herzerkrankungen führen.

Bei den kleinsten Feinstaub-Partikeln spielen zudem die lokalen Verursacher die Hauptrolle. Messungen in Wien im Winter des Vorjahres haben an verkehrsfernen Orten eine Ultra-Feinstaub Belastung von rund 4.000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft ergeben. Die höchste fünfminütige Durchschnittsbelastung am stark befahrenen Gürtel war mit rund 114.000 Partikeln fast 30 Mal so hoch. Die höchste Belastung wurde im Autoinneren mit bis zu 230.000 Partikeln gemessen.

Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um den Kfz-Verkehr in Ballungsräumen zu verringern. „Das umweltfreundliche Mobilitätsangebot muss stärker ausgebaut werden. Es braucht mehr Bahnverbindungen vom Umland in die Städte, das S-Bahnnetz ist auszubauen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Zudem ist der Lkw-Verkehr insbesondere auf den Transitrouten zu verringern.

Insgesamt führen viele Klimaschutzmaßnahmen auch zu einer besseren Luftqualität. „Je früher das Verbrennen fossiler Energieträger, wie Heizöl, Kohle oder Diesel und Benzin beendet wird, umso weniger Schadstoffe gelangen in unsere Luft“, so VCÖ-Expertin Rasmussen.

VCÖ: Heuer auch sehr hohe Stickstoffdioxid-Belastung in Österreich (Anzahl Tage mit einem Tagesmittelwert von mehr als 80 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft – der Jahresgrenzwert liegt bei 35 Mikrogramm NO2)

Vomp A12 : 23 Tage (15 Tage)
Imst A12: 13 Tage (2 Tage)

Hallein A10: 12 Tage (kein Tag)
Hallein B159: 12 Tage (kein Tag)
Salzburg Rudolfsplatz 12 Tage (kein Tag)
Hall in Tirol 12 Tage (8 Tage)

Innsbruck Fallmerayerstraße 10 Tage (8 Tage)
Zederhaus A10: 10 Tage (1 Tag)
Kundl A12: 10 Tage (5 Tage)

Lustenau: 9 Tage (1 Tag)
Innsbruck Reichenau - Andechsstraße 8 Tage (7 Tage)
Vomp An der Leiten: 8 Tage (5 Tage)
Feldkirch Bärenkreuzung 7 Tage (1 Tag)
Wald am Arlberg S16: 6 Tage (1 Tag)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2017

VCÖ-Grafik Im Jänner stärkste Feinstaubbelastung in Graz

VCÖ: In Österreich heuer deutlich höhere Feinstaubbelastung (Tage im Jänner 2017 mit Überschreitung des Tagesgrenzwertes, in Klammer Jänner 2016 endgültige Daten – außer in Steiermark vorläufige Daten)

Graz Süd : 20 Tage (20 Tage)
Graz Mitte: 19 Tage (13 Tage)
Graz Ost: 19 Tage (20 Tage)

Kittsee: 18 Tage (6 Tage)
Graz Don Bosco: 18 Tage (18 Tage)
Graz West: 18 Tage (11 Tage)

Klagenfurt Völkermarkter Straße: 17 Tage (17 Tage)
St. Andrä im Lavanttal: 17 Tage (6 Tage)
Fürstenfeld: 17 Tage (8 Tage)

Ebenthal Zell: 16 Tage (11 Tage)
Wolfsberg: 16 Tage (6 Tage)
Köflach: 16 Tage (11 Tage)

Linz 24er Turm: 14 Tage (5 Tage)
Leibnitz: 14 Tage (17 Tage)
Weiz: 14 Tage (7 Tage)

Eisenstadt: 13 Tage (6 Tage)
Hainburg: 13 Tage (2 Tage)
Klosterneuburg 13 Tage (2 Tage)
Mannswörth bei Schwechat: 13 Tage (1 Tag)
Stockerau: 13 Tage (1 Tag)
Tulln 13 Tage (2 Tage)
Linz Römerberg B139 13 Tage (4 Tage)

Graz Nord 12 Tage (9 Tage)
Spittal / Drau 12 Tage (3 Tage)
Schwechat 12 Tage (4 Tage)
St. Pölten Europaplatz 12 Tage (3 Tage)
Wien Liesing 12 Tage (5 Tage)
Wien Taborstraße 12 Tage (5 Tage)

Salzburg Lehener Park 11 Tage (1 Tag)
Salzburg Mirabellplatz 11 Tage (1 Tag)
Salzburg Rudolfsplatz 11 Tage (2 Tage)
Biedermannsdorf 11 Tage (2 Tage)
Gänserndorf 11 Tage (1 Tag)
Himberg 11 Tage (2 Tage)
Mödling 11 Tage (3 Tage)
Wiener Neudorf 11 Tage (7 Tage)
Wiener Neustadt 11 Tage (4 Tage)
Wien Belgradplatz: 11 Tage (4 Tage)
Wien Gaudenzdorf: 11 Tage (5 Tage)
Wien Kaiser-Ebersdorf: 11 Tage (1 Tag)
Wien Kendlerstraße: 11 Tage (5 Tage)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2017

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