VCÖ: Erstmals weniger als 400 Verkehrstote, aber Verkehrssicherheitsziel trotz Coronakrise deutlich verfehlt

VCÖ: Bei der Verkehrssicherheit an der Schweiz ein Vorbild nehmen

Foto: Maria Hötzmanseder

VCÖ (Wien, 1. Jänner 2021) – Erstmals in Österreich gab es im Vorjahr weniger als 400 Verkehrstote. Der Verkehrsrückgang infolge der Covid-19 Pandemie machte sich auch in der Unfallstatistik bemerkbar. Der VCÖ weist darauf hin, dass trotz Coronakrise das Verkehrssicherheitsziel deutlich verfehlt hat. Im Vergleich zur Schweiz ist der Blutzoll auf Österreichs Straßen sehr hoch. Der VCÖ fordert verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahen nach Schweizer Vorbild.

Erstmals seit Bestehen der Unfallstatistik ist die Zahl der Verkehrstoten im Vorjahr auf unter 400 gesunken. Der starke Verkehrsrückgang infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie macht sich in der Unfallstatistik bemerkbar und führte zu weniger Unfällen, betont der VCÖ.

Aber trotz dreimaligen Lockdowns hat Österreich sein Verkehrssicherheitsziel von weniger als 312 Verkehrstoten deutlich verfehlt. „Die 338 Verkehrstoten sind Mahnung verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen zu setzen. Jeder Verkehrstote ist einer zu viel“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest.

Der Vergleich mit der Schweiz verdeutlicht den Aufholbedarf Österreichs. Österreich hatte im Vorjahr um rund 80 Prozent mehr Verkehrstote als die Schweiz mit 187 im gesamten - coronafreien – Jahr 2019. „Die Schweiz setzt vor allem beim Tempo an. Aus gutem Grund. Auch in Österreich ist nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptursache tödlicher Verkehrsunfälle.  Mit dem Tempo steigt das Risiko eines schweren Unfalls“, so VCÖ-Sprecher Gratzer.

In der Schweiz sind die Tempolimits niedriger. Auf Freilandstraßen gilt Tempo 80 statt 100, auf Autobahnen ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 120. Auch die Toleranzgrenzen sind niedriger, die Strafen insbesondere für Raser deutlich höher. Die Schweizer Städte setzen auf Verkehrsberuhigung, vor allem auf Begegnungszonen, allein in der Hauptstadt Bern gibt es mehr als 100. In Begegnungszonen gilt maximal Tempo 20, Fußgängerinnen und Fußgänger haben Vorrang.

Zudem wirkt sich der hohe Bahnanteil positiv auf die Verkehrssicherheit aus. In der Schweiz wurden im Vorjahr mit durchschnittlich 2.500 Kilometer um rund 1.000 Kilometer pro Einwohner mehr mit der Bahn gefahren als in Österreich. Eine VCÖ-Analyse zeigt, dass im Zeitraum 2017 bis 2019 in Österreich das tödliche Unfallrisiko mit dem Pkw pro Milliarde Personenkilometer 94 Mal so hoch war wie mit der Bahn. „Wenn es uns gelingt, dass in Österreich durch den verstärkten Umstieg vom Auto auf die Bahn das Schweizer Niveau erreicht wird, dann geht auch die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle zurück“, betont VCÖ-Sprecher Gratzer. Auch die verstärkte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene erhöht die Verkehrssicherheit.

Große Sicherheitsmängel gibt es in Österreich bei der Rad-Infrastruktur. Viele Radwege sind zu schmal, in zahlreichen Regionen fehlt überhaupt die Rad-Infrastruktur. Dass Siedlungen das nächstgelegen Ortsgebiet nur über eine Freilandstraße erreichen können, ist leider keine Seltenheit. „Ein Indikator für die Qualität der Rad-Infrastruktur ist die Anzahl von Familien, die mit dem Fahrrad im Alltag unterwegs sind. Und diese Anzahl ist in Österreich vielerorts gering“, weist VCÖ-Sprecher Gratzer auf die Notwendigkeit eines verstärkten Ausbaus der Rad-Infrastruktur hin.

VCÖ: Im Vorjahr weniger Verkehrstote, aber Verkehrssicherheitsziel verfehlt (Anzahl Verkehrstote in Österreich)

Jahr 2020: 338 Verkehrstote (vorläufige Daten)

Verkehrssicherheitsziel für 2020: Weniger als 312 Verkehrstote

Jahr 2019: 416 Verkehrstote (endgültige Daten)

Jahr 2018: 409 Verkehrstote

Jahr 2017: 414 Verkehrstote

Jahr 2016: 432 Verkehrstote

Jahr.2015: 479 Verkehrstote

Jahr 2014: 430 Verkehrstote

Jahr 2013: 455 Verkehrstote

Jahr 2012: 531 Verkehrstote

Jahr 2011: 523 Verkehrstote

Jahr 2010: 552 Verkehrstote

Quelle: BMI, Statistik Austria, VCÖ 2021

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