VCÖ: Ein Zehntel von Österreichs Erdölimporten kommt aus Saudi-Arabien

VCÖ (Wien, 16. Jänner 2015) –  In Saudi Arabien droht heute Freitag dem Blogger Raif Badawi erneut die Misshandlung durch 50 Peitschenhiebe. Der VCÖ weist darauf hin, dass rund ein Zehntel von Österreichs Erdölimporten aus Saudi Arabien stammt. Im Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen schneiden Österreichs zehn wichtigste Rohöl-Lieferanten schlecht ab, Saudi Arabien belegt überhaupt nur den 164. Rang von 180 Staaten. Im Vorjahr wurden in Österreich rund 9,8 Milliarden Liter Sprit getankt. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um die Erdölabhängigkeit des Verkehrs zu verringern.

Dem Blogger Raif Badawi droht heute erneut die Misshandlung durch 50 Peitschenhiebe. „Das ist barbarisch. Saudi Arabien tritt Menschenrechte und Meinungsfreiheit mit den Füßen. Umso ärgerlicher ist es, dass dieses Land zu den größten Rohöl-Lieferanten Österreichs zählt“, stellt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer fest. Im Zeitraum 2011 bis 2013 kam ein Zehntel von Österreichs Erdölimporten aus Saudi-Arabien. Beim Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen belegte Saudi-Arabien im Jahr 2014 den 164. Rang von 180 bewerteten Staaten.

Der VCÖ weist darauf hin, dass die zehn wichtigsten Rohöl-Lieferanten von Österreich bei der Pressefreiheit schlecht bis katastrophal abschneiden. Ein Viertel der Importe kam im Jahr 2013 aus Kasachstan, das damit der größte Lieferant war. Kasachstan belegt im Pressefreiheitsindex den 161. Rang. Nigeria (zweitwichtigster Importeur) belegt den 112. Rang, Russland (drittwichtigster Importeur) belegt den 148. Platz. Von den 10 größten Rohöl-Lieferanten schneidet Kuwait im Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen mit Rang 91 am besten ab.

Drei Viertel des Erdölverbrauchs Österreichs fließen in den Verkehr. Allein im Jahr 2014 wurden in Österreich rund 9,8 Milliarden Liter Sprit getankt, macht der VCÖ aufmerksam. „Je weniger Sprit wir für unsere Mobilität und für den Gütertransport verbrauchen, umso weniger Geld aus Österreich fließt in die Kassen von Staaten wie Saudi Arabien. Auch viele kleine Beiträge können Großes bewirken“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

Der VCÖ fordert zudem verkehrspolitische Maßnahmen, um Österreichs Transport vom Erdöl unabhängiger zu machen. Zentral ist dafür ein dichteres Netz an öffentlichen Verkehrsverbindungen, eine verbesserte Infrastruktur fürs Radfahren und eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung in den Gemeinden und Städten. Im Gütertransport sind neben der stärkeren Verlagerung auf die Schiene gerade im städtischen Bereich verstärkt Elektro-Transporter einzusetzen. „Wesentlich ist aber auch, dass die Autos beim Fahren auf der Straße deutlich weniger Sprit verbrauchen. Eine europäische Studie hat im Vorjahr gezeigt, dass die Autos beim Fahren im Schnitt um ein Drittel mehr Sprit verbrauchen als die Herstellerangaben versprechen. Zum Schaden der Umwelt und zum Schaden der Autofahrer“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

 

VCÖ: Ein Zehntel von Österreichs Erdölimporten kommt aus Saudi Arabien (Erdölimporte aus Saudi-Arabien (in Klammer Anteil an Erdölimporten))

Jahr 2013: 601.000 Tonnen (7,7 Prozent)

Jahr 2012: 844.500 Tonnen (11,4 Prozent)

Jahr 2011: 818.000 Tonnen (11,3 Prozent)

Summe 2011 bis 2013: 2.263.500 Tonnen (10,1 Prozent)

Quelle: FVMI, VCÖ 2015

 

VCÖ: Wenig Pressefreiheit in Österreichs wichtigsten Erdölimportstaaten (Erdölimporte im Jahr 2013 – In Klammer Platzierung im globalen Pressefreiheit-Ranking von Reporter ohne Grenzen, 180 Staaten wurden bewertet)

1.            Kasachstan: 1,969 Millionen Tonnen (161. Stelle)

2.            Nigeria: 1,484 Millionen Tonnen (112. Stelle)

3.            Russland: 1,100 Millionen Tonnen (148. Stelle)

4.            Libyen: 0,723 Millionen Tonnen (137. Stelle)

5.            Aserbaidschan: 0,699 Millionen Tonnen (160. Stelle)

6.            Saudi Arabien: 0,601 Millionen Tonnen (164. Stelle)

7.            Kuwait: 0,398 Millionen Tonnen (91. Stelle)

8.            Irak: 0,362 Millionen Tonnen (153. Stelle)

9.            Algerien: 0,298 Millionen Tonnen (121. Stelle)

10.          Ägypten: 0,057 Millionen Tonnen (159. Stelle)

Quelle: FVMI, ROG, VCÖ 2015

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