VCÖ: Ein Fünftel der Pendlerpauschale geht an Personen, die mehr als 50.000 Euro verdienen

VCÖ (Wien, 13. Februar 2015) – Ein Fünftel der Pendlerpauschale geht an Personen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro, macht der VCÖ aufmerksam. Neben der fehlenden sozialen Treffsicherheit fehlen derzeit auch ökologische Kriterien. Pro Jahr werden mehr als 1,2 Milliarden Euro steuerlich geltend gemacht. Der VCÖ fordert eine umfassende Reform der Pendlerförderung mit einer Einkommensobergrenze und ökologischen Kriterien.

Mehr als 1,2 Milliarden Euro werden pro Jahr als Pendlerpauschale steuerlich geltend gemacht, das ist doppelt so viel wie noch im Jahr 2006. „Als die Pendlerpauschale in den 70er Jahren eingeführt wurde, kam sie vor allem schlechter verdienenden Pendlern aus strukturschwachen Regionen zugute. Heute hat die Pendlerpauschale ihre soziale Treffsicherheit verloren. Auch viele, die ein hohes Einkommen haben und aus der Stadt ins Grüne Umland gezogen sind und so erst zu Pendlern wurden, erhalten heute Pendlerpauschale“, stellt VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer fest. Die Pendlerpauschale vermindert die Lohnsteuerbemessungsgrundlage. Die Steuerreform-Kommission beziffert die Kosten der Pendlerpauschale mit rund 500 Millionen Euro pro Jahr.

Ein Fünftel der Pendlerpauschale geht an Personen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro, macht der VCÖ aufmerksam. Und während bei der kleinen Pendlerpauschale sogar 28 Prozent an Personen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro gehen, gehen 16 Prozent an Personen mit einem Jahreseinkommen von weniger als 20.000 Euro. Und der Anteil der Pendlerpauschale, der an Besserverdienende geht, ist in den letzten Jahren gestiegen.

Der VCÖ fordert daher im Zuge der Steuerreform eine Änderung der Arbeitsweg-Förderung. In Zukunft soll eine Einkommensobergrenze garantieren, dass die Förderung an jene Pendler geht, die diese auch wirklich brauchen.

Zudem ist auch eine Ökologisierung der Pendlerförderung nötig. Das derzeitige System fördert das Pendeln mit dem Auto höher als das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und wer keine öffentlichen Verkehrsmittel in der Nähe hat, bekommt bereits bei einem Arbeitsweg ab zwei Kilometern Pendlerpauschale – zusätzlich zum Verkehrsabsetzbetrag, mit dem Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pauschal abgegolten werden. „Wenn großes und kleines Pendlerpauschale den gleichen Tarif haben, ist das zudem eine deutliche Vereinfachung des Systems“, weist VCÖ-Experte Gansterer auf einen weiteren Vorteil einer umfassenden Reform hin.

Der VCÖ fordert, dass die Arbeitsplätze besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar werden. Gerade neue Betriebsstandorte sind dort zu errichten, wo auch die Erreichbarkeit mit Bahn oder Bus garantiert ist. Das gleiche gilt für neue Wohnsiedlungen. Auch braucht es aufgrund der flexibleren Arbeitszeiten häufigere Bahn- und Busverbindungen auch am Abend. 

Insgesamt ist die Pendlerpauschale heute um rund 50 Prozent höher als im Jahr 2005. Seit dem Jahr 2005 wurde die Pendlerpauschale vier Mal erhöht und zusätzlich der „Pendlereuro“ neu eingeführt. Im gleichen Zeitraum wurde beispielsweise die Familienbeihilfe nur einmal erhöht.

 

VCÖ: Ein Fünftel  der Pendlerpauschale geht an Einkommen mit mehr als 50.000 Euro
(Anteil der kleinen Pendlerpauschale / der großer Pendlerpauschale, der an Personen mit Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro gehen)

Jahr 2013: 28,3 Prozent / 16,4 Prozent
Jahr 2012: 27,7 Prozent / 18,2 Prozent
Jahr 2011: 25,6 Prozent / 17,8 Prozent
Jahr 2010: 25,2 Prozent / 16,6 Prozent
Jahr 2009: 24,3 Prozent / 15,9 Prozent
Jahr 2008: 24,1 Prozent  / 15,7 Prozent

Quelle: BMF, VCÖ  2015

 

VCÖ: Pendelpauschale hat sich  seit dem Jahr 2005  verdoppelt
(Betrag, der als Pendlerpauschale steuerlich geltend gemacht wurde) 

Jahr 2013: 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro
Jahr 2012: 1,218 Milliarden Euro
Jahr 2011: 1,195 Milliarden Euro
Jahr 2010: 1,080 Milliarden Euro
Jahr 2009: 1,054 Milliarden Euro
Jahr 2008: 0,977 Milliarden Euro
Jahr 2007: 0,632 Milliarden Euro
Jahr 2006: 0,587 Milliarden Euro
Jahr 2005: 0,517 Milliarden Euro

Quelle: BMF, VCÖ  2015

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