VCÖ: Feinstaub-Jahresgrenzwert wurde bei 11 Messstellen im Vorjahr überschritten

VCÖ (Wien, 2. Jänner 2015) – Die Feinstaubbelastung in Österreich ist im Vorjahr zurückgegangenen, macht der VCÖ aufmerksam. Trotz günstiger Wetterbedingungen wurde aber bei elf Messstationen in Graz, Wien, Linz und Leibnitz der Jahresgrenzwert überschritten. Die höchste Feinstaubbelastung wurde  in Graz gemessen. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen gegen die besonders gesundheitsschädlichen Kleinstpartikel. Vor allem die Abgase von Diesel-Fahrzeugen ohne Filter verschmutzen die Luft mit großen Mengen an Feinstaubpartikeln.

„Die Luftqualität war im Vorjahr in Österreich besser. Die Feinstaubbelastung war geringer als in den Jahren davor. Aber trotzdem wurde an 11 Messstellen der Jahresgrenzwert überschritten“, fasst VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek die aktuelle VCÖ-Feinstaubbilanz auf Basis der Luftgütedaten der Bundesländer und des Umweltbundesamts zusammen. Im Vorjahr wurde an 11 von 127 Messstellen der Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten, macht der VCÖ aufmerksam. Im Jahr 2013 war bei 14 Messstellen der Wert zu hoch, im Jahr 2012 bei 20 Messstationen und im Jahr 2011 sogar bei 76 Messstationen.

Im Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, Tirol sowie in Vorarlberg wurde im Jahr 2014 an keiner Messstelle der Jahresgrenzwert überschritten, macht der VCÖ aufmerksam.Ähnlich wie im Jahr 2013 waren auch im Vorjahr die Witterungsbedingungen für die Luftqualität günstig. Der stärksten Feinstaubbelastung ist die Bevölkerung in Graz ausgesetzt. An der Messstelle Petersgasse und an der Messstelle Graz Don Bosco wurde nach vorläufigen Daten an 37 Tagen der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten. „Damit wurde der in Österreich erlaubte Grenzwert von 25 Tagen deutlich überschritten“, so VCÖ-Expertin Urbanek. Auch der EU-Grenzwert ( 35 Tage mit einem zu hohen Tagesgrenzwert) wurde in Graz überschritten. Zu hoch war die Feinstaubbelastung auch in Wien, Leibnitz und Linz. Die Bilanz kann sich noch etwas verbessern, da Überschreitungen infolge von Salzstreuungen herausgerechnet werden dürfen.

Der VCÖ weist darauf hin, dass Feinstaub umso gesundheitsschädlicher ist, je kleiner die Partikel sind. Während es für den grobkörnigen PM10 Feinstaub ein flächendeckendes Messnetz gibt, gibt es nur 30 Messstellen für die kleineren Partikel PM 2,5 und nur eine Messstelle für PM1 (in Illmitz). Gar keine Messstellen gibt es für den ultrafeinen Feinstaub mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer. „Die Kleinstpartikel können in den Blutkreislauf und in die Lungenbläschen eindringen und können zu Krebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen führen“, fordert VCÖ-Expertin Urbanek ein dichteres Netz an Messstellen für die kleineren Feinstaubpartikel.

Grobkörniger Feinstaub hat drei Hauptverursacher: Verkehr, Industrie und Hausbrand (Heizungen). Im Verkehrsbereich sind die Abgase von Dieselfahrzeugen ohne Filter regelrechte Feinstaubschleudern. Und diese enthalten auch besonders viele gesundheitsschädliche Kleinstpartikel. Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung sollten daher alte Lkw ohne Partikelfilter nicht mehr in Städte und in belastete Gebieten einfahren dürfen. Die in Teilen Österreichs bestehenden Fahrverbote für sehr alte Lkw (Euro 0 und Euro 1) sollten daher auf alle Lkw ohne Partikelfilter ausgedehnt werden.

Studien zeigen, dass Feinstaub bereits in Mengen, die unter dem Grenzwert liegen, sehr gesundheitsschädlich ist. „Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zu setzen, die den Feinstaub-Ausstoß verringern. In den Städten ist saubere Mobilität viel stärker zu forcieren. Je mehr vom Auto auf Öffis umsteigen oder kurze Fahrten durch Radfahren oder Gehen ersetzen, umso besser für die Luftqualität“, nennt VCÖ-Expertin Urbanek einige wichtige Maßnahmen. Auch der verstärkte Einsatz von Elektro-Transportern oder E-Taxiflotten und E-Carsharing verringert die Feinstaubbelastung in den Städten.

 

VCÖ: Bei 11 Messstellen wurde der Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten (Tage im Jahr 2014 mit Tagesmittelwert von mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft, in Klammer Jahr 2013 - Erlaubter Jahresgrenzwert: 25 Tage; von der EU erlaubter Jahresgrenzwert: 35 Tage)

Graz Ost Petersgasse: 37 Tage (45 Tage)

Graz Don Bosco: 37 Tage (44 Tage)

Wien  Stadlau: 33 Tage (25 Tage)

Leibnitz Lastenstraße: 32 Tage (35 Tage)
Graz Süd Tiergartenweg: 30 Tage (31 Tage)
Wien Kaiser-Ebersdorf: 30 Tage (19 Tage)
Wien Laaer Berg: 28 Tage (27 Tage)
Wien Taborstraße: 27 Tage (28 Tage)
Linz Römerberg B139: 27 Tage (33 Tage)
Wien Floridsdorf: 27 Tage (27 Tage)
Wien Wehlistraße/Südosttangente: 27 Tage (kein Vergleichswert)

 

Klosterneuburg Wiener Straße: 24 Tage (23 Tage)
Linz 24er Turm A7: 24 Tage (25 Tage)
Kittsee: 23 Tage (19 Tage)
Wien Schafberg: 23 Tage (15 Tage)
Wien Gaudenzdorf: 21 Tage (31 Tage)

Wien Liesing - Gewerbegebiet: 17 Tage (31 Tage)
Wien Belgradplatz: 20 Tage (34 Tage)
Stockerau, Rudolf Diesel-Straße: 18 Tage (19 Tage)
Graz West - Eggenberg: 18 Tage (22 Tage)
Wien Kendlerstraße: 17 Tage (35 Tage)
Wien Liesing - Gewerbegebiet: 17 Tage (31 Tage) 

Wien  AKH: 15 Tage (24 Tage)
Wiener Neudorf Hauptstraße: 15 Tage (13 Tage)
Illmitz am Neusiedler See: 14 Tage (15 Tage)
Linz Neue Welt: 14 Tage (21 Tage)
Feldkirch Bärenkreuzung (Wert nur bis 31.10.2014): 14 Tage (23 Tage)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2015

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